
Leckere Soljanka statt Mittagstisch in der einstigen Fabrikantenvilla :
Zahlreiche Anrufe und Mails erhielte wir zu unserem letzten Rätselbild. Nur Renate Flemmig aus Forst wusste etwas über das Entstehen der Villa: „Früher, vor 1945, war das eine Villa von dem Fabrikanten Schmidt. Heute und auch schon vor der Wende ist es ein Grundstück der Stadt Forst. Die Eigentümerin hatte oben im Haus noch gewohnt. Das Haus sieht heute nicht mehr so aus. Die Säulen mit dem oberen Balkon existieren nicht mehr. Über dem Seiteneingang ist kein Dach mehr in dieser Form. In diesem Haus befand sich ein Jugendclubhaus, in dem ich selbst Jugendclubhausleiter und Stellvertreter war. In den unteren Räumen war damals der Kulturbund untergebracht. Die Leitung saß oben in den Räumen. Später ist es auch als Schulhort genutzt geworden, so in den 90er-Jahren. Dann war es durchgängig Jugendclubhaus. Seit drei Jahren sind wir als Verein in den Räumlichkeiten für unsere Behindertenarbeit. Inzwischen sieht das Haus sehr baufällig aus. Es ist auch für unsere Arbeit nicht so gut geeignet, weil es nicht barrierefrei ist. Es sollte nur eine Übergangslösung sein. Nun sind wir aber schon drei Jahre hier.“
Die Lösung bestätigt auch Waltraud Laugksch: „Auf dem Foto ist das jetzige Jugendclubhaus ‚Eastside‘ zu erkennen. Das war schon zu DDR-Zeiten Jugendclubhaus, heute ist dort auch der Verein ‚unbehindert leben‘ untergebracht, nachdem die Baracken in der Charlottenstraße abgerissen wurden. Der schöne Stuck an dem Haus ist weg, bis auf das Dreieck mit den Balkon über der Eingangstür. Die Säulen samt Balkonen wurden entfernt. Lediglich die Treppenstufen existieren noch. Auch das Dach ist umgebaut. Die hervorstehenden Balken und Zimmer im Dachgeschoss wurden wegrationalisiert. Hinten, das große Mietshaus, dürfte das in der Gymnasialstraße 7 sein. Rechts hinten sieht man die ehemalige Großküche der HO Forst. Dieses Gebäude wurde vor Jahren abgerissen, dort ist heute ein kleiner Park mit Spielplatz. Der Sandweg, der zur Villa führt, ist heute gepflastert, wie der gesamte Hof.“
Wolfgang Schenk ergänzt: „Etwas zurückgesetzt hinter Bäumen stand dieses Gebäude in der Gubener Straße 10. Es steht zwar heute noch, aber völlig verunstaltet, die Balkone abgerissen, die Treppe verkleinert. Eine Schande, was aus diesem Prachtbau geworden ist. Die Fabrikantenvilla gehörte zu den Fabrikgebäuden rechts im Hintergrund. Hier in den Industriegebäuden befand sich zu DDR-Zeiten eine Großküche. Das Gelände reichte bis zur Frankfurter Straße, wo auch die Stadteisenbahn eine Zufahrt hatte. In den Jahren 1949 und 1950 war in der Villa ein Kinderferienlager eingerichtet. Mit einem Raum im Erdgeschoss als Mittags-, Schlaf- und Ruheraum. Geschlafen wurde auf dem Fußboden und auf Tischen, um allen Kindern des Durchganges einen Schlafplatz zu sichern. Als Unterlage dienten mehrfach gefaltete Decken. Und eine gab es zum Zudecken.
Gegenüber dieser Villa befand sich eine zweite Villa, die FDJ-Kreisleitung. Danach folgte das Betriebsgelände der Installationsfirma Luft, später TGA (Technische Gebäudeausrüstung).“
Katrin Erdmann aus Forst löst am Telefon: „Das war unser Jugendclubhaus. Das war Ende der 1970er-Jahre, als wir dort immer hingegangen sind. Daneben rechts in der Ecke das war damals die Großküche, die leider auch nicht mehr vorhanden ist. Dort sollten wir nach der Schule für 2,75 Mark essen gehen. Wir sind aber lieber ins Jugendclubhaus gegangen. Dort gab es Soljanka, Currywurst und Weißbrot nur mit Ketchup drauf. Dafür haben wir lieber unser Taschengeld ausgegeben. Damals führte das Haus Familie Herrmann. Die waren immer nett und freundlich. Oben in den Räumen durften damals junge Bands proben, und unten im Raum stand ein großer Billardtisch, wo wir uns als Kinder versuchten. Ich glaube, einmal im Monat war Disco, die am Nachmittag anfing, so dass wir als Schüler dort auch dabei sein konnten. Das war eine schöne Zeit. Dort trafen sich Jugendliche aus ganz Forst.“
Gisela Hübner aus Döbern erzählt: „Das war zu DDR Zeiten das staatliche Notariat. Ich hatte mit dem Notar Hans Joachim Neumann sehr viel zu tun. Ich habe beim Rat der Stadt gearbeitet und musste oft dorthin.
Wenn ich dort Termine hatte, bin ich mit einigen Bürgern hingefahren und habe die Verträge geklärt. Als einmal seine Sekretärin mit dem kleinen Kind krank war, habe ich mich angeboten, die Verträge gleich
für ihn zu schreiben, weil ich ja nun einmal mit den Bürgern da war und nicht wieder gehen wollte. Darüber war er sehr erfreut. Ich hatte mit dem Notar bis zu seinem Tod noch Verbindung.“
Vielen Dank allen Ratefreunden, vor allem für die vielen Details. Ein Bild im Rahmen gewinnt Gisela Hübner.
Herzlichen Glückwunsch!







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