
Heutige Polizeiwache hat wechselvolle Geschichte hinter sich
Kurt Noack aus Groß Kölzig weiß Interessantes zum Rätselfoto zu berichten: „Bei diesem Foto handelt es sich um das Gebäude der heutigen Polizeihauptwache in Forst. Es wurde als Gerichtsgebäude mit einem Zellenflügel für die Verwahrung von Häftlingen erbaut und wurde noch während der Nazizeit dafür genutzt. Nachdem die in Forst stationierte Operativgruppe des sowjetischen Geheimdienstes NKWD ihre Tätigkeit dort beendet hatte, stand das Gebäude während der DDR-Zeit dem Volkspolizeikreisamt Forst zur Verfügung. In den Frontstadtwochen 1945 beherbergte es in seinen Kellerräumen, wie in den Kellern der Luisenschule, Verteidigungsstäbe der Nazipartei und der Wehrmacht. Mit dem Ende der Naziherrschaft und dem Einzug der Roten Armee begann das düsterste Kapitel seiner Geschichte, an das die am Volkstrauertag 1995 links neben der Eingangstür enthüllte Gedenktafel für die Opfer des Stalinismus aus der Stadt Forst und den Dörfern seiner nahen Umgebung erinnert. In dieses Gebäude wurden fast alle in der Nachkriegszeit von den Russen abgeholten Männer, Frauen und Jugendlichen gebracht, unter ihnen auch Forster Mädchen, die Jüngste gerade 15 Jahre alt geworden. Ich erinnere mich an die Zelle 17 im Obergeschoss, mit einem auf dem Foto erkennbaren und damals mit Holzblenden versehenem kleinen Fenster, über ihrer Tür waren 17,45 Kubikmeter Raum angegeben und auch an die im Gefängnishof geschaffene Grube für die zweimal täglich zu verrichtende Notdurft der Gefangenen. Alle waren hier den Torturen der für die Betroffenen schwer zu vergessenden nächtlichen Vernehmungen ausgesetzt, um nach dieser Zeit über das Sammelgefängnis Cottbus zumeist in die Speziallager des NKWD in Ketschendorf und Jamlitz verbracht zu werden. Für etwa hundert der über dieses Gebäude hinter Lager-Stacheldraht gebrachten Menschen gab es keine Rückkehr, vollendete sich das Schicksal in den Massengräbern dieser Lager.“
M. Meier brauchte einen zweiten Blick, um den Standort zu erkennen. Er schreibt: „Auf den ersten Blick konnte man es gar nicht richtig zuordnen,weil in der links abgehenden Straße heute Häuser stehen. Es handelt sich zweifellos um die Weststraße. Im hohen imposanten Gebäude im Hintergrund ist einmal das Amtsgericht (Preußischer Justizfiskus) gewesen. Daran erinnert das Lokal „Zur Gerichtslaube“, das sich in unmittelbarer Nähe, Ecke Karlstraße, noch immer befindet. Im Nebenhaus des Gerichtsgebäudes waren Zellen für Häftlinge vorhanden, die auch als vorübergehender Gewahrsam in DDR-Zeiten noch gebraucht wurden.
Die Polizei war in den Vorkriegsjahren im Rathaus am Markt stationiert, hatte später ihr Domizil dort, wo sie heute noch untergebracht ist, also in der Bahnhofstraße 54. Allerdings sind die meisten Räume schon seit langer Zeit ungenutzt. Im Vordergrund sieht man ein Haus, das den Krieg und die späteren Abrissmaßnahmen in der Nachbarschaft überstanden hat. Nach dem Krieg bis zur Wende war es Verwaltungssitz des Lebensmittel-Großhandels, der für die Belieferung aller Einzelhandelsgeschäfte in Forst und Umgebung sorgte. Interessant sind die im Bildrand kaum zu erkennenden Personen, es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um zwei Arbeiter der Stadtbahn, die die Gleise der ‘Schwarzen Jule’ ‘per Hand’ säuberten. Somit hat die Aufnahme sicher einen Seltenheitswert.“
Thomas Methe weiß: „Das Amtsgericht wurde 1892 auf der Westseite der Bahnhofstraße zwischen Weststraße und Bahnhofstraße errichtet. Der zweigeschossige Ziegelbau mit Staffelgiebel auf der West- und Südseite ist infolge der Neueinrichtung einer Kammer für Handelssachen im Jahr 1927 durch den Stadtbaurat Rudolf Kühn erweitert und aufgestockt worden.“ Ein gerahmtes Rätselfoto gewonnen hat Kurt Noack. Herzlichen Glückwunsch!








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