Der markante Silobau fehlt noch / Über 100 Jahre alte Aufnahme der Getreidemühle in Groß Gastrose
Das Rätselfoto weckte bei Ilse Jäschke aus Guben Erinnerungen: „Das Foto zeigt die Mühle in Groß Gastrose in der Zeit zwischen 1890 und 1900. Damals haben meine Großeltern auf der Insel gewohnt, und meine Mutter ist sogar hier 1898 geboren. Noch nicht zu sehen ist das markante Silogebäude, das 1932 erbaut wurde und noch heute weit sichtbar ist. Zu Zeiten der Aufnahme war es eine Getreidemühle, später wurde es ein Mischfutterwerk, auch zu DDR-Zeiten. Heute ist es ein Wasserkraftwerk, das von einem Groß Gastroser Bürger gewartet wird.“
Bärbel Koschack ergänzt: „Damals lief die Mühle noch mit Wasserbetrieb. Das Gebäude liegt am Mühlengraben, welcher aus der Neiße kommend eine Insel bildet. In dieser Mühle wurde schon seit 1382 Korn gemahlen. Das Gebäude samt seiner Besitzer veränderte sich mit dem technischen Fortschritt. Von 1876 bis 1948 war Karl Lehmann der Mühlenbesitzer. Er war auch im Besitz weiterer städtischer Immobilien. Doch die Mehlproduktion setzte sich in den Vordergrund. Das Silo, 1931 aus Eisenbeton erbaut hat fasst 2200 Tonnen Getreide und hat auf dem Dach einen Wasservorratsbehälter für eine Feuerlöschanlage. Große Schäden richtete der Zweite Weltkrieg auf der Insel an. Auf der Insel wohnten in 45 Häusern die Mühlenarbeiter und ihre Familien. Sie arbeiten außer in der Mühe auch in einer Tuch- und in einer Kartonagenfabrik. Mit der Insel verbindet mich eine ganz persönliche Geschichte: 1909 wurde mein Vater als Sohn eines Mühlenarbeiters auf der Insel geboren. Als mein Onkel, also sein älterer Bruder, bereits wegen seines Alters Lastwagen fahren durfte, befuhr er stets die städtischen Bäckereien, um sie mit Mehl zu beliefern. Unter anderen hatte er damals schon die Bäckerei „Dreißig“ beliefert. Der Mehlboden befand
sich bei denen im 3. Stock und er musste die Dreizentner-Säcke dort nach oben tragen. Ein Zeitzeuge in Groß Gastrose führt Interessierte auf Anfrage über die Insel und weiß viele Details zu berichten.“
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