Keine schwere Aufgabe war – trotz des hohen Alters der Aufnahme – unser letztes Rätselbild. Peter Kruppa erzählt am Telefon: „Zu DDR-Zeiten hieß die Gaststätte ‘Quellhütte’. Leider gibt es sie heute nicht mehr.
Ich habe bei der Stadtwirtschaft gearbeitet, hier haben wir öfters schöne Firmenfeiern erlebt, es war sehr schön.
1972 hat mein Bruder Fritz Kruppa geheiratet. Er war damals stellvertretender Betriebsleiter und hatte als solcher auch Bereitschaftsdienste zu absolvieren. An seinem Hochzeitstag wurde er in der Quellhütte von seinem Chef angerufen, er solle zu einem Einsatz kommen. Darauf entgegnete mein Bruder, er könne nicht kommen, er sei auf einer Hochzeitsfeier. Recht böse und ungehalten forderte der Chef, dass er sich sofort auf den Weg zu machen habe. Daraufhin entgegnete mein Bruder, es sei aber doch seine eigene Hochzeit. Da hatte der Chef ein Einsehen und wiederholte seine Forderung nicht.
Eine weitere lustige Begebenheit kann ich noch erzählen, an die sich der damalige Betreiber der Gaststätte, Herr Teske, der auch das Foto einsandte, bestimmt noch erinnern kann. Herr Teske wollte in seinem Garten ein Affengehege einrichten, ein passendes Haus dafür hatte er wohl schon.
Das wussten einige Gubener. Eines Tages klingelte bei Herrn Teske das Telefon. Am Apparat ein Bediensteter des Bahnhofes. ‘Hier sind große Käfige mit ihren Affen angekommen. Wann holen Sie die ab?’, schallte es aus dem Hörer. Herr Teske stutzte, und es schien ihm eine Weile die Worte zu fehlen, denn er hatte nirgends Affen bestellt. Doch dann antwortete er ruhig: ‘Mein Herr, Sie wollen mich wohl veralbern!’ Es war natürlich ein Scherzanruf, der für großen Spaß sorgte.“
Tiere spielten bei Herrn Teske scheinbar eine große Rolle, denn es blieb nicht nur beim Plan, ein Affengehege anzulegen, wie Renate Tzschentke berichtet: „Im Außenbereich der ‘Quellhütte’, die Herr Teske betrieb, gab es einen Teich. Ich kann mich gut erinnern, dass es hier eine Zeit lang Reptilien, also kleine Krokodile, zu bestaunen gab. Ob noch andere Tiere hier lebten, weiß ich leider nicht mehr.
Es war eine sehr schöne Gaststätte, die herrlichen Wanderwege luden immer zu Ausflügen ein, per Rad auch vom oder bis zum Deulowitzer See. Übrigens wurde die ‘Quellhütte’ nach den Quellen benannt, die hier in nur rund 100 Meter Entfernung sprudeln – auch heute noch! Zu Ostern werden diese Quellen von unseren Mädels für das Osterwasserholen genutzt, ein sehr alter, aber schöner Brauch, der hier sehr gepflegt wird.
In der Gaststätte haben wir herrlichen Betriebsfeiern gefeiert, und ich kann mich entsinnen, dass wir danach mit Kerzen in der Hand nach Hause geschunkelt sind, um den dunklen Weg nicht zu verfehlen.“
Weitere Details erfahren wir von Werner Koschack: „Dieses Gartenlokal hat eine lange Tradition. Es gibt schon ein Foto um 1880/1900, abgebildet im Buch zur Geschichte von Kaltenborn von Ingrid Giebler.
Die Gaststätte hatte viele Besitzer, viele Jahre war sie eine HO-Verkaufsstelle. Familie Teske baute das Haus nach der Übernahme um. Es entstand eine Bauern- und eine Weinstube und ein Tanzsaal. Ab diesem Zeitpunkt bekam das schöne Lokal auch seinen schönen Namen ‘Quellhütte’. Meine Frau und ich haben einige Baudenabende mit Feuerzangenbowle, den beliebten Glöck – von Frau Teske kreiert – und gepflegte Wildspezialitäten erlebt.
Nicht vergessen ist der schöne Heimattiergarten. Wildtiere aus unserer Region waren zu bestaunen. Leider wurde die ‘Quellhütte’ 1991 aufgegeben.
Und Wolfgang Teske selbst schreibt uns zu seinem Rätselbildern: „Das Foto zeigt die ‘Gubener Schweiz’ 1930 im Dorf Kaltenborn. Eigentümer war damals Friedrich Grähm. Ab 1968 hieß sie dann ‘Quellhütte’.
Erster Eigentümer war aber schon ab 9. Juli 1928 Alfred Nischan. Am 18. Oktober 1932 wurde das Haus Genossenschaftsbrauerei. Willy Krien betrieb die Gaststätte ab 4. Dezember 1935, bekannt als ‘Dreimädelhaus’. Es folgte Emma Lehmann am 16. August 1940. Bevor ich am 15. Oktober 1965 die Gaststätte übernahm, gab es die Pächterin Frau Zapfe als HO-Verkaufsstätte und Meta Bürtchen, ‘Gubener Schweiz’.“







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