Rüpelhafte Jugendliche mit Boxen gezähmt
/ Angebote für Jugendliche bleiben in positiver Erinnerung / Einst Wohnhaus der Familie Wilke
Offensichtlich keine schwere Rätselaufgabe war unsere letzte Aufnahme. So wie Werner Bindauf gab es viele ähnliche Anrufe. Er erzählt: „Das Foto aus alten Zeiten zeigt das ehemalige FDJ-Klubhaus in der Gubener Wilhelm-Pieck-Straße. Hier waren meine Frau und ich von 1957 bis 1961 häufig zu Gast. Der damalige Leiter war Werner Lepitré, der trotz Behinderung aus dem Klubhaus mit viel Engagement etwas gemacht hat. Er hat viele Arbeitsgemeinschaften und Interessengruppen ins Leben gerufen. Herr Matz hat den Fotozirkel geleitet, Familie Moskwa war in Jänschwalde in der Küche beschäftigt, kaum waren sie in Guben, haben beide den Koch- und Backzirkel geleitet. Werner Lepitré hat Turniere und Spielnachmittage veranstaltet – vom Tischtennis bis zum Skatabend. Und es gab noch eine Besonderheit; einen Fernseher, um den sich abends viele versammelt haben – es gab ja nicht in jedem Haushalt ein Gerät!“
Bärbel Koschack erinnert sich: „Das Foto stammt aus dem Jahre 1957 und war eine Ansichtskarte von Guben, der Wilhelm-Pieck-Straße 35. Es zeigt die Wilke-Villa in der heutigen Berliner Straße 35, welche vor 1900 erbaut worden ist und bis zu seinem Tode, 1908, von Friedrich Wilke bewohnt wurde. Nach seinem Tod übergab sein Sohn Max, welcher sein Nachfolger in der Hutfabrik war, die Villa am 16. Juni 1913 an die Stadt Guben als Stiftung. Er hat außerdem noch 10?000 Mark für die Renovierung bereitgestellt. Die Übergabe erfolgte feierlich, und das Haus wurde zum Städtischen Jugendheim ernannt. Es beherbergte fortan einen Jugendclub für männliche Jugendliche. Im Kriege 1914 bis 1918 war es auch Soldatenheim. Ab 1919 wurde das Haus privat vermietet – es war als Jugendclub zu klein geworden.
Nach 1945 war kurz die Stadtverwaltung in den Räumen, bis ab Gründung der FDJ die FDJ-Kreisleitung ihre Räume dort einrichtete. Ab 1955 wurde es aber Kreisjugendclubhaus. Zu dieser Zeit (Foto) gab es auch eine Wohnung für die Hausmeisterfamilie Neumann, und der Clubleiter Werner Lepitré wohnte ebenfalls mit seiner Familie in diesem Haus. Er selbst verfasst im Heimatkalender 1960 einen Artikel über das Haus. So schildert er, dass die Betreuer schon damals mit rüpelhaften Jugendlichen zu kämpfen hatten. Doch anstatt sie rauszuschmeißen, setzten sie sich an einen Tisch und fragten nach ihren Interessen. So entstand eine Interessengemeinschaft Boxen, die später als Sektion der ASK (Armeesportklub) Cottbus, Außenstelle Guben entwickelte. Aus einigen einst rüpelhaften Jugendlichen wurden gute Mitarbeiter des Clubhauses in der Sektion Boxen. Es gab auch weitere Jugend-Interessengemeinschaften wie Tanz, Foto, Schneidern, Kochen, Backen… die Jugendliche zusammenführten und begeisterten.
Seit 1974 wurde das Haus von der Volkssolidarität als Veteranenclub genutzt. Es ist noch heute das Haus der Begegnung und führt ältere interessierte Bürger zu vielen Aktivitäten zusammen. Von Beginn an wird das Haus von der bewährten Leiterin Karin Schmidt geführt. Wir selbst besuchen die Chorkonzerte des Chores der Volkssolidarität unter Leitung von Dietwald Kriegel und erleben so schöne Nachmittage in froher Runde. Leider haben die Schrottdiebe auch die Fallrohre dieses Hauses nicht verschont.“
Gerhard Gunia ergänzt in seinem Brief: „Erster Hausverwalter nach der Einweihung als Jugendheim durch den Ersten Bürgermeister Dr. Glücksmann,
war der Gubener Modelltischer Richard Ritter, tätig im Wilke-Stift. Im zur Seite stand der Jugendpfleger Hermann Buschor. Dazu gibt es einen Artikel im Heimatkalender 1991.“







