Den Hüten folgten Dienstleistungen / Firma Fugmann machte Guben bekannt / Dienstleistungen über Grenzen
Unser Rätselbild aus dem Archiv des Marketing und Tourismusvereins weckte viele Erinnerungen, die weit in DDR-Zeiten zurück reichen. So schildert Reinhold Gölling am Telefon: „Das war der VEB Wäscherei und Dienstleistungen in der Berliner Straße, am heutigen Kreisverkehr. Auf dem Foto sieht man den Haupteingang geradezu, rechts waren die Verwaltungsbüros des FDGB. Das weiße Haus links ist das Pförtnerhäuschen, und die Säule ist ein Teil des Fabriktores zum Bürgersteig.
Ich war selbst etwa zehn Jahre Leiter des Betriebes, zuerst des Bekleidungswerkes, heute Plastinator-Gelände, dann kam ich zur Wäscherei. Der Betrieb hatte als größte Abteilung die Wäscherei. Hier wurden in zwei Schichten täglich fünf Tonnen Wäsche verarbeitet. Wir hatten in Guben etliche Annahmestellen und in den Randgemeinden ebenfalls. Als größten Kunden hatten wir die Armee und teilweise die russischen Streitkräfte in Drachhausen. Unser eigener Fuhrpark brachte und holte zeitweise die Wäsche bis nach Leipzig und fuhr auch bis an die Küste hoch. Außer der Wäscherei gab es weitere Abteilungen. So eine Damenschneiderei, Änderungen, Schuhreparatur, Reparatur von Damenstrümpfen, heute unvorstellbar. Über 100 verschiedene Dienstleistungen, auch in Kooperation mit anderen Betrieben, wurden in unserem Betrieb geboten.
Am Ende waren wir als VEB unter Regie des Cottbuser Dienstleistungsbetriebes, ich erinnere mich aber lieber an die Zeit, als wir noch selbständig waren.
In der zweiten Etage war eine Handweberei. Kopfkissen, Bezüge und vieles mehr wurden auf den Webstühlen hier hergestellt. Wir hatten auch ein eigenes Kesselwerk, also eine Heizungsanlage, die war natürlich für die Versorgung der vielen Räume und Maschinen notwendig.
Insgesamt arbeiteten gut 200 Mitarbeiter in den Abteilungen und in den Annahmestellen. Ich selbst bin aus Altersgründen schon vor dem Ende des Betriebes ausgeschieden.
Jetzt kommt ja die Karnevalszeit wieder, und da erinnere ich mich gern zurück. Jedes Jahr an einem Tag wurde alles geschmückt, es wurde musiziert und es herrschte eine wunderbare Stimmung. Da wurden schöne Feste gefeiert, obwohl die Gubener ja nicht viel mit Karneval am Hut haben.
Der Schornstein im Hintergrund rechts gehörte übrigens nicht zu uns, der stammt von der anderen Seite der Egelneiße.“
Anneliese Krüger blickt weiter in die Vergangenheit zurück: „Auf diesem Bild sehen wir die Hutfabrik Fugmann in der Berliner Straße. Mein Vater und zwei Schwestern meiner Mutter haben dort gearbeitet. Anfang der 30er Jahre war es noch üblich, dass Angehörige das Mittagessen brachten. So machten wir es gelegentlich auch, wenn meine Mutter und ich einen Stadtgang vorhatten. Um meinen Vater am Arbeitsplatz zu erreichen, mussten wir durch eine große Halle, an Maschinen und großen Holztischen vorbei. Schwere feuchtwarme Luft füllte den Raum. Die Frauen und Männer mussten körperlich schwere Arbeit verrichten, denn viele Arbeitsgänge waren erforderlich, bis ein Stumpen gefertigt war. Noch heute habe ich Respekt vor den Arbeitern, die diese harte schwere Arbeit verrichten mussten. Der Verdienst war gering, so dass oft erst nach zehn Stunden der Arbeitstag endete, es wurde im Akkord gearbeitet. Der Betrieb hatte die Kriegswirren fast unbeschädigt überstanden, aber er stand auf der Liste der Demontage. Absolut alles wurde rausgeschleppt, in große Holzkisten verpackt und in Richtung Russland verschickt. Von der einstigen Hutfabrik war nur noch ein Hohlkörper geblieben.
Im Laufe der Jahre siedelten sich ganz verschiedene Dienstleistungsbetriebe an. Keiner der Betriebe hat die Wende überstanden.
Vorn im Bild sehen wir das ehemalige Pförtnerhäuschen, das 1991 wieder hergerichtet wurde. Die Touristinformation zog dort ein. Hüte und Tuche machten unsere Heimatstadt Guben weltweit bekannt. Die Firma Fugmann hat auch einen großen Teil dazu beigetragen. Was ist aber davon geblieben? Es stimmt mich traurig, wenn ich heute nur noch eine große Rasenfläche sehe. Die Familie Fugmann hat Guben nie aufgegeben, sie zeigte immer großes Interesse an der Entwicklung der Stadt.“







