Cottbus: Urige Kneipe unter barockem Dach

Dem sozialpolitischen Programm waren solche Denkmale hinderlich.

Urige Kneipe unter barockem Dach
Die „Münze“ am Weg nach Cottbus-Sandow

„Zur Münze“ befand sich in der Sandower Straße 15. Das Gebäude wurde erstmals 1544 urkundlich erwähnt. 1988 wurde es abgerissen“, weiß Rainer Klink in der Straße der Jugend von Wahrenbrück, und auch R. Gohlke aus Luckau erinnert sich: „Die ‘Münze’ war hinter der Oberkirche in Richtung Sandow, daneben das Geschäft Hilbert für Eisenwaren. Die Münze wurde kurz vor der Wende abgerissen.“

Sandower Straße mit Gaststätte „Zur Münze“ um 1976
Sandower Straße mit Gaststätte „Zur Münze“ um 1976

Genau weiß es Dietmar Schwiek aus Neißemünd: „Sie wurde am 30.12.1987 geschlossen und 1988 abgerissen.“ „Eine erwogene denkmalerhaltende Sanierung war damals aus finanziellen Gründen nicht möglich. Natürlich schade“, schreibt Dieter Leubauer zu seinen wunderschönen Fotos. H. Ramoth weiß noch: „Nachdem die Eheleute Nickusch viel Geld und Zeit in die Erhaltung der Bausubstanz gesteckt hatten, erfuhren sie im Februar 1988 durch die Presse, dass der Abriss beschlossen wurde – trotz schriftlicher Vereinbarungen, dieses Baudenkmal zu erhalten.“ Brigitte Albrecht aus der Vogelsiedlung Cottbus, Reinhard Semt und andere schließen sich dem Bedauern an. Der Erhalt solch einen Kleinods passte damals nicht ins „sozialpolitische Programm, mit seinem Kernstück, der (Platten-) Wohnungsbau“.

Abriss der wertvollen Substanz 1988 (Rückseite)
Abriss der wertvollen Substanz 1988 (Rückseite).

Carola Baensch schreibt von etwas früher: „Mein Vater hat nebenan im IFA Vertrieb gearbeitet, neben Hilpert (der ‘Kleine Hilpert’ genannt), Eisenwaren aller Art. Die Gaststätte zur Münze habe ich als eine verrauchte Männergaststätte in Erinnerung. Habe dort oft ein Malzbier und eine Bockwurst für mich und meinen Vater geholt. Man musste warten, die Wurst wurde erst warmgemacht. Vor allem war es immer sehr laut. Damals haben die Menschen noch miteinander gesprochen.“
An „Ritterklaus“, „Münze“ und eine Dampfkornbrennerei erinnert auch Manfred Gnida aus Spremberg und Kathleen Mischke hängte ihrer mail sogar die Speisekarte von Nickusch Restaurant an. „Gegenüber ist der Tuchmacherbrunnen und nach Abriss ist dort jetzt eine Wohnstätte für behinderte Menschen“, ergänzt.

Der Nachfolgebau um 2018 für betreutes Wohnen
Der Nachfolgebau um 2018 für betreutes Wohnen.

Ingrid Langwagen aus der Helene-Weigel-Straße in Cottbus. Frank Irmer kehrte, „aus der Gewerblichen Berufsschule kommend, zu Bockwurst und Cola ein. Die Straße rechts führt zum altehrwürdigen Münzturm, Münzrecht gab es seit 1483.“ Günther Aschenbach bedauert: „In Cottbus gab es ja viele Restaurationen und eine ganze Reihe davon habe ich besucht – aber niemals die ‘Münze’”. Und ein Letztes von Herrn Dunker: „Als Lehrling besuchte ich die Münze mal nach Feierabend mit Kollegen. Ich suchte die Toilette und bekam den Rat: Folge der Nase, dann findest du sie…“
Danke für diese und weitere Episoden.

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