Forst. Der IKARUS 66 steht hier auf dem Berliner Platz

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Aus unserer Leserbriefmappe wollen wir wieder aus einigen Zuschriften zitieren.
Uwe Kirchner hat uns in einer Mail mitgeteilt: „Als Wahl-Berliner (seit 1985) möchte ich mich an der Preisfrage in der Forster Ausgabe des Märkischen Boten vom Osterwochenende beteiligen. Zu sehen ist dort auf dem Foto der Berliner Platz. Hierbei ging es ja nicht um den Ort als solchen, sondern um den Bus-Typ der dort zu sehen ist. Es ist ein IKARUS Typ 66 – Ausführung Stadtverkehr, erkennbar an den drei Türen. Diese Typen waren in Forst als Stadtbusse im Einsatz und bedienten die innerstädtischen Linien Keune – Eulo, Noßdorf – Krankenhaus und Ringstraße – Schlachthof. Der Berliner Platz stellte zu jener Zeit den zentralen Umsteigeplatz zwischen den einzelnen Linien dar, da es noch keinen direkten Bus-Bahnhof gab. Für mich stellt das abgebildete Foto eine besondere Erinnerung dar, die ich bis zum heutigen Tag nicht vergessen habe: Ich war seinerzeit wohl vier Jahre alt und war mit einer Tante auf der Linie von Noßdorf her zum Berliner Platz unterwegs. Auf der Fahrt war ich damit beschäftigt, mit einem von mir sehr geliebten kleinen Auto unter dem Sitz auf dem Fußboden zu spielen. Die Ankunft am Berliner Platz nahm ich so also nicht wahr, und beim Bremsen des Busses an der Haltestelle sauste mein so geliebtes Spielzeugauto nach vorn und war für mich nicht mehr erreichbar, da meine Tante mich zum Aussteigen auch schon aus dem Bus zerrte. Ich habe geweint wie ein Schlosshund, was meine Tante wohl mit meinem doch auch so sehr geliebten Busfahren verband und mir versprach, doch bald wieder mit einem Bus zu fahren, ohne zu wissen, dass der wahre Grund doch ein anderer war, warum ich weinte.
Erst daheim konnte ich mich wohl beruhigen und von meinem wahren Verlust erzählen. Das kleine Auto blieb aber trotz Nachfragen beim Kraftverkehr für immer verschwunden.
Als ich am letzten Wochenende in der Heimat zu Besuch war und das Bild in der Zeitung sah, war dieses Erlebnis, nach nun mittlerweile 41 Jahren, wieder präsent und ich dachte, das muss ich doch mal schreiben.“
Gerhard Smolny hatte ganz persönliche Erinnerungen beim Betrachten unseres „Damals-war’s“-Bildes am vergangenen Wochenende: „Der Platz, auf dem der Bus steht, ist der Berliner Platz in seinem alten Zustand. Der Bus ist ein Ikarus 66. Die Schnauze am Heck ist der Motorraum. Die Motorraumklappen (auch Scheunentore genannt) konnten nach rechts bzw. links geöffnet und in der Mitte mit einer Verriegelung mit einem Dreikantschlüssel verschlossen werden. Ich selbst habe diese Busse als 3-Türen-Stadtausführung beim VEB Kraftverkehr Forst, später KV- Kombinat Cottbus, fünf Jahre als Stadtlinienfahrer gefahren. Es gab damals drei Stadtlinien, Umsteigemöglichkeit war stets am Berliner Platz. Hier warteten alle drei Linien aufeinander.
Die Busse fuhren in der Regel stündlich. Im Winter, oder z.B. während der Rosengartenfesttage, waren die Busse häufig überfüllt. Es wurden dann drei zusätzliche Fahrzeuge im 30-Minuten-Takt entgegengesetzt eingeplant, so dass alle Fahrgäste befördert werden konnten.“
Gerd Beyer erzählte am Telefon: „Das Bild ist 1963-64 entstanden, damals bekamen wir die Ikarus 66-Stadtausführung mit drei Lufttüren, pneumatisch, zu öffnen und mit 25 Sitz- und 70 Stehplätzen. Es waren die ersten Ikarus-Busse, die den Motor im Heck hatten. Das setzte sich später überall durch, da gab es weniger Gestank im Bus.
Ich bin anderthalb Jahre selbst diesen Bus gefahren. Das war ein Traum für jeden Busfahrer, mit Knüppelschaltung, nach hinten ging ein langes Gasseil, das manchmal gerissen war. Die Handhabung des Busses durch die Sitzposition vor der Achse war sehr gewöhnungsbedürftig. Wir waren sechs Stadtfahrer in zwei Schichten von 5 bis 12.30 Uhr und 14 bis 21 Uhr, das war 1964, später hat sich das sehr verändert. Für 20 Pfennige ist jeder mitgefahren. Die Busse waren immer richtig voll.“
„Ich war selbst jahrelang Schaffnerin, das war herrlich: Wer keine Wochenkarte hatte, den habe ich direkt abkassiert. Es gab wenig Zank und Streit in den Bussen. Im Kollektiv war ein sehr guter Zusammenhalt, das war meine schönste Zeit in meinem Arbeitsleben,“ erinnerte sich Anneliese Schmidt.