Forst: Das Fahrtziel war eine Überraschung

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Die Fahrt in Blaue für die Mitarbeiter der Tuchfabrik M. Klintzsch übernahm Omnibus-Seidler

Firmenfahrten waren groß in Mode / Enkel des Firmengründers erzählt
Die Busse bereiteten unseren Lesern einiges Kopfzerbrechen, das Gebäude dahinter nicht. So schreibt Leonhard Klintzsch: „Die Tuchfabrik M. Klintzsch befand sich in der damaligen Lothringer Straße 6, heute Otto-Nagel-Straße. Die Fabrik wurde 1896 von meinem Großvater Max Klintzsch gegründet, mein Vater war bis 1945 Mit­inhaber. Ich selbst bin dort aufgewachsen, Jahrgang 1930.
Die Fahrt ins Blaue wird, wie damals üblich, ein Betriebsausflug gewesen sein. Nach der Zahl der Fahrzeuge war die ganze Belegschaft beteiligt. Als Zeitpunkt der Aufnahme tippe ich vor dem Zweiten Weltkrieg ca. 1937/38, denn der erste Bus ist ein ‘Opel Blitz’.“ Die Adresse ist auf dem Original lesbar, dort steht: „Omnibus-Vermietung Seidler, Forst /L.“.
Waltraud Laugksch erkannte ebenfalls die Fabik und ergänzt am Telefon: „Dort, wo die Schienen einen Bogen machen, befindet sich die Einfahrt zur heutigen Diakonie. Das Fenster mit dem Schriftzug ‘M. Klintzsch Tuchfabrik’ ist wahrscheinlich übermalt worden. In dem Halbbogen darüber steht ‘Erste Forster Textilwerke’ geschrieben. Zu DDR-Zeiten stand dort ‘VEB Werk 2’. Im Gebäude befindet sich heute der Spaßtempel mit Billardtreff, Bowlingcenter und Restaurant.“
Wolfgang Schenk ist begeistert: „Das Wohngebiet meiner Jugendzeit, wir wohnten in der 18. In der Lothringer Straße war das Lebensmittelgeschäft Balz, Kohlen-Balzke gegenüber, der Konsum an der Einmündung Fruchtstraße. Bäcker und Milchladen sowie der Fleischer an der Ecke. In der Fruchtstraße der Rossschlächter und Andrecks Konservenfabrik. Eine kinderreiche Gegend. Auch angehende Artisten wohnten in der Fruchtstraße: Manfred Madlack mit Frau, ein Teil der ‘Cortinas’. Auf dem Bild die Fabrik von M. Klintzsch, deren Arbeiter und Angestellte für ihre gute Arbeit eine Busfahrt nach Pförten oder Sommerfeld vom Chef geschenkt bekamen (Ostern oder Pfingsten). Bei einer Fahrt ins Blaue war das Ziel eine Überraschung. Solche Fahrten waren früher bei vielen Fabriken in Mode. Auch bei Buchholz & Klix sowie bei C.A. Groeschke, wo meine Großeltern arbeiteten. Auch nach dem Krieg gab es sie noch in den Feintuchwerken Forst, beim Gesundheitswesen und Kraftverkehr in den 60er-Jahren.
Weder das Klappern der Webstühle, noch das Surren der Spinnmaschinen hatten uns gestört. Wir wohnten direkt gegenüber der Tuchfabrik Eberle. Wenn dann sogar mal die Jule kam, rannten wir hin um zu schauen, was sie bringt oder holt. Für uns Kinder einfach interessant. Zur Schule hatten wir es bis zur Virchow- bzw. Frankfurter Straße nicht weit, in der Magnusstraße hatten wir unseren Pachtgarten. Gespielt wurde nicht nur auf der Straße, auch auf dem Robert-Koch-Platz.“
Vielen Dank! Ein Bild gewinnt   Leonhard Klintzsch.