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50 Pfennige fürs Droschkefahren / Wichtigstes Verkehrsmittel neben Eisenbahn hatte Station auf dem Markt
Um das Rätselbild nicht zu einfach zu gestalten, hatten wir nur einen Ausschnitt der gesamten Ansicht gewählt – trotzdem hatten viele Leser keine Probleme, die Lösung zu finden. Ausführlich schreibt Gerhard Gunia: „Das um 1900 entstandene Foto weist auf ein Stück Gubener Verkehrsgeschichte hin. Es zeigt den Stellplatz örtlicher Pferdedroschken am oft beschriebe-nen Markt, gelegen zwischen
dem Zwei-Kaiser-Denkmal und
dem Reichspostgebäude (1879-1945), rechts im Hintergrund, heute eine Parkanlage in Gubin.
Bei den Droschken (Mietkutschen) handelt es sich um
leichte städtische Wagen zur Personenbeförderung, zumeist Einspänner. Vor der Einführung der Straßenbahn in Guben 1904 gab es hier sieben, im Jahre 1914 acht Droschkenbesitzer. Das Adressbuch von 1914 verzeichnet zum Beispiel in der Frankfurter Straße 16 Robert Hampel als ‘Droschken- und Leichenfuhrwerksbesitzer’. Die Fahrpreise waren tariflich gestaffelt und lagen im Stadtgebiet je nach Personenzahl zwischen 50 Pfennigen und 1,20 Mark.
Noch waren die Fuhrwerke – neben der Eisenbahn – das wichtigste Transportmittel. So waren 1913 in Guben mehrere tausend Haustiere vorhanden, darunter 643 Pferde, entsprechend dann die Anzahl der Stallgebäude. Das änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg, und 1929 wurden hier 415 Personenkraftwagen und 171 Lastkraftwagen gezählt.“
Bärbel Koschack erzählt: „Das Foto aus dem Jahre um 1909 zeigt die Südansicht des Marktes in Guben gegenüber von
Kirche und Rathaus. Im Vordergrund sind die Droschkenkutscher mit Ein- und Zweispänner zu sehen – es sind die damaligen Taxis. Motorfahrzeuge kamen um 1920. Das markante Gebäude rechts war das Postamt. Links daneben ist das Konfektionsgeschäft von Herrmann Meyer zu sehen, welches sich ab 1884 auf dem Markt Nr. 37 befand. Zuvor war es seit 1878 in der Herrenstraße 5. Nach dem Tod von Herrmann Meyer (1918) führten seine Söhne das renommierte Geschäft weiter, bis 1938 in der Kristallnacht die Existenz der angesehenen jüdischen Bürger total zerstört wurde. Zwischen dem Modehaus und der Nr. 38 erkennbar, führte die Johann-Frank-Straße als Verbindung zur Salzmarktstraße entlang.
Johann Frank war seit 1661 Bürgermeister in Guben und Landesältester der Niederlausitz. Er lebte von 1618 bis 1677. Er schuf geistliche Lieder und weltliche Gedichte.
Im angrenzenden Haus Nr. 38 lebte später der Uhrmacher Max Broske. Nummer 39 bewohnte in den 1930er Jahren unter anderem der Goldschmied Walter Billing. Nach dem Krieg hatte er sein Geschäft in der heutigen Alten Poststraße 41. Er fertigte 1960 unsere Trauringe an. Links – nicht im Bild – steht der Zweikaiserbrunnen. Seit 1904 fuhr über diesen Platz die elektrische Straßenbahn. Im Kalender ‘Alte Gubener Ansichten 2004’ kann man dieses Bild als farbige Abbildung sehen.“
Familie Menzel ergänzt zur Lage: „Am Postamt führt die Salzmarktstraße entlang, sie zweigt hinter der Neißebrücke von der Klosterstraße ab und geht östlich in die Herrenstraße, wo links die Stadtapotheke zu finden war.“
Zur Post weiß Hans Joachim Wagner zu berichten: „In diesem Gebäude waren mit Ausnahme der Landpost alle
Zweige des Post-, Telegrafen-, Fernsprech- und später auch
des Rundfunkdienstes untergebracht. Diesem Hauptpostamt waren zwei Zweigpostämter unterstellt, von denen eines, nämlich die ‘Grüne Post’ nach der Grenzziehung zeitweilig als neues Hauptpostamt diente. Die Erwähnung einer Postanstalt im Jahre 1701 lässt auf den Beginn eines organisierten Postwesens schließen. Aus Holz und weiß lackiert wurden 1850 die ersten Briefkästen in Guben aufgestellt. Das Porto für den einfachen Brief betrug 6 Pfennige.“