Gartenrestaurant „Kaisergarten“ wurde im Krieg verschont und erst im Jahre 2000 abgetragen
Ein Stück Gartenlokalgeschichte wurde mit dem Foto aus dem Archiv von Ingrid Giebler festgehalten. Gerhard Gunia schreibt ausführlich: „Das lang gestreckte Gebäude mit den hohen Fensterfronten und Eingängen in der Gubiner ulica Rozana war nach 1945 lange Zeit Kulturhaus mit Kino und wurde im Jahre 2000 abgetragen. Das war einmal – man denke an den verschwundenen ‘Kupferhammer’ – das Gartenrestaurant ‘Kaisergarten’ am Breiten Steig, Ecke Triftstraße, beliebter Treffpunkt für Konzerte, Tanz, Feierstunden sowie politische Veranstaltungen aller Art. Hier versammelten sich SPD- und KPD-Mitglieder, Stahlhelm und NSDAP. Hier lief 1927 Eisensteins berühmter Stummfilm ‘Panzerkreuzer Potemkin’. Zu den unvergesslichen Aufführungen jener Zeit zählte die des Freien Volkschores Guben und des Arbeiter-Gesangvereins Sprucke am 7. März 1930 unter seinem Dirigenten Franz Braun (1903-1976) mit Beethovens 9. Sinfonie. Die heutige ulica Rozana (Rosenstraße) trug von 1960 bis 1993 den Namen des ersten Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck (1876-1960). Hier steht bis heute das Haus seiner Jugend (das Geburtshaus befand sich in der zerstörten König-straße), eingerichtet im Juli 1962 als Museum mit Gedenktafel. Die Berggasse Breiter Steig führte einst zum beliebten Ausflugslokal „Engelmanns Berg“, wo während der schweren Kämpfe im Frühjahr 1945 viele hundert Soldaten sinnlos geopfert wurden, wie auf den umliegenden Soldatenfriedhöfen zu lesen ist. Darüber ist in der Heimatliteratur ausführlich berichtet worden.“

Und Brigitta Drewitz mailt: „Das Gebäude ist der Kaisergarten. Er befand sich als Restaurant in dem heutigen Gubin. Es hat bis 1945 funktioniert. Nach 1945 war es ein Kino, eigentlich hieß es dann Kulturhaus. Ich selbst wurde 1940 in dem Haus geboren. Meiner Patentante gehörte dieses Restaurant.“ Dazu erfahren wir konkreter von Bärbel Koschack: „Es war ein altes Lokal, welches 1870 erbaut wurde. Als Tanzlokal war es sehr beliebt, der Tanzsaal war der schönste in Guben. (Der größte war der Lindengarten). Eigentümer waren die Bülowschen Erben. Richard Selleng war viele Jahre der Gastwirt.
Es war aber nicht nur ein Tanzsaal, es gab auch politische Nutzung. Der Kaisergarten blieb von der Kriegszerstörung verschont.
Zur Vergangenheit, 1923 sprach Wilhelm Pieck im Kaisergarten aus Anlass der Ruhebesetzung. 1926 trat hier der Rote Geiger Soermus auf. Am 12. September 1930 sprach Wilhelm Pieck in einer Wahlversammlung im Kaisergarten anlässlich der Reichtagswahlen 14. September 1930.
Diese Angaben entnahm ich dem Gubener Heimatkalender.“






