Spremberg: Am Gasthaus wurde geschmiedet

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Das „Hotel zur Post“ wurde zu DDR-Zeiten zur HO-Gaststätte mit Intelligenzclub und Milchbar.

Strittmatter-Brüder waren zur Wiedereröffnung der „Zur Post“ 1990 dabei:
Das Umzugsbild geriet versehentlich noch einmal in diese Rubrik. Unsere Frage zielte diesmal jedoch nach dem Eckgebäude im Hintergrund. Es handelt sich natürlich um das heutige Restaurant und Hotel „Zur Post“. Zu Zeiten der Aufnahme – es war bekanntlich der 700-Jahre-Festumzug 1971, war das Restaurant schon zwangsweise in die HO (Handelsorganisation) aufgenommen. 1960 wurden die privaten Betreiber Elisabeth und Otto Hasse dazu „überredet“. Auch das Konzept wurde geändert. Von nun an gab es mal einen Gaststättenbetrieb, mal eine Milchbar, mal traf sich der Intelligenzklub oder wurden gar Sportartikel verkauft. Erst mit der Wende konnte die Familie Hasse der HO kündigen und die alte Familiengaststätte wieder übernehmen. Chefin war nun Rosemarie Hasse, geborene Belka. Ein Jahr später, am 29. April, eröffnete das Gasthaus „Zur Post“ mit einer großen Feier, bei der auch der berühmte Schriftsteller Erwin Strittmatter und sein Bruder Heinrich dabei waren. Es folgten umfangreiche Investitionen in den betagten Bau, der seine Wurzeln im 19. Jahrhundert hat. Denn schon um 1850 soll an dieser Stelle ein Gasthaus mit Schmiede entstanden sein. Die Kombination war damals durchaus sinnvoll. Die Reisenden waren mit Pferdekutschen oder reitend unterwegs. An den Gasthäusern mit Schmiede konnten sie nicht selten verlorene Hufeisen erneuern lassen. Stallungen oder zumindest Stellplätze für die Pferde waren also damals sicher ebenso an dieser Stelle eingerichtet. Noch vor der Jahrhundertwende, um 1870, hatte die Besit­zerin, eine Frau Schönfelder, das Haus als Wohnhaus mit Gaststätte umbauen lassen. Richard Röhle aus Daubitz bei Rietschen erwarb um 1900 das Haus, 1910 ist der Name „Res­taurant Richard Röhle“ dokumentiert. Bei einem Überfall in der Ratsheide kam der Wirt 1945 ums Leben. Otto Franke, der ehemalige Wirt des „Schmalen Handtuches“ in der Schloßstraße, pachtete die Gastronomie für fünf Jahre, bevor sie 1950 in Familienbesitz der Eheleute Hasse überging. Heute ist sie in den erfolgreichen Händen von Toralf und Gunnar Hasse.