Die Aufschrift unter der Uhr am Bahnhofsgebäude hat geholfen. So mailte uns Gudrun Schreiber aus Bärenklau ihre Lösung und fand in mehreren Büchern interessante Details: „Auch wenn ich erst später als diese Geschehnisse auf diesem Bild geboren wurde, so denke ich, handelt es sich dabei um die Werbung des 1. Fünfjahrplanes zur Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR (1951 bis 1955), den die Volkskammer zum Gesetz auf dem III. Parteitag der SED im Juli 1950 und somit die Politik zur konsequenten Weiterführung der 1945 eingeleiteten revolutionären Umwälzung beschloss.
Hauptobjekt des Fünfjahrplanes war das Eisenhüttenkombinat Ost bei Fürstenberg an der Oder. Die Sowjetunion lieferte das Erz und Polen die Steinkohle für das Hüttenwerk.
Ausgangspunkt für den planmäßigen sozialistischen Wirtschaftsaufbau war das Missverhältnis zwischen der gut entwickelten metallverarbeitenden Industrie und der schwachen metallurgischen Basis. Deshalb war der Aufbau einer leistungsfähigen Eisenhüttenindustrie eine Existenzfrage. Es mangelte außer an Braunkohle und Kali auch an dringend benötigten Rohstoffen. Die Wirtschaft war also in hohem Maße auf Importe angewiesen.
Vorausgegangen waren die seit 1947/48 sich anbahnenden Beziehungen der Arbeiterparteien zwischen der SED und der KPdSU und den Bruderparteien in der CSR, Polen und anderen Volksdemokratien. So wirkte die 1948 gegründete Hellmuth-von-Gerlach-Gesellschaft für ein neues Verhältnis zum polnischen Volk – das die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze einschloss – sowie für Frieden und gute Nachbarschaft. So unterzeichnete Polen 1950 die endgültige Markierung der im Potsdamer Abkommen festgelegten Grenze an Oder und Lausitzer Neiße. Damit wurde ein neues Kapitel in den deutsch-polnischen Beziehungen eingeleitet.“
Bärbel Koschack geht mehr auf den Bahnverkehr ein und schrieb: „Das Foto zeigt den Gubener Bahnhof auf einer Ansichtskarte aus dem Jahre 1952. Das Emblem des ersten Fünfjahrplanes 1950 bis 1955 befindet sich oberhalb der Uhr.
Auf dem Foto sieht man rechts hinter dem Geländer den Eingang zum Tunnel, welcher nach mehreren Rekonstruktionen noch heute genutzt wird.
Heute hat der Bahnhof nicht mehr die Bedeutung von damals.
Der Bahnhof wurde von 1844 bis 1846 erbaut. Die Bahn gewann zunehmend Bedeutung im Reiseverkehr. Die Niederschlesisch-Märkische-Eisenbahngesellschaft erbaute die Strecke Frankfurt-Guben-Sommerfeld, welche am ersten September 1846 eröffnet wurde. Das Streckennetz wurde stetig erweitert. Mit einem neuen, dem heutigen Bahnhofsgebäude, kam auch 1870 die Eröffnung der Märkisch-Posener Eisenbahnlinie hinzu.
Die Bedeutung des Bahnhofes für die Stadt wurde durch den Tunnelbau zur Berliner Straße, später Bahnhofstraße, noch erhöht. Später, zur Baumblütenzeit, war dies der nächste Weg zum Stadtteil auf der Ostseite.
Den Bahnknotenpunkt gab es nach dem Krieg nicht mehr, aber der Bahnverkehr nach Cottbus und Forst war für viele Gubener, damals noch ohne Auto, sehr wichtig. Ob zur Arbeit nach Eisenhüttenstadt oder zum Unterricht nach Cottbus wurde die Bahn mehr genutzt als heute.“
Jonathan Kesslich erzählt am?Telefon: „ Zu sehen ist der Bahnhofsvorplatz mit der Werbung zum ersten Fünfjahresplan. Das Foto müsste also Anfang der 50er Jahre entstanden sein. Es ist schon erstaunlich, mit welchem Aufwand damals für die politischen Ziele geworben wurde. Auf dem Bahnhof, der damals deutlich stärker frequentiert wurde als heute, war das ein optimaler Platz. Auf dem Bild ist noch deutlich der fehlende Vorbau links erkennbar.“