Platz war Zuckertüten-Fotomotiv / Mehrfach ungestalteter und umbenannter Platz / Drei Denkmale
Bärbel Koschack schildert den Wandel des Platzes am Telefon: „Der Platz, den das Rätselfoto zeigt, befindet sich heute zwischen Karl-Marx-, Friedrich-Engels-, Karl-Liebknecht- und Kaltenborner Straße und heißt heute ‘Platz des Gedenkens’. Bei seiner Entstehung im Westring-Neubaugebiet des Mieterbundes und der Gewoba um 1925 hieß er Westringplatz, bevor er den Namen des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert erhielt, der 1925 verstarb. Das Foto entstand ca. 1929, denn am 24. August 1930 wurde zu Ehren Friedrich Eberts ein Denkmal eingeweiht. Der Magistratsbaurat aus Guben, Johannes Römmler, schuf das Gesamtbauwerk ca. 2,50 Meter hoch. Es bestand aus sechs Pfeilern, in deren Mitte auf einer Platte ein Bronzemedaillon mit dem Kopf Friedrich Eberts angebracht war. Dies war vom Gubener Bildhauer Adolf Vos geschaffen worden. Anfang 1933 wurde das Denkmal von den Nazis abgerissen und der Platz nach der Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1914 in „Tannenberplatz“ umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 hieß er ‘Platz der Befreiung’, war mit einem Obelisken versehen und später, 1971, wurde ein Panzer T 34 auf einen Sockel gestellt. Dieser wurde 1990 entfernt und ein großer Findling für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aufgestellt. Der Platz bekam den Namen ‘Platz des Gedenkens’.
Gerhard Gunia bestätigt diese Angaben in seinem Brief, tippt aber den Aufnahmezeitpunkt etwas später, so dass er bereits Tannenbergplatz hieß. Außerdem fügte er ein Foto des Denkmals hinzu, das wir später veröffentlichen werden.
Sigrun Lohse ließ sich zur Albenschau animieren: „Ich habe beim Stöbern in meinen Alben Fotos von einem Osterspaziergang 1942 gefunden. Ich selbst war damals zweieinhalb Jahre alt. Es muss ein sehr schöner Park gewesen sein, was auch ein Bild mit meiner Patentante zeigt, die im rechten Gebäude wohnte. Mein Bild zeigt sie, wie sie 1939 auf einer Bank sitzt. Auf einem weiteren Foto mit meiner Mutter sieht man im Hintergrund diese Wohnhäuser. An der Ecke Karl-Marx-Straße, genau in der Mitte des Bildes, hatte früher auch ein öffentliches Klo gestanden. Ich kann mich auch erinnern, dass wir in späteren Jahren bei Besuchen meiner Patentante oft hier spazieren waren.“
Auch Jutta Pusch fand Fotos: „Rechts im Block wohnte meine Tante in der ersten Tür rechts, wo ich oft war. Auch mein Einschulungsbild mit der Zuckertüte ist auf dem Platz entstanden.“
Marie-Elise Weiß ergänzt: „Das rechte Gebäude der Gewoba wurde 1928 eingeweiht und im Februar 1945 in Brand geschossen, brannte total aus und wurde später wieder aufgebaut. Ich bin dort geboren und aufgewachsen. Der Platz war von 1945 bis 89 gleichzeitig Begräbnisstätte für russische Soldaten.“






