Wohnstätte des Dampfbrauers Haselbach / Litfaßsäule kündigte Lubstplatz-Veranstaltungen an
Der Eckhaus-Standort mit der Litfaßsäule war recht oft errätselt. Doch Details dazu gab es nur wenige. Otto Schulze erzählte am Telefon: „Es handelt sich um Lubststraße 4, das Haus gibt es heute noch. Erkennbar ist die Lubstbrücke und Straßenbahn, und die Litfaßsäule war als Information für den angrenzenden Lubstplatz, nach links auf dem Bild, gedacht, wo viele Veranstaltungen wie Zirkus, Rummel, Ausstellungen und
andere Besonderheiten stattfanden. Markttreiben fand hier jedoch nicht statt.
In dem Gebäude war unten ein Schanklokal ‘Ender’ eingerichtet. Im ersten Stock wohnte Karl Haselbach mit seiner Frau Luise, geborene Püschel, sowie den beiden Kindern Marie-Luise und Werner. Karl war der Inhaber nach dem Tod seines Vaters 1932 der ersten Gubener Dampfbrauerei Hermann Haselbach. Karl führte die Geschäfte weiter. Der Betrieb wurde am 1. August 1875 in der Königsstraße gegründet. 1938 heiratete Marie-Luise Gerhard Schulze, den Bruder meines Vaters Otto Schulze, aus der ersten Gubener Kohlengroßhandlung Georg Otto Schulze, gegründet 1883, wohnhaft Grüne Wiese 16, heute Piastowska 8 in Gubin. Die Brauerei hatte nach dem Aufschwung Niederlassungen in Forst, Groß Kölzig und Bad Muskau gegründet. 1902 hatten sie eine Goldmedaille bei einer Ausstellung in Paris für ihr Bier erhalten. Und geworben wurde 1922 in der Gubener Zeitung für Haselbachsches Bockbier: ‘Bock von Haselbach hat Klasse – keine braungefärbte Masse’. Dazu wurde das Logo gestellt. Oder: ‘Kaufe, wer vergnügt will sein, Haselbachsches Bockbier ein!’“
Bärbel Koschack erinnert sich und recherchierte zusätzlich im Gubener Verkehrsplan und im Einwohnerbuch: „Das Foto zeigt ein schönes Wohnhaus in der Lubststraße um 1908. Es ist die Nummer 4 und steht von Osten aus gesehen hinter der Lubst, also in Richtung Innenstadt. Die Brücke über die Lubst ist noch aus Holz. Sie wurde 1912 durch eine neue, stabilere Brücke ersetzt. Demnach entstand das Foto vor 1912. Typisch – die Litfaßsäule in voller Schönheit mit den neuesten Bekanntmachungen und Werbung. Die erste Litfaßsäule wurde 1854 in Berlin aufgestellt. Erfinder war Ernst Litfaß (1816-1874). Im Erdgeschoss des schönen Wohnhauses befand sich damals ein Gasthof mit Ausspannung. Die Inhaber waren in den 30er Jahren Wilhelm Schneider und später – bis 1945 – Alfred Scholz. Der Gasthof hieß immer ‘Mark Brandenburg’. Der Eigentümer des Hauses war Dachdeckermeister Paul Müller. Erbaut wurde das Haus 1904. Es wurde im Krieg zerstört. 1963 ist es neu aufgebaut worden, aber nicht in alter Schönheit. Zwei Stuckornamente an der Hausfront tun die Bauzeiten kund. Gegenüber befand sich die Wolltuchfabrik von H. Schemel, heute Möbelverkauf. Im Haus Nummer 5 – man sieht auf dem Foto noch die Erker – ist meine Mutter 1924 ‘in Stellung’ gegangen – so weiß ich es aus Erzählungen. Sie führte also den Haushalt der Kaufmannsfamilie Karl Barborsick, Wäsche- und Bettengeschäft. Die Straße heißt heute ul. Wyspianskiego. Die Gubener Straßenbahn, im Bild seitlich links zu sehen, hatte von 1904 bis 1938 den Endhaltepunkt vor der Lubstbrücke und fuhr zurück zum Bahnhof. Der Plan zur Weiterführung der Strecke bis zum Abzweig Sand- und Bösitzer Straße wurde durch Beginn des Ersten Weltkrieges zerschlagen und nie mehr ausgeführt.“






