
Ziviler Flugplatz wurde 1935 zur Ausbildungsstätte für Jagdflieger
Noch vor der Ausstellungseröffnung im Stadt- und Industriemuseum erhielten wir reichlich Post zum Rätselbild. Arno Schulz löst: „Auf dem Bild von 1942 sind Wehrmachtangehörige der Gubener Flugzeugführerschule mit Löschgerät abgebildet. Der Gubener Flugplatz entstand Ende der 20er-Jahre und war nach Rollfelderweiterung 1935 Ausbildungsflugplatz für Kampfflieger der Luftwaffe bis 1945. Die 1864 gegründete Freiwillige Feuerwehr hatte ihren Stützpunkt bis 1930 am Spicherer Platz und danach bis 1945 in der Dreikreuzstraße.“
S. Menzel datiert die Anfänge der freiwilligen Turnerfeuerwehr auf das Jahr 1865 und schreibt: „Durch die steigende Industrialisierung wurde das Feuerlöschwesen reorganisiert. Feuerlöschpolizei, Feuerwache und Sanitätswache befanden sich in der Dreikreuzstraße 10a. Stadtbrandingenieur war Hermann Geilenberg. Für die schwer zugänglichen Wein- und Obstberge wurde eine Anhängermotorspritze angekauft.
Aus der Turnerfeuerwehr wurde später die Freiwillige Feuerwehr, die Berufsfeuerwehr und heute wieder die Freiwillige Feuerwehr Guben.“
Eberhard Wittchen schreibt ausführlich: „Das Foto zeigt eine Feuerwehrlöschübung auf dem Gubener Flugplatz. Die Personen tragen die Kennzeichen der Luftwaffe. Bevor dieses Rasenflächen-Flugfeld 1935 als Ausbildungsstätte für Kampfflieger zum Fronteinsatz genutzt wurde, diente es auch als Zwischenlandeplatz der Fluglinie Dresden-Stettin. Ab 1935 wurden hier am Gubener Nordrand im Flurstück Chöne die Anlagen als Fliegerhorst erweitert. Fort-an diente er zur Jagdflieger-Ausbildung an den Flugzeugtypen M109 und Focke-Wulf Fw 190. Viele Fachkräfte und Wehrpflichtige aus allen Landesteilen siedelten sich an. Wir Kinder ließen uns gern von dem fliegerischen Spektakel begeistern ohne zu begreifen, wieviel Leid über die Nachbarvölker von diesen Fliegern gebracht wurde. Ich erinnere mich, wie häufig wir per Rad durch den Königspark zur Seitwanner Chaussee gefahren sind, um uns am Rande des Flugfeldes am regen Flugverkehr zu erfreuen. 1934, am sogenannten Tag der Wehrmacht, konnte und durfte ich auf diesem Areal Technik und Anlagen bestaunen. Lange nach Kriegsende lernte ich ehemalige technische ‘Dienstverpflichtete’ kennen. So berichtete Oskar Schultchen, einst Fluglehrer, dass die Starts über die Neiße gen Westen erfolgten mit dem Orientierungspunkt der Kirche Groß Breesen. Die Landung wurde stets über dem Germersdorfer Teich bei Klein Drenzig eingeleitet. Am östlichen Flugfeldrand in der Nähe der Gatkenmühle befand sich ein Sumpfgebiet, in dem so mancher Pilot zu Schaden kam.
Zum Fliegerhorst Guben gehörte auch das Ausweich-Flugfeld Drewitz. Dorthin wurden ausgebildete Piloten vor ihrem Einsatz noch für zehn Tage verlegt. Im Jahre 1944 war ein Oberst Goßner Befehlhaber am Fliegerhorst.
In der Nach vom 20. zum 21. Februar 1945 wurde laut Befehl der Fliegerhorst Guben mit seiner Restbesatzung von 280 Soldaten und 102 MG und 150 Panzerfäusten dem Kampfkommandanten in Guben zum sogenannten Endkampf überstellt.“
Viele der Fakten fand auch Werner Koschack heraus. Er ergänzt dazu: „Das Foto wurde nach 1935 aufgenommen. Die Feuerwehr des Militärflughafens übt den Umgang mit einem Schaumlöschgerät. Im Hintergrund sind große Gebäude und Hangar des Fliegerhorstes zu erkennen. Heute ist es nur noch eine große Brache. Der Flugplatz wurde laut Beschluss der Gubener Stadtväter gebaut. Zu dieser Zeit war Heinrich Lass der Bürgermeister. In den Jahren 1927 bis 1929 erfolgte im Stadtgebiet Chöne der Bau eines Verkehrs- und Sportflugplatzes. Die Nordbayrische Verkehrsflug AG leitete den Flugbetrieb. Es wurden Passagierflüge nach Stettin, Dresden und Nürnberg durchgeführt. Es gab ab 1929 einen Postbeförderungsdienst auf der Fluglinie Cottbus-Guben- Frankfurt/Oder-Stettin und zurück. Eine Luftpostkarte vom 7.9.1929 belegt, dass Guben auch an das Luftpostnetz angeschlossen war. Mit der Umgestaltung zu einem Militärflugplatz mit Militärfliegerschule wurde 1934 auch der Flugplatz in Drewitz erbaut. In dieser Zeit ist das Rätselfoto entstanden. Im Buch ‚Perle der Niederlausitz Band 2‘ wurde über den Gubener Flugplatz ausführlich berichtet. Uns ist ein Zeitzeuge bekannt, der uns viel erzählte über seine Pilotenausbildung an der Schule in Guben.“
Vielen Dank allen Anrufern und fleißigen Schreibern. Ein historisches Bild im Rahmen gewinnt diese Woche Eberhard Wittchen. Herzlichen Glückwunsch!
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