Die erste Bockwurst kostete 30 Mark / Aus Tankstelle und Pkw-Schauraum wurde die erste Bockwurstbude
Eine sehr bekannte und leicht wiederzuerkennende Straße haben wir mit dem letzten Rätselbild gezeigt. Spannende Details erhielten wir dazu. So von Karl-Heinz Haigold. In seiner Mail schreibt er: „Es handelt sich um die Berliner Straße in Richtung Dreieck. Die Straßennamen wurden schon mehrmals gewechselt, so zum Beispiel in Bahnhofstraße, Kube-Straße, Kurmärkische Straße und auch Wilhelm-Pieck-Straße. Das Haus links wurde vom Hutfabrikanten Wilke für seinen Sohn erbaut. Später erwarb das Grundstück mein Großvater Friedrich Haigold und betrieb dort eine Autowerkstatt mit Tankstelle, dazu gehörte auch der Flachbau. Unten im Laden befand sich ein Autosalon. Leider versuche ich bisher vergeblich, davon alte Aufnahmen zu bekommen, wer kann helfen?
Nach 1935 übernahm Herr Winzer das Grundstück und Geschäft.
Im Laden wurde 1949 der zweite HO-Laden in Guben eröffnet. Der erste war in der Frankfurter Straße. Im Flachbau wurde nach 1950 eine Imbißverkaufseinrichtung eröffnet mit einem guten Bockwurst-Angebot, das auch viel Zuspruch hatte.
In dem Laden wurden später eine Textilverkaufsstelle und andere Branchen tätig. Heute befindet sich darin eine Verkaufstelle für Geschenkideen.“
Günter Friese erzählt am Telefon: „Der Flachbau links war die Tankstelle der Opelvertretung Winzer. Herrn Winzer gehörte das gesamte Areal, einschließlich dem Eckhaus links. Der rechte Teil des Flachbaus mit der weißen Front, dort befand sich der Ausstellungsraum für die neuesten Opel-Modelle. So der Opel Kadett und Olympia und der Opel Kapitän. Zu meiner Lehrzeit zum Kfz-Schlosser bei Herrn Winzer von 1941 bis 1944 habe ich nebenbei die Tankstelle bedient. Meine prominentesten Kunden waren der Schauspieler Veit Harlan und die Schauspielerin Christina Sölderbaum. Sie haben zu der Zeit einen Film in Amtitz gedreht. Es gab nur eine Sorte Benzin, das wurde für Zweitaktmotoren mit Öl vermischt. Alles geschah per Hand, auch die Zapfpumpe wurde noch mit der Hand bedient. Es war damals noch nicht so viel zu tun, aber ich hatte immer etwas Trinkgeld. Nebenan war gleich Bäcker Fritsche, gegenüber der Fleisch- und Wurstwarenhandel Bocksch neben dem Straßenbahndepot. Dort habe ich mir oft etwas Leckeres zu essen geholt.“
Ingrid Wollgast erinnert sich: „Links, das Eckhaus an der Einfahrt zur Schulstraße, ist das erste HO-Geschäft in Guben. Mein Vater Walter Müller, bekannt als HO-Müller, war der erste Geschäftsführer. Hier wurden alle freien Waren verkauft – ohne Bezugsscheine und Marken. Die Waren wurden natürlich sehr streng begrenzt und die Abgabe überwacht. Mein Vater hatte große Probleme bekommen, als Ganoven gleich mehrere Strümpfe und weitere Sachen kauften.
Rechts neben der Einfahrt in die Schulstraße ist die erste Gubener Bockwurstbude mit den erstmals frei verkauften Bockwürsten zu sehen. Eine Bockwurst kostete ganz am Anfang 30 Mark! Das werde ich nie vergessen. Ob sie zu dem Preis verkauft wurden, weiß ich nicht. Ich selbst habe damals eine bekommen, ich war damals aber noch Schulkind. Hinter dem offen stehenden Fenster stand der Wurstkübel mit den heißen Bockwürsten. Bevor der Flachbau zur Bockwurstbude wurde, war es eine Tankstelle. Im rechten Teil des Flachbaus, der weiß leuchtet, war nach dem Krieg die Sowjetische Kommandantur untergebracht. Dort musste man sich Passierscheine und Sondergenehmigungen holen, wenn man auf den Neißedamm wollte. Das war damals streng verboten.
Hinter dem Flachbau, weiter die Schulstraße entlang, befanden sich Lagerräume für die Waren der HO. Das waren vorher Garagen, die umgebaut wurden. Heute sind dort Parkflächen.
Ganz recht am Bildrand, der Flachbau am Dreieck mit den scheinbar zwei schwarzen Schaufenstern, das war eine öffentliche Toilette.“
An die Bockwurst-Bude erinnert sich auch Annerose Traut: „Zu der Verkäuferin haben wir immer gesagt ‘Bockwurst-Renate’. Sie hieß richtig Renate Brylke. Die Leute haben dort immer Schlange gestanden, weil die Bockwurst sehr gut geschmeckt hat. Die Bauten rechts von diesem Flachbau war die Notenbank. Dann war die Konsum Konditorei zur damaligen Zeit. Links davon war ein Laden für Kindersachen.“
Noch etwas Geschichtliches fand Bärbel Koschack heraus: „Das Foto zeigt die heutige Berliner Straße in den 1960er und 1970er Jahren. Damals hieß sie Wilhelm-Pieck-Straße, benannt nach dem ersten Präsidenten der DDR. Er war am 3. Januar 1876 in Guben in der Königstraße geboren worden. 1946 wurde er zum Ehrenbürger von Guben ernannt.
Man erkennt links im Bild das erste HO-Kaufhaus, welches am 27. Juli 1949 eröffnet wurde. Dort gab es Geschirr, Wäsche, Fotozubehör, Strümpfe, Radios und anderes zu kaufen. Circa 1958 wurden diese Waren in einzelnen Geschäften verkauft, und hier befand sich dann das Kinderkaufhaus. In dem besagten Haus Nummer 12 an der Ecke zur Schulstraße war vor 1945 das Autohaus Mobil GmbH eingerichtet. Der Flachbau gegenüber war die Tankstelle, zum Autohaus gehörig. Die vielen Garagen gehörten auch dazu. Später, zur Zeit dieser Aufnahme, gab es in dem Raum der Tankstelle einen Imbiss mit Bratwurst und Dampfwurst.
Und hinter dem großen Baum war die Notenbank der DDR, dahinter folgt in Nummer 10 ein großes Wohnhaus und die Zahnarztpraxis von Dr. Wolf. Am Straßenrand standen herrliche Rotdornbäume.“






