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Das Hotel Ansorge ist heute der Hauptsitz der Handwerks-kammer Cottbus mit einem schönen Innungssaal

Aus unserer Leserpostmappe haben wir wieder einige interessante Zuschriften ausgewählt.
Richard Adolph schrieb uns: „Seit 1956 ist dieses Grundstück im Besitz der Handwerkskammer. Vorher war es das Hotel Ansorge, damals das erste Haus am Platze. Die Kriegsereignisse haben die rechts danebenstehenden Bürgerhäuser zerstört, bis auf das Haus mit der Nummer 18, worin sic h jetzt das Einrichtungshaus Hummel befindet. Als Handwerksmeister war ich selbst bis 1999 Mitglied der Handwerkskammer.“
Diethart Schulz ergänzt dazu: „schon vor der Wende 1989 wurde der große Innungssaal wieder hergerichtet. Nach der Wende musste aufgrund der schlechten Bausubstanz (Rißbildung) das Gebäude saniert werden. Im beeindruckenden Innungssaal erfolgt die Freisprechung zum Gesellen und die Ernennung zum Meister der unterschiedlichen Gewerke.“
Heinz Nauert hat uns ganz persönliche Erinnerungen an das „Haus des Handwerks“ mitgeteilt: „Das ‘Haus des Handwerks’ war früher das Hotel Ansorge. Dieses Hotel war zur damaligen Zeit eines von den vornehmsten und ältesten Hotels in Cottbus, in dem viele bekannte Persönlichkeiten abstiegen und übernachteten. Später, nach dem Krieg, wurde daraus die Handwerkskammer und damit auch die HO-Gaststätte ‘Haus des Handwerks’ – eine gepflegte und vornehme Gaststätte mit einer guten Küche und freundlicher Bedienung. Ich besuchte oft die Gaststätte und wurde zuvorkommend bedient. Ich kannte den Kellner Otto Sturz sehr gut, er war zuvor im ‘Weißen Roß’. Was ich hier sehr schön fand und auf mich stark beeindruckend wirkte, waren die vielen Gemäldebilder von Rembrandt im großen Gaststättensaal – dabei war auch ‘Der Mann mit dem Goldhelm’, „Die Kupplerin“ und „‘Das Schokoladenmädchen’. Die Bilder waren auch ein Grund, die Gaststätte gern und oft zu besuchen.“
„Das Foto ist wieder ein Hammer“, schreibt unser Leser Otto Blunck auf einer Postkarte. „Dieses Foto ist noch vor dem II. Weltkrieg gemacht worden und zeigt den Altmarkt mit einem Teil seiner vergangenen Pracht – und natürlich die heutige Handwerkskammer.“
Georg Müller hat sich besonders mit den geschichtlichen Hintergründen näher befasst: „Damals war’s – ein Opel P4 und ein BMW-Dixi warten vor der Nummer 17 auf dem Altmarkt, die Besitzer vielleicht wohlhabende Bürger – ihre Adresse das Hotel Ansorge. Das spätklassizistische Gebäudeduo, längst baudenkmalgeschützt, ist seit 1865 im Besitz des Eduard Ansorge. Der Hotelier war übrigens auch hochgeachtet in Cottbus daselbst unbesoldeter Stadtrat. Na gut, das Geschäft ging seit der Eröffnung 1875 ja auch bestens. Dann wurde es 1908 von der Familie Seelemeyer übernommen. Tja, und die Handwerkskammer, von der hier der Rätselfrage halber die Rede sein muss, die etablierte sich nach zehnjähriger Odyssee im Stadtgebiet mit dem 15. Oktober 1957 in diesem Hause am Altmarkt.
Für ihre Geschäftsgäste stand im Erdgeschoss rechts eine Gaststätte namens ‘Haus des Handwerks’ zum Verweilen bereit und zur Linken lud traditionsbenannt das Hotel Ansorge ein. Nach der Wende wurde Tabula rasa gemacht: Die inzwischen gealterte Bausubstanz, und für die Kammer längst zu klein geworden, wurde im August 1991 bis auf die Außenfassade zum Markt gesprengt und der Gebäudekomplex in den uns heute bekannten neuen Zustand versetzt.“
Zu ergänzen wäre, dass auch die Sparkasse Spree-Neisse für einige Jahre hier eine Zweigstelle unterhielt. Heute noch gibt es hier einen Geldautomaten. Auch zur Hofseite hin sind in den letzten Jahren einige Anbauten hinzugekommen.