Vornehme Lehrerin mit vielen Hüten / Backsteinbau wurde in 1970er-Jahren für viele Kinder aufgestockt / Heute Gubiner Grundschule 2
Alfred Pohl löste am Telefon wie viele andere Leser auch: „Das ist die Osterbergschule. Dort bin ich von 1941 bis 1945 zur Schule gegangen. Unsere Lehrerin war eine Frau Niemar. Das war die Frau des Direktors. Es war eine gemischte Klasse. Wir wohnten in der Nähe der Schule.“
Christa Schellack schreibt ausführlicher: „Wieder mal ein Bild aus Kindertagen. Es handelt sich dabei um die 1884 erbaute Osterbergschule, Triftstraße 5, im östlichen Teil von Guben. Das Bild stammt aber aus der Nachkriegszeit, als die Schule aufgestockt wurde. Ich besuchte die Schule von Herbst 1944 bis Anfang Februar 1945. Da schon mehrere Gubener Schulen zum Lazarett umfunktioniert wurden, waren die letzten Schulen natürlich überbesetzt. Deshalb erfolgte der Unterricht in zwei Schichten, am Vor- und Nachmittag. In der Nachmittagswoche hatten wir am Sonnabend schulfrei, was für uns Kinder natürlich sehr schön war. Unsere Lehrerin war ein älteres, sehr modernes ‘Fräulein’ aus Berlin. Sie hatte fast jeden Tag einen anderen Hut auf, was von uns Kindern sehr bestaunt wurde. In den ersten Februartagen wurde der Unterricht wegen der nahenden Kriegsfront eingestellt. Am letzten Tag bekamen wir unsere Schulsparbücher ausgehändigt. Von dem gesparten Geld bekamen wir nach dem Ende des Krieges leider nichts mehr zurück. Trotzdem erinnert man sich gerne an die alte Zeit.“
Mit einem Ausflug nach Gubin verband Werner Koschack die Suche nach der Rätsellösung. Er schildert: „Das Rätselfoto ist von Nord nach Süd fotografiert, im Hintergrund stehen die Häuser den Osterberg abwärts. 1904 wurde an die Volksschule 4 angebaut. 1915 bekam sie den Namen Osterbergschule, da sie am Ende des Osterberges liegt. Auch alle anderen Schulen hatten zuvor Nummern, es gab fünf weitere Volksschulen auf beiden Seiten der Neiße. Dann bekamen alle spezielle Namen, so die Schule 5 als Pestalozzischule, heute Pestalozzigymnasium. 1921 wurde in der Osterbergschule in 22 Klassen unterrichtet. 1934 ist meine Schwester in dieser Schule eingeschult worden. Zu dieser Zeit gab es 18 Klassen mit 785 Schülern. Unterrichtet wurde bis 1945, ehe der Krieg ein böses Ende erzwang. Guben östlich der Neiße war zum Großteil zerstört worden. Das Schulgebäude blieb erhalten. Nach dem Krieg, im Juni 1945, wurde der Ostteil von Guben von polnischen Bürgern besiedelt. So steht heute die Schule in Gubin. Die zunehmende Kinderzahl machte es erforderlich, dass das gesamte Schulgebäude aufgestockt wurde. Der helle obere Teil wurde ca. 1970 errichtet. Auch neue Fenster im gesamten Haus und Sanitärtechnik kamen nach und nach. Dieses Foto stammt also aus den 1970er-Jahren. Man sieht noch Abrissteile.
Heute werden in der polnischen Grundschule 2, so heißt die Schule, in der ul. Gen. Swierzcewskiego No. 1, rund 600 Schüler bis zur 6. Klasse unterrichtet. Die Turnhalle wurde nach ihrer Zerstörung wieder aufgebaut. Ein informatives Gespräch mit dem freundlichen Direktor und einer Kollegin der Schule rundete unseren Besuch an Ort und Stelle ab. Meine Frau und ich waren erfreut über den netten, sauberen Gesamteindruck der Schule.“