Ein Haus zum Feiern und zum Lernen / Das HdA war zeitweise das beliebte Kulturzentrum Nord in Cottbus.

Zahlreiche Wortmeldungen gab’s diesmal. Sehr ausführlich schrieb Eckhard Opitz, aus dessen Text wir auszugsweise zitieren: „Ich wohnte am Anfang der Karlstraße, brauchte also nur durch die Deffkestraße zum HdO (Haus der Offiziere), später HdA (Haus der Armee) bzw. Haus der NVA gehen. Es war auch für die ‘Normalbevölkerung’ zugänglich. Südlich dieses Hauses schloss sich der Fußballplatz vom ASK ‘Vorwärts’ Cottbus an, Ortsrivale des späteren FC Energie Cottbus. In einem nahen Einfamilienhaus wohnte ein Mitschüler von mir, sein Vater war Oberst der NVA. Ich war dort öfter zu Hause. Im HdA gab es den Kinosaal. An Wochenenden sahen wir hier Kinderfilme, pro Kind für 25 Pfennige. Am 24. Dezember war die Kindervorstellung sogar kostenlos. Sobald ich lesen konnte, war ich Dauergast in der Bibliothek. Anfangs las ich Kinderbücher, später solche zur Transistortechnik (im Bastlerladen in der Marktstraße war ich Stammkunde). 1966 hatte ich im Saal meine Jugendweihe. Das HdA bekam den Charakter eines Kulturzentrums Nord. Mit der Wende verlor das Gebäude seine Bedeutung. Jetzt ist es ein christlicher Kindergarten und das erwähnte Einfamilienhaus wird von einem Rechtsanwalt genutzt.“
Marlies Flux aus der Elisabeth-Wolf-Straße in Cottbus schwärmt: „NVA-Haus, im Keller wunderbare Tanzabende, Silvesterfeiern und Studentenfaschinge erlebt, von Baufachschule organisiert, immer mit Kapelle.“
Klaus Ahnert wohnt jetzt in Calau und schreibt: „Da ich Berufsoffizier in Cottbus war, habe ich schöne Erinnerungen an das Haus. Die zahlreichen Veranstaltungen waren kostenlos und im Untergeschoss war eine bevorzugte Gaststätte. Dort wurde manche gesellige Runde mit Mitstreitern bzw. kollektive Anlässe gefeiert.“
Dietmar Sachs, Am Teich in Cottbus, bestätigt: „Das Haus hatte im Keller eine super Bar und wurde zeitweise als Kino genutzt.“
Manfred Kunath, Cottbus, Zum Seebad, erkennt „das ehemalige Haus der NVA, jetzt zur BTU gehörend, am Platz der Einheit.“ Der Cottbuser Ramiro Lehmann hat Fakten zum HdA: „1938 eröffnet als Sport- und Feierhalle der Hochschule für Lehrerbildung. Am 15.11.1941 geweiht als Mommsen-Halle. Nach dem Krieg war es Offizierskasino und Kulturhaus der Sowjetarmee. 1953 erfolgte die Übergabe an die KVP (Kasernierte Volkspolizei). Das spätere NVA-Kulturzentrum bzw. Haus der Armee bot Tanzveranstaltungen, aber auch Kinovorführungen. Cottbuser nannten es ‘Nordlichtspiele’. Heute ist es die Johanniter-Kita ‘Campus’.
Jutta Blum vom Tulpenweg in Cottbus erinnert sich: „In meiner Kindheit wurde hier sonntags Kino gezeigt, später haben auch Bands zum Tanz gespielt. Im Keller war eine Gaststätte, da konnte man gut essen. Meine Jugendweihe fand auf der Bühne vom Kino statt.“ Auch der Cottbuser Reinhard Bormann erwähnt: „Meine Frau hatte 1970 ihre Jugendweihe dort.“ Klaus Pobig erinnert sich: „Als Studenten in den 70er Jahren waren wir dort sehr oft zum Tanzen. Es war immer toll.“
Der Cottbuser Frank Irmer ergänzt: „Die BTU nutzte das Haus nach der Wende als Teil zum Lehrgebäude 9. Der Saal wurde für Kino und andere Veranstaltungen sowie vom Staatstheater genutzt. Der Innenhof erlebte im Sommer einige Open-Air Veranstaltungen. Die heutige Nutzung als Wohnhaus und Kindertagestätte gefällt mir sehr. Auch Elke Dietze aus der Pestalozzistraße in Cottbus identifiziert das Objekt als Johanniter Kita ‘Campus’ in der Sielower Straße 14, schräg gegenüber dem Niedersorbischen Gymnasium.“ Petra Walkowiak aus Drachhausen erzählt: „Ich habe in dem Gebäude 1972 meine Jugendweihe erhalten und 1974 meinen Abschlussball der 10.Klasse gefeiert. Beides sind sehr schöne Erinnerungen an meine Schulzeit.“ An das ehemalige Haus der NVA in Cottbus erinnert sich auch der Ex-Cottbuser aus Österreich Michael Krüger.
Nicht so rosig sieht Günther Biallas aus der Cottbuser Louis-Braille-Straße den Ort: „Ich habe 1971/1972 18 Monate Grundwehrdienst auf dem Flugplatz leisten müssen. Keine schöne Zeit mit wenig Ausgang und Urlaub und viel Schikane und Drill. Wer sich heute über eingeschränkte Meinungsfreiheit beklagt weiß nicht, was Unfreiheit bedeutet. Wir waren bei Ausgängen vorwiegend in der Gaststätte ‘Zur Meise’. Einmal waren wir auch im HdA und haben uns immer ziemlich die Kante gegeben und wurden dann vom KD hochgezogen. Die Folge waren Urlaubs- und Ausgangssperre. Im HdA mussten wir beim Betreten den Ausweis abgeben.“
Lockerer sieht es Siegfried Habermann aus der Friedhofstraße in Forst: „Hallo, ich kenne das Gebäude in Cottbus noch als ‘Haus der Offiziere’, später ‘Haus der Armee’. 1964 war im Kinosaal mit Bühne meine Jugendweihe. Im Keller war eine beliebte Gaststätte und dort gab es auch oft Musik mit Tanz.“ S. Sachse mailt: „Tolle Aufführungen des Cottbuser Kindemusicals waren hier, glaube ich, die letzten großen kulturellen Signale.“
Bei Weitem nicht aus allen Zuschriften konnten wir zitieren, aber allen danken wir herzlich für ihr Interesse an den „Damals war’s“-Bildern, auch wenn Sie nicht immer Ihre mail-Maschine in Gang setzen.
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