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Montag, 7. März 1770: Briesen, das Schloss und der Landrat

Damals war´s | Von | 4. März 2022

Schloss Briesen

Das Herrenhaus wurde 1948 abgebrochen. Nur die Treppenstufen vor einem Wohnblock sind geblieben.

Dieses Datum gibt uns Gelegenheit, an eine ehrbare Niederlausitzer Familie zu erinnern, deren Wohnsitz, das Schloss in Briesen bei Cottbus, durch Krieg und Nachkrieg von der Landkarte verschwunden ist – die von Wackerbarths (deren sehr entfernte Verwandte dem bekannten Sekt den Namen gaben).
Kommenden Montag wäre der Geburtstag von Adolf Leberecht von Wackerbarth; er ist 1770 in Weißack geboren. Nach Briesen kam er durch Adoption. Hauptmann Ludwig Karl Wilhelm von Wackerbarth und seine Frau Marie Helene, geborene ­­­von Bomsdorf aus Guhrow, waren nach 40 Jahren Ehe noch kinderlos; so adoptierte der Mann den Neffen seiner Gemahlin.
Das Herrenhaus Briesen war im 16. Jahrhundert erbaut worden, ist 1750 vergrößert und dann mehrfach umgebaut worden. Adolf Leberecht, der wie sein Adoptivvater den Doppelnamen „Wackerbarth genannt von Bomsdorf “ führte, wurde 1811 Freiherr. Er heiratete Sophie von Langenn aus dem Hause Kittlitz bei Luckau. 1862 starb er. Otto Julius erbte Briesen.
Otto Julius von Wackerbarth lebte von 1823 bis 1904. Er nahm 1864 als Major seinen Abschied, war als Mitglied der konservativen Partei im Reichstag und gehörte von Standes wegen dem preußischem Herrenhaus an. Er ließ das Schloss nochmals umbauen und war wohl sehr beeindruckt von der Pücklerschen Gartenkunst in Branitz, denn er ließ bei seinem Herrenhaus einen kleinen, aber feinen Park mit einer gut funktionierenden Orangerie einrichten. Erhalten von aller Pracht sind noch wenige Treppenstufen, die von der Schlossveranda zum Park führten, und eine heute 140jährige Sumpfzypresse.
Auf Otto Julius folgte Oscar Leberecht Detlev von Wackerbarth, geboren 1862, der bis 1919 letzter „königlicher Landrat“ des Kreises Cottbus war.
Mit den Lübbenauer Lynars, zu denen es verwandtschaftliche Verbindungen gab, waren die Wackerbarths an der antifaschistischen Bewegung des 20. Juli (Hitler-Attentat) beteiligt. Das bewahrte sie nicht vor der Vertreibung nach Kriegsende. Die kommunistischen Herrscher ordneten den Abriss des Schlosses an. Später wurden hier Lehrer-Wohnungen errichtet.
Nach 1990 besuchte ein Wackerbarth-Nachkomme seine Heimat: Freiher Rüdiger Oskar Wilhelm Leberecht von Wackerbarth (1929-2021). Er erinnerte sich liebevoll seiner Schule in Cottbus (heute Paul- Werner-Schule) und schenkte der Stadt ein Porträt des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Der Briesener Wackerbarth war unter dem Künstlernamen Roger Baron ein berühmter Maler geworden, dem unter anderem Papst Johannes Paul II. und eben der sechste deutsche Bundespräsident (Amtszeit 1984-94) Modell gesessen hatten.

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