Hartmanns Würste waren die einzigen / Erst in der Sprem, dann am Markt, heute überall – und längst nicht allein
Unser Leser Sebastian Sachse erinnert sich: „1968 fiel mir auf, dass es in dieser Stadt viele Bäume, ungern grüßende Menschen und nur einen Bockwurststand gab. Der befand sich an der Straßenbahn in der Sprem links neben der Schlosskirche. Die Frau am Wurst-Ladentisch unterhielt sich, wenn die Schlange mal abriss, gern mit den Kunden, denn sie kam aus Leipzig. Das war ihr Marktvorteil. Das Cottbuser Hygieneamt erlaubte keinen ambulanten Wurststand. Sie aber hatte ihr Gewerbe in Sachsen angemeldet, wo die Behörden nicht so kleinkariert waren. Erst mit dem Umbau der Sprem zur Fußgängerzone ohne Straßenbahn suchten sich Hartmanns den Platz am Wochenmarkt, den das Rätselbild zeigt.“
Dort gab es dann Bockwurst und Bratwurst, die nicht gegrillt, sondern wirklich in Fett gebraten war und deshalb so gut schmeckte.“
Herbert Ramoth berichtet: „Gleich nach der heutigen Polsterei Hummel endete die Häuserfront und der Oberkirchplatz begann. Hier steht auch Hartmanns Picknick-Wagen, wo es die besten Bratwürste in Cottbus gab (Lösung C). Der Zeitpunkt der schönen Alltagsaufnahme ließe sich von der Fassadensanierung, die 1968 durchgeführt wurde, herleiten. Am Haus mit dem Giebel und Sonnenschutz fällt der helle Farbton auf. Die Aufnahme wird also 1969 oder später entstanden sein.“Auf die 1970-er Jahre tippt auch Diethart Schulz, der sich erinnert, dass der Begriff „Picknick“ gar nicht ankam. „Man sagte einfach ‘Hartmanns Würstchenbude’. Die leckeren Bratwürste hatten weit über die Stadtgrenzen einen guten Ruf. Die Stelle wurde mit dem Wendischen Viertel überbaut und jetzt ist hier ein Asia-Restaurant.“
Rolf Lehmann telefoniert: „Meine Eltern erinnern sich an den Imbiss-Laden. Er wurde von Eis-Hartmann betrieben, aber, sagen sie, nicht mit Eis, sondern mit Würsten, aber auch belegten Semmeln. Neuerdings befindet sich gegenüber ein Laden, der Currywürste verkauft.“
Der Sandower Horst Hauptmann erinnert sich an „die beliebten Bratwürste und Getränke. Viele Bürger nahmen dieses Angebot gern in Anspruch. Familie Hartmann hat sich ein Standbein in Cottbus geschaffen und betreibt heute noch den Imbiss und den Eisverkauf am Tierparkeingang.“
K. Schulz fasst zusammen: “Erst standen Hartmanns in der Sprem, dann an der Oberkirche, dann hatten sie das Café Hartmann (heute ‘Schiller’) und jetzt sind sie überall mit dem mobilen ‘Spreewaldhaus’ und Bierwagen. Was dort gebrutzelt wird?(Pilzpfanne, Wurst oder Bouletten) schmeckt immer noch. Ich habe das in Ströbitz beim Erntefest getestet.“
Wieder einmal verirrt – natürlich auf humorvolle Weise – hat sich unser literarisches Talent Georg Müller: „Nach schmerzlicher, mittelschwerer mentaler Gehbehinderung im Verfolg meiner letzten Fehl-Beurtei-lung der bebilderten Westansicht vom Altmarkt nun doch unverdrossen ein weiterer Versuch, im Dickicht der Irrungen und Wirrungen mal nicht hoffnungslos stecken zu bleiben: Der Picknickladen kann in die ersten 80er Jahre eingeordnet werden. Das Angebot hatte Pommes mit Ketchup zum Verkaufsschwerpunkt, die ließen sich ‘aufpicken’. Das klappt nicht mit Bratwürsten und nicht mit Spreewaldgurken und Plinze.
Zum guten Schluss Knut Hartmann selbst: „Das Bild könnte 1972/73 entstanden sein, denn ab 1974 kam dann Eis hinzu, von dem hier nichts zu sehen ist. Unsere eigenen Recherchen dazu dauern noch an.“











