
Mit der Stadtbahn nach „Glück auf“ in Algier
Einige Leser haben unser Motiv erkannt. Monika Wagschal hatte ganz persönliche Erinnerungen zu erzählen: „Man sieht auf dem Bild die Einrichtung der ehemaligen Großhandelsgesellschaft Obst/Gemüse/Speisekartoffeln, auch mit GHG OGS abgekürzt. Im Hintergrund sieht man die Karl-Marx-Straße und die Trattendorfer Straße, von da ging es direkt in die Waldstraße, in der ich gewohnt habe.
Wenn man genau hinschaut, sieht man in der Bildmitte ein kleines Dach. Das war der Taubenschlag meines Vaters. Er war Sporttaubenzüchter und besonders im Sommer verbrachte er viel Zeit mit seinen knapp 100 Tauben.“
Dieter Herrmann schrieb uns: „Das Grundstück gehörte vor dem II. Weltkrieg den Tuchfabrikanten Michelsohn & Ascher und die Rudolf-Axen-Straße nannte sich damals Schlesische Straße, wie sie auch nach der Wende wieder heißt. Auf diesem Betriebshof war auch die Transportgemeinschaft Handel (TGH) ansässig, in der ich einige Jahre tätig war.
In dieser Gegend wohnten überwiegend Beschäftigte des ehemals bestehenden Kraftwerkes Trattendorf, aber auch des Braunkohlentagebaues Spreetal. Es wurde dann Ende der 90-er bis in die jüngste Vergangenheit großzügig saniert.
Am rechten oberen Bildrand ist sehr gut die Michaelis-Kirche zu erkennen. In der nahen Kleingartenanlage hatten meine Großeltern, direkt hinter der 1947 noch nicht vorhandenen Lagerhalle, einen Garten. Bei einem Besuch mit meiner Mutter dort, es war ein sonniger Tag, kehrte mein Vater aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Da Spremberg in Schutt und Asche lag und er nicht wusste, ob wir noch leben und wo wir zu finden sind, vermutete er uns tatsächlich im großväterlichen Garten. Ich hatte bis dahin keine Erinnerung an meinen Vater, bedingt durch seine frühzeitige Einberufung. Ein Moment – unbeschreibbar.“
Manfred Gnida bestätigt die Erinnerungen an viele Details des Geländes und fügt hinzu „Diese Siedlung wurde als ‘Glück auf’ bezeichnet. Die verlängerte Schlesische Straße führte an den Gärten der Gemeinschaft ‘Eigener Aufbau’ durch die bekannte Michelsonschlucht hinauf zum Neudorfer Weg. Von einer Anhöhe dazwischen, etwa auf Höhe der Gärtnerei Jahr, könnte die Aufnahme enstanden sein.
Eine ganz andere Bezeichnung für das Wohngebiet hat Hans-Joachim Nevoigt in Erinnerung: „Das Viertel wurde auch ‘Algier’ genannt. Der Schlesische Hof, heute voll bebaut mit schönen Eigenheimen in ruhiger Wohnlage, war nach dem Krieg ein großer Gewerbehof. Bis auf diesen Hof fuhr früher auch die Stadtbahn mit der Braunkohle für den Textilbetrieb.“
Wahrscheinlich hat Manfred Gnida Recht, wenn er präzisiert: „Die Siedlung am Knappenweg wurde ‘Glück auf’ genannt, das gesamte Südende der Stadt als ‘Algier’ bezeichnet.“ Vielleicht war die südliche Lage am namen Schuld. Ein bisschen Sehnsucht schwang wohl mit. Auf jeden Fall findet er, wie die meisten, dass es sich heute um eines der schönsten Wohngebiete Sprembergs handelt.







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