Gubener Flugplatz in der Seitwanner Chaussee um 1930

damals120121_guSchneidermeister vor dem Abflug / Flugplatz wurde nach nur sechs Jahren vom Militär umfunktioniert
Die relativ kurze Existenz des Gubener Flugplatzes hat nicht allzu viele Spuren hinterlassen. Trotzdem gab es einige Gubener, die die Lösung aufschrieben oder am Telefon erzählten.
Familie Menzel schreibt uns per Karte: „Dieses Foto zeigt Schneider-Obermeister Max Kretschmann und Schneidergeselle Brüllke vor dem Abflug 1929 auf dem Gubener Flugplatz. 1929 war der Flugplatz für den Linienverkehr ausgelegt. 1935 wurde er jedoch zum Militärflugplatz umgerüstet. Auf dem Flugplatzgelände befand sich eine Militärschule. Von dort flogen Soldaten der Moltke-Kaserne mit Transportflugzeugen ab, Modell JU52. Die Soldaten waren Funker, Elektriker oder gehörten zum Nachrichtendienst.“
Zur Lage mailt uns Wolfgang Donat: „Wer Guben in Richtung Norden östlich der Neiße verließ, bemerkte nach dem Überqueren der Bahnlinie Guben-Crossen linker Hand das Sportstadion, welches sich auch heute noch in einem guten Zustand befindet. Es wurde am 11. Juni 1935, im Jahr der 700 Jahrfeier, eröffnet, und bot Zehntausend Besuchern Platz. Danach, auf der rechten Seite der Straße, folgte das Gubener Flugplatz-Gelände. Mit dem Bau wurde 1927 begonnen. 1929 wurde er als Verkehrs- und Sportflugplatz eröffnet. Passagierflüge unter anderem nach Frankfurt/Oder, Stettin, Dresden und Nürnberg waren möglich.“ Und zu den abgelichteten Personen notiert Wolfgang Donat: „Auf dem Bild vor dem Flugzeug sind Schneider-Obermeister Max Kretschmar (li.) und Geselle Brüllke 1929 vor ihrem Abflug zu sehen. Einen Postbeförderungsdienst gab es ab Juli 1929. Eine besondere Würdigung erhielt der Flugplatz im Jahr 1934. Der ‘Deutschland-Flug’ machte auf dem Flugplatz Zwischenstation. Ab 1935 wurde er zum Militärflugplatz umfunktioniert. Dazu kam eine Militär-Fliegerschule. Heute ist das Gelände Brachland mit einigen zerstörten Erinnerungsobjekten. Im Gespräch war die Anpflanzung von schnell wachsenden Gehölzen für industrielle Zwecke.“
Annelies Heise erzählt am Telefon: „Der Flugplatz lag in der Seitwanner Chaussee, heute Gubin, und war wichtig für die expandierende Industrie. Die Geschäftsleute, vor allem der Hut- und Tuchindustrie konnten von hier aus sehr schnell Kontakte zu entfernteren Kunden pflegen und aufbauen. Gubener Hüte wurden ja weltbekannt. Der Transport von Ware war damals per Flugzeug jedoch noch undenkbar, weil viel zu teuer. Aber die im Aufbau befundenen Linienflüge wurden emsig genutzt, erzählte mir mein Vater. Leider übernahm dann das Militär den Platz, der private Verkehr wurde immer stärker verdrängt. Die Anlage wurde ab 1935 zum Ausbildungsflughafen für das Militär ausgebaut. Es war eine von mehreren militärischen Investitionen, zu der auch der Bau der Moltke-Kaserne in der Nordstraße, der Mückenberg-Kasernen und nicht zuletzt das Borsigwerk gehörten.“
Dieter Hoffmann aus Schenkendöbern tippt auf einen anderen Ort. Es handelt sich um den Flugplatz in Klein Drenzig, der bis 1945 vom Militär genutzt wurde. Das Flugzeug, eine Fokke Wulf, ist dort gestartet, hat in Kuhnersdorf aufgetankt und ist dann bis nach Berlin geflogen.“ Die Aussage zeigt, dass mit der Aufrüstung ab 1935 mehrere Flugplätze entstanden oder militärische umgerüstet wurden. Auch Feldflugplätze gab es laut Zeugenberichten.
In der „Gubener Zeitung“ vom 20. März 1939 ist von einem „Tag der Wehrmacht“ zu lesen, ein großer Tag für Guben mit glanzvollen Darbietungen in der Kaserne und auf dem Flugplatz, die 15?000 Schaulustige anlockten. Es gab Gefechtsvorführungen, Waffenausstellungen, Schauflüge. Das Militär und vor allem Hitler wurden verherrlicht. Es war nur eine von vielen Veranstaltungen. Aufmärsche wurden auf dem Flugplatz und auf dem nahe liegenden Sportplatz durchgeführt, Feierlichkeiten nutzte die NSDAP für Massenpropaganda.
Aber der Flugplatz hatte auch die sportliche Entwicklung der Stadt beeinflusst. Hier gründete sich der Luftwaffen-Sportverein „Hansa“, der kurze Zeit später zu den stärksten Gubener Teams gehörte.