
…das Haus nicht. Es wurde verdorben und viel später neu interpretiert
Dieses Motiv hat uns darin bestärkt, die „Damals war’s“-Reihe auch nach demnächst 25 Jahren nicht aufzugeben. Denn Steine können viel über unser Leben, sogar über unsere Ansichten erzählen.
Zu diesem Bild gab es Vorschläge zu allen drei Lösungsangeboten. Unser gründlicher Leser Klaus Herold glaubt „nach Vor-Ort-Begehung“ sogar, dass die Häuserreihe 1945 den Bomben zum Opfer fiel. Dabei haben nur die Menschen im jeweiligen Zeitgeist Spuren hinterlassen: Die Gründer schufen gediegene Pracht, die Tausendjährigen versachlichten, die dann Folgenden zeugten ärmliche Glätte und die jetzt Besitzenden entschieden sich für blanke Macht des Materials. Das Eckhaus und die (weniger versehrten) nebenan sind Häuser, die sich schon im Adressbuch von 1893 finden. Dort empfiehlt sich Reimar Haak, früher Oberkellner von Hotels 1. Ranges im In- und Ausland, mit „on parle francais“ und „english spoken“ dem „reisenden Publikum mit Dinners zu 1 Mark, Abonnement zu 75 Pfg, à la carte zu jeder Tageszeit.“ Das Restaurant „Victoria“ also. Jahre später war es schon verloren. Die Kaiser-Friedrich-, später Karl-Liebknecht-Straße 126, diente vielen Zwecken: „u.a. Tuchlager, Delikatessenfiliale, Gemüsegeschäft und Reinigungsanstalt“, schreibt Georg Müller. Auch Rundfunkladen und Architektur-Ausstellung, bliebe hinzuzufügen. Nein, die „Lindenklause“ war hier nie, wie Michael Kuhrt glaubt; die gibt’s einige Straßenecken westwärts. Jürgen Klingmüller weiß: „Bis Ende der 60 er Jahre befand sich die Fassade noch im Originalzustand. Dann wurden die Stuckverzierungen geschliffen.“ Und er erinnert, dass schon vor der Commerzbank (seit 1992) hier mit Geld gehandelt wurde: „In den letzten DDR-Jahren befand sich hier eine Wechselstelle der Deutschen Notenbank.“ Auch Joachim Skorna aus Cottbus hat, wie die Mehrheit der Einsender, die Commerzbank-Adresse erkannt und nimmt an dass da drin „sicher gelegentlich Kaffee getrunken wird.“ Das sei den Damen und Herren und ihren Kunden von Herzen gegönnt.
Heinz Frankenberg, der heute den Kalender gewinnt, verweist auf die Tram-Oberleitung. Die zeigt, dass die Bahn weiter westwärts zur Moltkestraße fuhr und dass „Victoria“ jedenfalls 1903, als die Elektrische aufkam, noch existierte. Danke an alle Leser!








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