Häuserabriss für ein Kaufhaus / Schlosserei, Zigarrenlager und Schuhmacher Buder einst hier ansässig
Herbert Ramoth mailte uns zum Bild der letzten Woche: „Die ‘Zone des großflächigen Abrisses’ – eine überaus zutreffende Formulierung für das Verschwinden ganzer Straßenzüge ab Mitte der 1960er-Jahre – erfasste die Stadtmitte, um für die sozialistische Großstadt ein ebensolches Stadtzentrum zu errichten. Da wurde auf Gebäude in gutem baulichen Zustand keine Rücksicht genommen. Dem ‘konsument’-Bau fielen große Teile der Roßstraße zum Opfer, so auch dieses stattliche Wohn- und Geschäftshaus.“
Diethart Schulz irrte diesmal (wie auch einige andere) und glaubte, dass hier die Stadthalle entstand. Grob gesehen ist das nicht ganz falsch, denn die Großbaustelle Stadtzentrum galt ja als ein geschlossenes Vorhaben.Susanne Haupt erinnert sich: „Auf dem Foto sehen wir eine weitere Straße, die bis hin zur Karl-Liebknecht-Straße reicht und für das ‘konsument’-Warenhauses abgerissen werden musste. Hier ist die Ecke Roß-/August-Bebel-Straße. In dem Eckhaus befand sich das Bestattungshaus Gulbien. Die Roßstraße verlief parallel zur Jahrstraße, die ja ebenfalls dem ‘konsument’ weichen musste.“
Brigitte Buder schrieb uns persönliche Erinnerungen. „Das Haus links gehörte zur Roßstraße und war eine Schlosserei. Das stattliche Wohn- und Geschäftshaus hat die Adresse August-Bebel-Straße 1. Daneben führte ein großes Eisentor zu einem Zigarrenlager. In der dann folgenden Nummer 2 war der Schuhmachermeister Erwin Buder, der mein Schwiegervater war. 1960 zog ich dort ein, aber leider mussten wir bald ausziehen, weil die Häuser fürs ‘konsument’ abgerissen wurden. Jetzt hat Galeria Kaufhof unsere ehemalige Adresse August-Bebel-Straße 2. Hausbesitzer war die Familie Schülke, die kurz vor dem Mauerbau nach dem Westen gegangen ist.“
„Ganz oben habe ich in der Mansarde gewohnt“, erzählt unser einstiger Vertriebsinspektor Wolfgang Herwig. „Die Wände waren dünn, das Pappdach kaum isoliert. Im schlimmen Winter 1960/61 brachten wir es nur auf 7 Grad in der Wohnung, aber in heißen Sommern schwitzten wir uns krank. Aber wir waren sehr glücklich hier. Ich musste als Eisenbahner mit Dienstort Cottbus nicht mehr bis nach Frankenberg zu meiner Familie fahren. Nach uns zog noch ein Lokführer in das Haus, aber dann wurde es bald abgerissen. Dass unten ein Bestatter arbeitete, war nicht weiter schlimm. Nur als einmal in der Waschküche eine Leiche lag, hat sich meine Frau fast zu Tode erschrocken. Lang ist’s her…“











