
Ein Findling ehrt heute den polnischen Schriftsteller Mickiewicz
Klar, das war kein schwere Rätselaufgabe, aber die Zuschriften zu diesem Motiv sind sehr interessant. Wolfgang Donat löst in seiner Mail: „Eingeweiht wurde das Ehrenmal am 2. September 1874 in den Anlagen am Wilhelmsplatz, dem heutigen Adama Mickiewicza Platz in Gubin und ist nicht mehr vorhanden.“
Gerhard Gunia notiert: „Das abgebildete Denkmal wurde auf dem neu gestalteten Wilhelmsplatz in Guben unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit feierlich eingeweiht. Dazu kann in der Stadtgeschichte von Karl Gander ausführlich nachgelesen werden. Wir betrachten eine Germania mit Lorbeerkranz auf hohem Podest, eingraviert die Namen der in den deutschen Einheitskriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallnen Gubener. Darunter lautet die Inschrift: ‘Den Gefallenen zum Gedächtnis / Den Lebenden zum Andenken / Den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.’
Das Foto selbst mit einer Schülergruppe dürfte um 1900 – wohl kaum früher – entstanden sein. Denkmäler dienten der kaisertreuen Erziehung in nationalistischer Überhöhung. Sie wurden vielerorten errichtet, man denke an die Siegessäule in Berlin (1873), das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald (1875), das Deutsche Eck bei Koblenz (1897) oder auch das weitere Zwei-Kaiser-Denkmal in Guben, eingeweiht am 30. Otober 1989 (Gubener Heimatkalender 1998).
Knapp 70 Jahre nach der Reichsgründung sollte das Reich im Inferno des Zweiten Weltkrieges wieder untergehen, mit ihm das Denkmal in Guben samt seiner Folgen. Die ‘Nacheiferung’ hat unserem Volk nichts gebracht. Das allerdings konnten die Gubener damals nicht erahnen.“
Zum Einweihungstag geht dann doch S. Menzel ein: „Die Einweihung fand mit Landrat Graf Reventlow und Bürgermeister Fritsche statt. Am Morgen der Einweihung bereiteten Glockengeläut und Musik der Stadtkapelle vom Turm der Stadtkirche die Einwohner darauf vor. Am Vorabend erfolgte ein Zapfenstreich der Schützengilde.“
Zur Rätselfrage selbst notiert Bärbel Koschack: „Das Denkmal wurde im Park zwischen Lubst – Kastaniengraben und Wilhelmstraße errichtet. Stadtrat Adolph Jakeschky hatte diese Parkanlage zu Ehren Kaiser Wilhelm I. schaffen lassen. Er ließ die Walterschen Wiesen aufschütten (Feuchtgebiet) und mit Bäumen bepflanzen. Ihm zu Ehren wurde ein Findling mit Reliefplatte aufgestellt. Dieser befindet sich noch an selbiger Stelle, trägt aber seit 1955, zum 100. Geburtstag, eine Marmortafel zu Ehren des polnischen Schriftstellers Adam Mickiewicz – so heißt auch heute der Platz: Mickiewicz-Platz. 1916 wurde neben der Germania ein Beutegeschütz aufgestellt. Es stand bis 1922.
1927 hat sich meine Mutter, damals 17 Jahre alt, am Zaun des Denkmals fotografieren lassen. Das Kriegerdenkmal wurde 1945 zerstört. Von 1965 gibt es ein Foto meiner Eltern an dieser Stelle. Die Germania war damals durch einen flachen Steinquader ersetzt worden, welcher in den 1970er-Jahren nicht mehr da war.“
Vielen Dank auch allen anderen Rätsellösern für ihre Antworten!