Spremberg. Blick über die Hauptspree in die Pfortenstraße. Hochwasser am 29. Oktober 1930

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Villa Kossack eingerüstet abgerissen / Trotz Hochwasser konnten die Lage genau erkannt werden
Bei dem vielen Wasser und schwer erkennbaren Gebäuden hatten wir gar nicht mit so vielen ausführlichen Zuschriften gerechnet. So schreibt Dorothea Böhrenz: „Die Aufnahme zeigt den Blick in die Pfortenstraße. Vermutlich wurde das Foto im Oktober 1930 geschossen. Große Flächen der Innenstadt bis hin zur Bergstraße standen unter Wasser. Die rechte Häuserzeile steht noch, wenn auch äußerlich etwas verändert. Der Balkon am rechten Bildrand musste bei einer Renovierung weichen. Im Erdgeschoss befinden sich heute eine Fahrschule und ein Geschäft für Bastelbedarf. Im mittleren Haus befand sich zu DDR-Zeiten ein Rundfunk- und Fernsehgeschäft, in dem man neben den Medienartikeln auch hin und wieder Waren, die selten zu haben waren, bekam. Später kauften Mütter im ‘Sandmännchen’ Kleidung für die Kinder. Heute ist ein Tattoo-Studio in den Räumen. Im dritten Haus ist heute ein Büro der Allianz-Versicherung. Schwach erkennbar sind im rechten Hintergrund die ‘Gässnerschen-Villen’, heute ein Wohnblock. Links das Haus war die Villa der Familie Jäckel. In den vermutlich 80er Jahren wurde die Villa abgerissen und das ‘Haus der Schönheit’ an die Stelle gesetzt.“
Manfred Gnida schreibt: „Seit die Spree durch Spremberg fließt, gehört rückblickend auch Hochwasser zur Stadtgeschichte. Leider konnte auch durch den Bau von Stauanlagen diese Gefahr nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Hochwasser hatte die Stadt auch in den vergangenen Jahren, so zum Beispiel am 1. August 1897, 1899, 1. März und 15. Mai 1900, 18. Juni 1926 sowie am 29. Oktober 1930 zu verzeichnen. Selbst kann ich mich noch an das Hochwasser vom 27. Juli bis 18. August 1981 erinnern, wo drei Hochwasserwellen Teile der Innenstadt überschwemmten. Straßen und Plätze, Geschäfte, Wohnungen sowie Gärten standen unter Wasser und Folgeschäden waren teilweise unvermeidbar. Zu dieser Zeit konnte man das Bild fast mit dem heutigen Rätselbild vergleichen. Der Blick geht über die Hauptspree in die Pfortenstraße und die Gebäudeansichten erinnern an frühere Jahre. So denke ich, es ist eine Aufnahme vom Hochwasser vom 29. Oktober 1930. Damals waren auch Straßen der Altstadt rund um den Pfortenplatz, der Bergstraße, am Mühlenplatz und im Schlossbezirk überschwemmt. Links erkennt man die ehemalige Villa des Tuchfabrikanten Kossack, an deren Ort durch einen Neubau die Friseur-PGH 1989/90 einen Spezial-Kosmetiksalon dort eröffnete. Im Anschluss, einer ehemaligen Tuchfabrik, war zu DDR-Zeiten eine Näherei und heute befindet sich ein Gebrauchtwarenhandel darin. Diesem Gebäude folgt das Haus der Familie Heinze. Rechts vorn, das Haus werden nur noch wenige in dieser Ansicht in Erinnerung haben. Elektro- und Haushaltswarengeschäft, später das ‘Sandmännchen’, sind daraus bekannt und heute ist ein Tattoostudio darin. Diesem Gebäude schließt sich heute ein Wohnhaus, das 1988 errichtete Fernmeldegebäude an. Alte weitere Gebäude, wie die Autosattlerei Bergmann und Häuser im Anschluss wurden abgerissen und am 6. April 1989 war die Grundsteinlegung für einen Wohnkomplex an dieser Stelle. Ganz im Hintergrund erkennt man schemenhaft die ehemalige Gaststätte Thümmel.“
Auch Helga Reichstein tippt auf das Jahr 1930 aber auf einen anderen Ort: „Ich bin zwar nicht sicher, aber tippe auf das ehemalige Gerichtsgebäude.“
Elli Nietzschmann schreibt: „Meiner Meinung nach ist, dass ein Hochwasserblick von der Spree in die Pfortenstraße Richtung Thümmels Gasthaus.“
Hans-Joachim Nevoigt ergänzt: „Ein altes Hochwasserbild vom Ufer der großen Spree aus aufgenommen mit Blick in die Pfortenstraße. Alt deswegen, weil wir viele Jahrzehnte nicht so ein Hochwasser hatten. Auf der linken Seite ist auch noch die Villa der Familie Kossack zu sehen mit Fabrikgebäude, was auch heute noch steht und genutzt wird. Als der Herr Kossack in den 1960er Jahren verstarb, ging die Witwe in den Westen. Mit dem Gebäude wusste die damalige Stadtverwaltung nicht so recht, was sie machen sollte. Obwohl das Haus schon eingerüstet war, wurde es später abgerissen. Das Fabrikgebäude wird heute noch vom Gebrauchtwarenhandel genutzt. Am Standort der Villa konnte die damalige PGH ‘Elegant’ ein Wohn- und Geschäftshaus bauen, heute GmbH. Die rechte Ecke Poststraße – Pfortenstraße gehörte mal dem Elektro-Meister Zimmermann. Beide Häuser wurden durch ihn zum ‘Weißen Elektrohaus’ hergerichtet. Auf dem Vorderhaus gab es sogar eine Leuchtreklame. Im Erdgeschoss viel Laden- und Verkaufsfläche. Die Eheleute gingen auch in den Westen. In diesen Räumen war das erste HO-Geschäft in Spremberg. Dann der Laden ‘Sandmännchen’ – Kinderbekleidung. Heute Bastlerbedarf und Tätowierungen. Der Hausbestand nach dem hohen Haus mit dem Satteldach – alles abgerissen zugunsten des Plattenbaus. Da gab es mal eine Autosattlerei Willi Bergmann und eine Gärtnerei Schönfeld.“