Die „Kulturfabrik“ blieb ein Traum in Cottbus

Erinnerung an Färberei Kronberg und den einstigen oberen Thälmannplatz.

Mitten in der Stadt Cottbus
Mitten in der Stadt Cottbus

Frank Irmer aus Cottbus erinnert sich diesmal: „Wir schauen aus dem Ostrower Damm auf den Neustädter Platz. Geradeaus sehen wir ein letztes Haus (Nr. 30) des ehemaligen . Heute steht dort ein Parkhaus. Das rechte Eckgebäude vorn ist die 1891 erbaute, 1895 verpachtete und 1905 von Emil Kronberg gekaufte Lohnfärberei. Ein imposantes, mit glasierten Klinkern geschmücktes Gebäude. In den 1973/74er Jahren, vom Thälmannplatz kommend, gingen wir auf dem Weg zur Berufsschule oft an dieser alten Fabrik vorbei. Leider fiel sie einer politischen Entscheidung (angeblich baufällig) zum Opfer und wurde Ende der 1980er abgerissen.“

Ein früheres „Damals“-Bild zeigte den Böttchermarkt. Hinten die  später abgerissenen Häuser.             Fotos: Sammlung Klingmüller
Ein früheres „Damals“-Bild zeigte den Böttchermarkt. Hinten die später abgerissenen Häuser. Fotos: Sammlung Klingmüller

Auch Jens Pumpa aus Cottbus weiß davon: „Am rechten Bildrand steht das Gebäude der Lohnfärberei von Emil Kronberg bzw. der Tuchfabrik Cottbus (Tufa). Der historische Klinkerbau stand direkt am Mühlgraben und am Ostrower Damm / Ecke Am Spreeufer. Das für den Färbevorgang benötigte Wasser konnte aus dem Graben gezogen und nach Gebrauch wieder an diesen abgegeben werden. Die Färberei wollten junge Leute als Kulturfabrik erhalten. Die staatliche Entscheidung aber lautete: Abriss! Leider ist dieser imposante, an ein Märchenschloss erinnernde Bau Ende der 80er Jahre sinnlos abgerissen worden, obwohl das Mauerwerk sich als sehr stabil erwies.“

Jürgen Klingmüller aus der Cottbuser Willy-Brandt-Straße erkennt „das Grundstück Thälmannplatz 30 oder 31. Es standen damals zwei gleichartige Häuser an dieser Stelle, eins ist wohl schon verschwunden. In den 1960er Jahren hat ein Klassenkamerad von mir in einem der Häuser gewohnt. Der Fotograf stand neben der Tuchfärberei von Emil Kronberg, einem architektonisch interessanten Gebäude. Erst vor ein paar Jahren wurde dann auch das rechtsstehende Haus der Wichern-Gemeinde abgerissen und mit einer Wohnanlage überbaut.“

Die Färberei am Mühlengraben. Junge Leute wollten sie zu einem Kulturschloss ausbauen. Die Stadt entschied sich für Abriss.
Die Färberei am Mühlengraben. Junge Leute wollten sie zu einem Kulturschloss ausbauen. Die Stadt entschied sich für Abriss.

Lothar Haase aus der Spreestraße in Cottbus/Kiekebusch meint von der Färberei-Ecke schauen wir auf ein Gebäude, das mit mehreren anderen in den 80er Jahren abgerissen wurde. Heute steht dort ein Parkhaus. Die beiden Straßen, die nach links abgehen, hatten die Adresse Thälmannplatz. Die obere führte am alten Feuerwehrdepot vorbei zum Neustädter Tor, dann Fahrradladen Vater und letztlich Café Seidel (später Am Turm ) direkt zum Spremberger Turm. Die untere führte an der Kartonagenfabrik Kurth vorbei über die Freiheitsstraße zum alten Busbahnhof (heute Multipolster) und mündete in Höhe Briesemannstraße auf die die Franz-Mehring-Straße. Geradeaus im kleinen Bogen kommt man auf die Gertraudenstraße über die Mühlenstraße direkt zur Oberkirche.“

„Den Abriss des stadtbildprägenden Industriegebäudes aus der Gründerzeit bedauere ich heute noch“, schreibt Irina Lehmann aus der Räschener Straße in Cottbus. „Die Fabrik hätte ein Weiterleben verdient“, findet auch Siegfried Krusche aus Drebkauer Straße Cottbus. „Aber ein Stück Wiese ist ja auch schön…“ Danke allen Einsendern.

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