Forst: Auf der ihrer letzten Fahrt wurde die Jule von Forstern begleitet

damals120225_foDie Jule pfiff und stampfte /Forster erinnern sich gern an ihre Stadteisenbahn / Foto zeigt die letzte Fahrt
Viola Schiemenz schreibt: „Bei unserem heutigen Rätselbild handelt es sich um die letzte Fahrt (31. August 1965) der Stadteisenbahn (auch schwarze Jule genannt) in der Albertstraße zwischen 14 und 15 Uhr. Am 8. Mai 1893 erfolgte die Inbetriebnahme der Forster Stadteisenbahn, die Spurweite war 1000 mm. Die öffentliche Eröffnungsfeierlichkeit fand am 31. März 1893 statt. Das Schienennetz durch die Stadt war 24 Kilometer.“
Herbert Gottschalk schreibt: „Das Bild zeigt die Forster Stadteisenbahn auf ihrer letzten Fahrt. Fast alle Tuchfabriken hatten Gleisanschluss. Die Münchener Lokalbahn AG war Eigentümer der Bahn. Am 1. Januar 1920 hat die Stadt Forst die Stadtbahn als Eigentümer übernommen. 72 Jahre war die Stadtbahn in Betrieb. Heute erinnern nur noch die Stadtgleise im Stadtgebiet an die Zeit.“
Karin Adam schreibt: „Das Foto hat mich stark berührt. Die Forster Jule ist ein Teil meines Lebens. Ich wohnte in der Bahnhofstraße 57. Mein Vater war der Malermeister und Forster Künstler Franz Wisniewski. Zur Zeit (noch bis zum 26. Februar) findet eine Ausstellung über sein Schaffen im Forster Textilmuseum statt. Wir wohnten im Erdgeschoss in der Bahnhofstraße 57. Die Gleise der Jule führten die Bahnhofstraße entlang und in einer scharfen Kurve eng am Haus vorbei in die Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG). In die BHG fuhren viele Pferdegespanne. Bauern lieferten bäuerliche Erzeugnisse oder kauften für ihren Bauernhof ein. Sie kamen mit Pferden, die oftmals die Jule das erste Mal sahen. Nicht nur einmal gingen die Pferde in der BHG durch und rasten ins gegenüber liegende Fenster. Da war ein Dekorationsgeschäft, später ein Friseurladen drin. Für mich als Kind war das Leid der Pferde kaum zu ertragen. Ich sah Pferde mit herunter baumelndem Unterkiefer oder gebrochenem Vorderlauf. Ein Pferd hatte den Hals rechtwinklig abgeknickt. Es war tot. Ich durfte dabei nicht weiter zusehen. Das Pferd wurde dann verladen. Nachts kippte mehrfach die Jule bei der Ausfahrt aus der BHG an das Haus. Es krachte entsetzlich. Das Haus erschütterte. Die Einfahrt zur BHG und auch die Abbiegung zur Cottbuser Straße führten oftmals dazu, dass die Bahn aus den Gleisen sprang. Trotz dieser wehmütigen Momente liebte ich die Jule. Ihr Pfeifen und Stampfen gefielen mir. Als ich noch kleiner war, wollte ich immer mitfahren. Die Fahrer der Bahn passten höllisch auf, dass kein Schüler aufsprang. Trotzdem ist es mir einmal gelungen, auf dem Weg zur Bahnhofschule aufzuspringen. Es hat aber doch jemand gesehen. Es gab Ärger. Ich musste versprechen, es nicht mehr zu tun. Deshalb nutzte ich das Angebot, offiziell mit der Bahn zu fahren. Ich glaube, es war zum 1. Mai. Die Lok zog zwei Loren mit niedrigen Seitenwänden. Auf dem Wagen waren Bänke. Ich fuhr gern mit. An diesem Tag durfte ich auch auf dem Seitenbrett stehen, wo sonst nur die Bahner standen. Ein Bahner stand hinter mir und hielt mich fest. Ich war glücklich! In meiner Erinnerung war die Jule so wie auf dem Foto in der Zeitung geschmückt bei ihrer letzten Fahrt.“
Thomas Methe schreibt: „Das aktuelle Rätselbild zeigt die Albertstraße. Gleich links im Bild war einst die Bäckerei Sgoll, die es aber heute nicht mehr gibt. An dieser Stelle ist heute ein neu gebauter Parkplatz Ecke Bahnhofstraße / Albertstraße. Die Gebäude rechter Seite stehen noch heute, im sanierten Zustand, zumindest ein Teil der Häuserreihe. Auch in der Albertusstraße sieht man die ‘Schwarze Jule’, die Forster Stadtbahn, die den Transport der Kohle in die Fabriken und den der Tuche zum Bahnhof übernahm. Heute steht die schwarze Jule als Denkmal im Verkehrsmuseum Dresden. Die Albertstraße wurde benannt nach dem Zimmermann Albert Hohlfeld, der in dieser Straße einige Grundstücke besaß. Ganz früher an der Ecke Albertstraße/Bahnhofstraße war einst das Geschäft des Kaufmanns Max Hilbert und an dieser Stelle ist heute Worrichs Pub, aber zur Zeit geschlossen. In der Nähe des Rätselbildes ist der Forster Bahnhof.“
Gerda Henschel schreibt: „Der Schriftzug „goll“ hat mich sofort auf die richtige Spur geführt. Setzt man noch ein S davor, heißt es „Sgoll“ und das war eine Bäckerei mit Cafe in der Bahnhofstraße/Ecke Albertstraße, eingeschossig, man sieht den Eckeingang. Ich ging dort hin, um wunderbares Fettgebäck einzukaufen. Ein Teig und gebacken wie Pfannkuchen, aber in verschiedenen Formen und lecker gefüllt. Die „Apfelballs“ hatten die Form einer Schnecke mit eingewickelten Apfelstücken, weiter gab es Quarktaschen und noch eine andere Ausführung, deren Name mir entfallen ist. Leider war die ganze Sache nicht besonders gut für meine Linie!“
Andreas Fiebig schreibt: „Ich habe meine Kindheit in dieser Straße verbracht. Ich habe mit meinen Eltern und Geschwistern in der Albertstrsaße 14 gewohnt. Das ist rechts auf dem Bild das dritte Haus. Etwas weiter hinten auf der linken Seite war ein Milchladen, wo es natürlich auch Naschereien für uns Kinder gab. Wir fühlten uns als Kinder hier ziemlich wohl.“