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Cottbus: Erst Schokolade, dann 1a Bockwurst

Bilder aus dem alten Cottbus | Von | 18. Februar 2012

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Im Burkbraun-Häuschen am Bahnhofsberg gab’s heiße Bockwürste (B war richtig)

Im Burkbraun-Häuschen am Bahnhofsberg gab’s heiße Bockwürste (B war richtig)
Günter Resag, Malermeister a. D. aus der Cottbuser Thälmannstraße, hat den Kiosk mit seinem Malerhandwerksbetrieb in den 80er Jahren letztmals im Auftrag der HO in Originalfarbtöne versetzt: ocker und rotbraun, innen und außen. Er berichtet: „Ursprünglich war das der Verkaufspavillon von Burkbraun aus der Kaiser-Friedrich-Straße (K.-Liebknecht-Straße) gegenüber der Alvenslebenkaserne. Jeder musste hier vorbei – ein idealer Werbe-Standort. Vor dem Krieg war das ein spiegelnder Laden mit glitzernden Vitrinen. Konfekt und Schokolade der Firma Burk & Braun wurden über Ladentheken aus edlen Hölzern verkauft. Reisende nahmen sich hier ein süßes Mitbringsel oder Reiseandenken von Cottbus mit. Der aromatische Duft drang nach draußen bis zur Straßenbahn, die hier einst zwischen den Brücken hielt. Eigentlich hätte das Häuschen unter Denkmalschutz gehört. Es war einfach ein prägnantes Zeichen für Cottbus. Das Foto zeigt, ich muss es zugeben, schon einen etwas vergekommenen Zustand.“
Weit zurück erinnert sich Brigitte Morgenstern aus der August-Bebel-Straße: „1953 beendete ich meine Lehre als Verkäuferin. Mein erster Arbeitsplatz war dieser Bahnhofskiosk. Es gab noch keinen Verkaufsstand im Krankenhaus und im Bahnhof, und so war hier immer viel los. Erstaunlich war das breite Lebensmittel- und Getränkesortiment. Es wurde in zwei Schichten gearbeitet. Mit einer Kollegin von damals treffe ich mich noch heute regelmäßig. Das Warenlager war im Keller, eine steile Treppe hinunter. Beheizt wurde der Raum mit einem Öfchen, die Asche mußte jenseits der straße unterhalb vom Stellwerk entsorgt werden. Die Leiterin des Kioskes hieß damals Frau Kockhott. Es war eine schwere Zeit, aber wir waren jung und voller Elan.“
Antje Schloßhauer aus der Drebkauer Straße lobt die heiße Bockwurst von damals und erwähnt Verkäuferin Frau Thimm, „die später bei Beweco in der Parzellenstraße in der betriebseigenen Verkaufststelle tätig“ war.
„Das war meine Schwiegermutti“,  bekennt Klaus Kaschke vom Skadower Weg aus Cottbus. Er und seine Frau Irmagard haben viele Erinnerungen: „Der Imbiss war von früh (6 oder 7 Uhr) bis 18 Uhr durchgehend offen. Der kleine Laden hatte einen großen Verkaufstresen und einige kleine Wandtische an den Fenstern. An Kundschaft war kein Mangel. Der Bockwurstkessel summte vor sich hin. Nie lag eine Wust allein im Kessel, die fette Brühe machte den guten Geschmack und die Bockwurst war deswegen berühmt. 50 Kilo und mehr wurden pro Tag verkauft. Dazu gab’s Bier, Brause oder Cola aus wackligen Holzkisten. Die Standardbestellung lautete: ein Bier und ‘ne Wurst  = 1,56 Mark.
Problematisch waren die Arbeitsbedingungen. Der leichte Holz-Glasbau war nicht gedämmt und selbst wenn der Ofen im Winter fast glühte, froren bei großer Kälte  mitunter die Flaschen ein. Kohle und Waren lagerten im Keller; dahin führte  eine schmale, steile Wendeltreppe. Wenn die Briketts im Sommer kamen, lose hingekippt, halfen die Männer der Verkäuferinnen beim eimerweise Reinschleppen. Ich habe da mehrfach geholfen.“
Bernd David aus der Koschendorfer Straße in Kolkwitz erzählt: „Dieser Kiosk wurde vor ca. 100 Jahren für die Firma Burkbraun gebaut, die Schokoladenfabrik in Cottbus. ‘Burkbraunhaus’ das stand oben am Giebel dran.“
„Den Aufwand am Haus bis hin zum Krebswappen trieben damals zwischen Bahnhof und Altstadt in aufwendigster Architektur alle vornehmen Bürgerhäuser, die gesäumt waren von breiten Gehwegen, Vorgärten und Alleebäumen“, ruft Georg Müller in Erinnerung.
Klaus Jung aus der Hans-Beimler-Straße tat es damals wie viele: „Wenn ich dienstlich in Cottbus zu tun hatte, bin ich extra über den Bahnhofsberg gegangen und habe mir eine Bockwurst in dem Kiosk gekauft. Es war immer ein reger Betrieb, die Verkäuferinnen waren trotzdem nett und freundlich.“
„Das ehemalige Schokoladenhäuschen“ hat auch Uwe Hoßfeld aus der Räschener Straße erkannt. „HO stand ja auf dem Bild! Neben der heißen, schmackhaften Bockwurst mit Brötchen gab es Bier oder Brause und auch Fischbrötchen, Milch, Pralinen, Schokolade, Schnaps. Der NVA-Offizier wird sicherlich Schnaps holen.“
Klaus Herold sagt „danke für das schöne Erinnerungsfoto. Das Wappen im Giebel müsste auf diese Firma Burkbraun zurückzuführen sein. Die heiße Bockwurst war besonders le-cker. Ob es dort auch Fahrscheine zu kaufen gab, weiß ich nicht mehr. Leider haben wir auch dieses Kleinod verloren.“
„Oft genug konnten wir als Studenten nicht widerstehen und haben in diesem Kiosk am Wochenende auf dem Weg zu den Zügen eine Bockwurst gegessen. Leider wurde das Gebäude 1986 wegen der Errichtung der neuen Bahnhofsbrücke ersatzlos abgerissen“, schreibt Detlef Harz vom Eigenheimweg in Cottbus.
Ursula Schütt war als Kind manchmal bei ihrem Vater im Stellwerk B2. „Damals duftete es bei Burkbraun wie heute bei Felicitas“ erklärt sie. „Nach dem Krieg herrschte der Senf- und Bockwurstduft vor.“
Und Gerhard Marx (85) aus der Cottbuser Saarstraße, dem wir das Foto verdanken, bemerkt abschließend: „In dem früheren Süßwarenladen habe ich mit meinem Taschengeld die letzte Schokolade zu kaufen bekommen, vermutlich war das 1940.“
Gewonnen hat diesmal Klaus Wetzke.



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