Die Keller wurden zum Erdgeschoss / Die Bahnunterführung in der Straße der Jugend war eine Herausforderung
Kaum zu glauben, aber wahr: B trifft zu. Die Dresdener Straße hatte zunächst einen beschrankten Bahnübergang, der aber nach 1900 bei zunehmendem Verkehr, sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße, zum Hindernis wurde. Obwohl die Straße bis direkt an die Bahn bebaut war (der Krieg hat hier Lücken hinterlassen), wurde die Straße abgesenkt, so dass bei einigen Häusern der Keller zum Erdgeschoss ausgebaut werden konnte.
Das bestätigt auch Katrin Lehmann. Sie mailt: „Wir blicken stadteinwärts in die damalige Dresdner Straße, heute Straße der Jugend. Die links und rechts abgehende Straße ist die Görlitzer Straße. Anfangs war es noch ein ebenerdiger Bahnübergang. Die Unterführung wurde im Jahre 1907 fertig gestellt.“
Günter Schulz erwähnt: „Die Unterführung wurde auch erforderlich, damit die Straßenbahn überhaupt nach Süden fahren konnte. Das wäre als niveaugleiche Kreuzung schlecht möglich gewesen. In der Berliner Straße gab es zwar mal so was mit der Spreewaldbahn, aber für eine normalspurige Staatsbahn war solch eine für den Fernverkehr hinderliche Schienenkreuzung keinesfalls zulässig.“
Frau Krämer findet: „Es ist eine sehr schöne Aufnahme von diesen Häusern. Rechts befindet sich die Gaststätte ‘Stadt Dresden’, wo die Familie des früheren ‘Paulaner’ noch tätig ist. Ich meine das ‘Paulaner’ vor der Wende, als die Kohlroulade dort noch 2,10 Mark Ost gekostet hat und auch in größter Hektik immer freundlich bedient wurde. Jetzt kann man, glaube ich, im ‘Stadt Dresden’ auch noch gut essen. Ich werde mal wieder hingehen. Das Bild war für mich eine Anregung dazu. Vielen Dank.“
Diethart Schulz schreibt: „Mir ist die Durchfahrt noch, wie im Volksmund genannt, als Unterführung bekannt. Ich glaube mich erinnern zu können, dass die Unterführung erst schmal und später verbreitert wurde, um der Verkehrssituation besser Rechnung zu tragen.“ Die Erinnerung trügt, sicher auch deshalb, weil das Verkehrsaufkommen deutlich gestiegen war.
Weitere Details weiß Georg Müller zu berichten: „Das Ergebnis einer baugeschichtlich merkwürdigen Situation fürwahr bezeugt das motivfreudige Bild aus der damaligen Dresdener Straße: ansehnliche Häuser des 19. Jahrhunderts und die Eisenbahnbrücke, wie sie um 1908 nachträglich hier auf Höhe der Blechenstraße eingefügt wurde. Nur gut, dass die Alten schon damals diesen Kreuzungspunkt richtig eingeschätzt hatten; hilfreich war wohl auch die Tatsache, dass der Straßenzug schon frühzeitig von einem sogenannten Weg nach Spremberg in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts als ‘Staatschaussee Spremberger Straße’, später ‘Spremberger Chaussee’, bezeichnet wurde. So war die künftige Gewichtung zwischen den Schienensträngen nach Frankfurt, Guben und Sorau sowie Richtung Görlitz und der Straßenverbindung nach Spremberg gegeben, und es bedurfte nur noch ingenieurtechnischer Meisterhand, durch Auf- und Abtrag von Gelände hier einen Niveauunterschied zwischen Gleisen und Straße von etwa fünf Metern zu garantieren. Dabei wurde die Brückendurchfahrtshöhe der Unterführung mit 3,70 Meter vorgegeben. Von Norden her senkte man die Dresdener Straße auf einer Länge von etwa 100 Meter ab, nach Süden ging es dann 80 Meter weit aufwärts bis zur damaligen Wintergartenstraße; Blechen- und Görlitzer Straße waren in die Prozedur mit eingebunden.“
Zur Bebauung merkt Karl-Heinz Schlodder an: „Links ist die alte Görlitzer Straße zu sehen mit dem Eckhaus, das in den 80er Jahren für den geplanten Bau eines Rechenzentrums geschliffen wurde. Hier befand sich einst die ‘Kleine Markthalle’. Dahinter standen noch bis zur Brücke vier Häuser. Über der Brücke zu erkennen ist das Ecktürmchen der Marienapotheke und der Dachreiter der Katholischen Christuskirche, in der heute die älteste und schönste von Hadank & Sohn gegossene Glocke von Cottbus hängt. Unter der Brücke fährt bereits ein Dreißiger Straßenbahnwagen in Richtung Stadtmitte. Deutlich zu erkennen ist auch ein Güterzug auf der Brücke mit den damals üblichen aufgesetzten Bremserhäuschen.
Auf der rechten Seite des Bildes stehen ebenfalls bis zum Gasthaus ‘Stadt Dresden’, früher ‘Paulaner Bräu’, die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häuser. Ganz rechts ist der Abzweig zur neuen Görlitzer Straße mit der Bau- und Bilderglaserei zu erkennen. Die zu Werbezwe-cken angebrachte Bleiverglasung (mit Davidsternmotiv) links der Gasleuchte wurde in den 80er Jahren bei einer Beschilderungsaktion in der Straße der Jugend leider der Glaserei gestohlen.“







