
Unser Dank gilt Ulrich Müller, der uns das Rätselbild zur Verfügung gestellt hat. Obwohl es ziemlich schwierig war, haben wir doch einige sehr ausführliche Zuschriften erhalten.
Manfred Gnida schrieb uns: „Heute noch sind viele Gassen in der Stadt zu finden, deren Namen den einst dort ansässigen Gewerben zugeordnet werden können. Beispiele sind die Seilergasse, die Badergasse, die Färbergasse, die Brauhausgasse und die Jägergasse, um nur einige zu nennen.
Auch die abgebildete ehemalige Kupfergasse erhielt den Namen einer einst dort befindlichen Kupferschmiede. Die Kupfergasse war die Verbindung vom Markt zur Jägergasse. Schon 1925 plante die Stadt eine Verbindung zum Bahnhof, und so begannen die ersten Schachtarbeiten für dieses Vorhaben am 3. Mai 1926, und am 4. August 1928 konnte die Straße bis zur damaligen Hindenburgbrücke übergeben werden.
1933/34 wurden die Häuser in der Kupfergasse abgerissen, und erst nach dem Durchstich der Straße zum Bahnhof erfolgte die Nutzung. Also da, wo vor 1932 noch die Kupfergasse den Markt erreichte, befindet sich seit 1933 die heutige Bahnhofstraße. Zunehmendes Verkehrsaufkommen machte schon damals eine Verbreiterung der Gasse notwendig, denn schon die Hindenburgbrücke, heute Bahnhofsbrücke, war doppelt so breit wie die Kupfergasse. Bevor der Durchstich der Straße zum Bahnhof erfolgte, war ja die Kupfergasse eine Sackgasse.
Markante Gebäude in der Kupfergasse waren das heute noch rechts befindliche Blumenhaus Winkler und linksseitig das Eckhaus am Markt vom Café Marx. Kriegseinwirkungen zerstörten 1945 den größten Teil der Häuser am Marktplatz, aber das Gasthaus Winkler an der Ostseite des Marktplatzes überstand den Krieg.
Straßen- und Wohnungsbau veränderten später das gesamte Bild am ehemaligen Ende der Kupfergasse, und Bauten in der Jägergasse machten ebenfalls einen Abriss von Gebäuden notwendig. Erinnern kann ich mich noch an das kleine Haus am Bildanfang rechts, denn daran konnte man lange Zeit die Werbung ‘Blick in die Welt durch Friedrichshainer Glas’ lesen. Leider gehört dieses Werk, welches auch mit seiner Bildschirmproduktion einst Ruhm erlangte, genau wie die Kupfergasse, zur Geschichte.“
Ella Liedtke ergänzt: „Hinter dem Zaun links befand sich eine Brauerei-Niederlassung, in der sich auch die Klempnerei Lehmann befunden hat.“ „Der Zaun gehört zum Grundstück Klaunig, früher Kern’s Brauerei“, so Hans-Joachim Nevoigt. Und Frau Liedtke schreibt weiter: „Von den Häusern linker Seite gehörte das erstere, kleinere der Familie Behnke und im daran anschließenden wohnte Lehrer Kossack mit seiner Mutter. Das große Haus mit der Fahne ist Blumen-Winkler. Im Eckhaus links zum Markt hin war der Friseur Greischel. Im gleichen Haus zur Kupfergasse war der Optiker Wichmann.
Auf der rechten Seite, wo der kleine Zaun davor ist, war früher der Schuhmacher Neugebauer. Am Ende der rechten Straßenseite war das Café Marx.
Wenn man heute die großzügig angelegte Bahnhofstraße ab Markt ansieht, kann man sich schwer vorstellen, wie die Kupfergasse früher ausgesehen hat. Ich kenne sie auch nur aus meiner frühesten Kindheit.“
Hans-Joachim Nevoigt weiß: „Das Bild von Ulrich Müller in dieser Woche zeigt die Mündung der Neuen Straße (einst Hindenburgstraße, später Straße der Jugend und später Bahnhofstraße). Die Fahnen sind alle noch Schwarz-Weiß-Rot aus der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Die Farben Schwarz und Weiß kamen aus der Preußischen Geschichte, und die Farbe Rot kam aus der Weimarer Zeit hinzu.“
Einige Verwirrung dürfte bei so manchen Sprembergern der Turm am Ende der Gasse gestiftet haben, denn es handelt sich hier nicht um den Rathausturm, wie uns Dieter Herrmann erzählt: „Das Bild müsste zwischen 1900 und 1915 aufgenommen sein, weil hier noch der Turm zu sehen ist, der sich direkt über dem Haupteingang des Rathauses befand. Er war zwar deutlich kleiner, überragte aber trotzdem deutlich die anderen Dächer. Vom Bierkeller der Brauerei-Niederlassung habe ich gehört, dass dieser im Krieg als Luftschutzkeller genutzt wurde. Der Zaun links steht übrigens heute noch.“
Und Helga Reichstein ergänzt: „Wenn ich mich nicht irre, wurde damals im Zug des Straßenausbaus auch die Spree umgeleitet.“
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