Der Boulevard mit den teuren Sachen / Im Exquisit war’s schon wie im Westen – nur alles viel, viel teurer
Die Spremberger Straße war Ende der 1970er Jahre, einer damals verbreiteten städtebaulichen Mode folgend, zum „Boulevard“ umgestaltet worden. Die Journalisten waren aber angehalten, diesen „westlichen“ Begriff nicht zu verwenden, sondern brav „Fußgängezone“ zu schreiben. Dabei war Boulevard durchaus treffend, denn man konnte flanieren, sich zeigen, viel sehen und – auch kaufen.
Eine Überraschung war das Foto für Manfred Meyer. Am Telefon erzählt er: „Ich erkenne auf dem Foto meine Frau mit unserem ersten Sohn in dem Korbkinderwagen in Höhe der Lampe. B ist damit die Lösung!“
Unsere Leserin H. Kraus hatte in jenen Jahren einmal Besuch aus München. Sie schreibt: „Natürlich gingen wir durch unsere Sprem. Das war im Sommer, und alles blühte schön, die Stimmung war gut, die Menschen fröhlich, die Schaufenster voll. Mein Besuch stand erstaunt da und wollte wissen, ob das alles zu verkaufen sei. Ich tat mich etwas umständlich: Im Prinzip ja, aber – nun ja – nicht für jedermann… – Wir standen vor den ‘Exquisit’-Schaufenstern, und ich muss zugeben: Ich konnte mir dort nie was kaufen.“
Hans-Dieter Schiemenz wendet das Ausschlussverfahren an: „1970 kann es nicht sein, denn da fuhr hier noch die Straßenbahn. 1999 fällt auch weg, denn da gab es längst keine Kinderwagen mehr. Also bleibt nur B = 1984 übrig.“
Siglinde Lippold schreibt: „Die großen Betonplatten in unserer Sprem haben niemandem gefallen. Aber sonst war die Straße sehr schön. Sie brauchte auch keine Ramschbuden – es war auch so gut belebt. Kaffee trinken ging man am Turm, Eis essen in der Burgstraße und wenn’s mal ganz fein zugehen sollte, gab es das ‘Stadt Cottbus’. Das war auch alles ganz nett. Natürlich ist Cottbus heute viel, viel schöner. Aber ob das auch auf die Sprem zutrifft – da sind wir uns im Freundeskreis gar nicht so sicher.“
Katrin Lehmann erinnert sich an eine markante Veränderung, die ihr die Lösung leicht machte. Sie mailt: „1970 scheidet aus, weil erst am 1. Juli 1974 der Straßenbahnverkehr durch die Spremberger Straße eingestellt wurde. Die Sprem wurde danach zu einer Fußgängerzone umgestaltet.“
Das meint auch Otto Blunck und verweist auf die Sprem Nummer 12 auf der rechten Seite: „Das Gebäude scheint noch im Aufbau zu sein.“
Georg Müller datiert in seiner Mail die Aufnahme noch konkreter: „Das Bild zeigt die Spremberger Straße etwa acht Jahre nach ihrer Einweihung als Fußgängerzone. Das geschah feierlich am 6. Oktober 1976, nachdem bereits zwei Jahre vorher die Straßenbahntrasse in die neue Stadtpromenade verlegt war. Liebevoll wurden Pflanzungen, wie zu sehen, eingerichtet, Sitzgelegenheien geschaffen und die – damals
jedenfalls – modernen Kugelleuchten installiert. Die Sprem wurde zu was, den Bürgern und auch den Geschäftsleuten konnte es nur recht sein.
Mich interessierte hier insbesondere das Angebot von Böcking und natürlich auch das von Reinsberg. Was der eine mit seiner unerschöpflichen Auswahl an edlem Spielzeug präsentierte, das waren für die Familie Reinsberg Schuhe in bester, in einzigartiger Qualität; nur die unverwüstlichen Clarks gab’s noch nicht – das Vereinigte Königreich war damals noch zu weit von der kleinen DDR entfernt.“
Für Diethart Schulz aus der Stadtpromenade war die Umgestaltung der Sprem zum Boulevard nur ein Teil des Stadtumbaus jener Jahre. Er erinnert: „Im Zuge der Umgestaltung der Stadtpromenade entstand die Wohnscheibe, die Eisbar ‘Sternchen’, gastronomische und Verkaufseinrichtungen. Die Betonkübel und die Beleuchtung sind ein sinnvoller Beleg dafür.
Auffällig ist der Haarschnitt der jungen Männer auf der linken Seite des Bildes, der damals modern war. Auch ich habe zu dieser Zeit solche langen Haare getragen.“





