
Jahr der Aufnahme kann nur vermutet werden. Getippt werden die Zwanziger Jahre: Zahlreiche Zuschriften kamen zum Rätselfoto der Ausgabe 42, welches zunächst nicht erraten wurde. Manfred Gnida schreibt: „Es ist schon eine sehr alte und historische Aufnahme. Auf diesem kurzen Straßenteil herrschte aber ein zahlreiches Geschäftsleben. Der Blick geht von der Forster Brücke die Forster Straße (heute Georgenstraße) entlang in Richtung Marktplatz. Die Straße war früher, als die Bahnhofstraße noch nicht gebaut wurde, ein Hauptverkehrsweg Richtung Osten aus der Stadt hinaus und gleichzeitig ein Verbindungsweg zu dem ab 1828 belegten Georgenbergfriedhof und heutigen Stadtpark. Beginnt man mit dem rechten Straßenzug hinter der Brücke und Einmündung Pfortenstraße mit den Geschäften, so befindet sich dort eine Traditionsfleischerei, die es heute noch namentlich gibt. Es ist die Fleischerei Kadach. Damals schloss sich hier das Tabakwarengeschäft Arthur Schlegel an. Nach seinem Tod nutzte nach meiner Kenntnis die Fleischerei die Räumlichkeiten als Kühlraum. Dahinter war ein Haus, das dem Fleischermeister Karl Schulze gehörte. Hier schloss sich die Bäckerei Scharf, später Kießig an, gefolgt von der Farbenhandlung Emil Schmeisser, welche auch kurzzeitig auf der anderen Straßenseite ansässig war. Die Brauhausgasse zweigt noch zwischen den anderen Gebäuden ab und man gelangt zu einem Haus,
der Bäckerei und Café von Reinhold Nowka. Diese Lokalität war sehr beliebt und besonders gern besucht auch von den Soldaten der einstigen Spremberger Garnison. Der Volksmund nannte das spätere „HO Stadtcafé“ auch „Café Röckchenhoch“. Herr Nowka vergrößerte damals sein Café, indem er einen Tanzsaal in das alte Haus einbaute. Der gesamte Komplex mit Backstube zog sich die Seilergasse entlang bis zur Badergasse. Der Friseur Franz beendete meines Wissens diesen Straßenteil und Neubauten ersetzten den Teil vom ehemaligen Cafe bis zum Markt. Auch die andere Straßenseite sorgte einst für ein zahlreiches Geschäftsleben. So befand sich links die Tischlerei und Möbel-Magazin der Gebrüder Weidling und darin befand sich auch ein Geschäft von Marie Rutsch. 1935 übernahmen die Gebrüder das Geschäft von Hermann Standke, einem Tischlermeister und Innenarchitekten, der leider nicht mehr aus dem Krieg kam. Im Krieg wurde auch dieser gesamte Straßenzug zerstört und in den Restgebäuden der Tischlerei arbeitete bis 1986 der Polsterer Fruhner. Erinnern kann ich mich auch an Georg Fillauer, der auch mit einem Rundfunkgeschäft hier tätig war. Während des Brückenbaus war die Firma Holzmann sowie auch Emil Schmeisser Farben & Lacke in der Firma Weidling und in das Geschäft von Frau Rutsch zog später Carl Mros mit Buchdruckerei, Papierwaren, Musikalien und Tabakwarenhandel hier ein. Einst befand sich ehemals das Hotel „Drei Kronen“ mit guter Bedienung, annehmbaren Preisen und Rheinischen Weinstuben sowie das Hotel „Deutsches Haus“ auf dieser Straßenseite. In den Ruinenresten befand sich später viele Jahre die Fahrradhandlung Feiertag. 1964/65 erfolgte nach Beseitigung der Ruinen eine Neubebauung dieses Straßenzuges und es entstand ein Neubaublock, welcher damals für die Bewohner des devastierten Dorfes Gosda bestimmt war.
Werner Lehmann schreibt: „Alle hier stehenden/abgebildeten Häuser sind erst nach dem Großbrand anfangs des 18. Jahrhunderts entstanden und unterlagen einer ständigen Veränderung und Besitzerwechsels. Im April des Jahres 1945, durch Kriegseinwirkung wurde alles sinnlos zerstört, und man begann danach wieder, unseren Stadtkern einem kleinstädtischen Stil zu neuem Leben zu erwecken.“
Helga Duschka rief an: „Es muss ein ganz altes Bild sein, denn ich kenne diese Straße aus den 30er-Jahren, da waren aber andere Geschäfte dort. Auch solche Garderobe gab es zu meiner Zeit nicht mehr. In meiner Kindheit in den 30er-Jahren erinnere ich mich an folgende Geschäfte. Auf der rechten Seite die Fleischerei Kadach, die
Bäckerei Scharf, dann die Fleischerei, dann Farben-Schmeißer, dann Café Nowka, Möbel Fiedler, eine Fischhandlung Kappler und auf der Ecke Tullick – da gab es alles für den Haushalt, billiges Spielzeug, alles sehr günstig, da sind die Eltern gern reingegangen. Links: Erst die Tischlerei Weidlich, dann ein Musikgeschäft Mros, der auch eine kleine Druckerei hinten hatte. Dann kam Petrolloeum-Bänkchen. Das wurde so genannt, weil es dort Schnäpschen gab. Dann folgte ein Gardinengeschäft und dann das große Einheitsgeschäft mit vier großen Schaufenstern. Ein Laden, wo es alles gab von Stoffen bis Spielzeug, auch Fahrräder. Sehr beliebt, weil alles sehr billig war. Dann kam der Fahrradladen Feiertag. Und dahinter ist schon der Markt.“
Auch Werner Schmidt ist die Straße sehr gut bekannt: „Ich kenne noch die alten Geschäfte, auch die große Tuchfabrik von Levy ist in der Straße, das Café Nowka zum Markt zu, Firma Feiertag hatte dort ein Fahrradgeschäft. Rechts ist die Fleischerei Kadach heute zu finden“.
Dorothea Böhrenz vermutet: „Das Bild müsste wahrscheinlich zwischen 1920 und 1930 entstanden sein, vielleicht sogar noch eher.“
Wir danken allen Spremberger Ratefreunden,
Gewonnen hat Helga Duschka.
Herzlichen Glückwunsch!







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