Spremberg: Stoffladen war der „Rheinische Hof“

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Blick aus dem Hotel „Zur Börse“ auf das Hotel „Zum Rheinischen Hof“ an der Kreuzung Geschwister Scholl- und Karl-Marx-Straße

Gut bekannte Geschäfte an der Bautzener / Ecke Wilhelmstraße:
Zugegeben, die Lösungsvorschläge waren etwas verwirrend, denn das Foto wurde aus dem zu suchenden Hotel aufgenommen, wie die meisten Rätselfreunde herausfanden. Hannelore Hauptvogel erzählt am Telefon: „Es handelt sich um die Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße und Karl-Marx-Straße. Der Fotograf muss mit dem Rücken zum Hotel gestanden haben. Hätte es damals schon Selfies gegeben, hätte man es gesehen. Links das helle Gebäude war der Industriehandel. Rechts war meinerzeit die Bäckerei Huhn, später wurde daraus der Delikat. Nach der Wende war ein Brillengeschäft in dem Laden und heute das Modehaus Sole mio.“
Hans-Jürgen Klammer ergänzt zum Haus des Bäckers Huhn: „Im Obergeschoss hatte Dr. Haase seine Praxis. Die Aufnahme scheint noch nicht so alt zu sein, denn es ist eine Verkehrsampel zu sehen, und so lange ich in Spremberg Busfahrer war (bis 1964), gab es dort keine.“
Doch ein Haus auf dem Foto war doch ein Hotel, wie Ingeborg Kanisch weiß: „Links ist das Hotel ‘Zum Rheinischen Hof’ zu sehen. Ich hab das gestern extra mit meiner Schulfreundin besprochen. Besitzer war ein Herr Block – das ‘Bettenhaus Block’ war unten und oben die Hotelzimmer. Links befand sich ein Eingang zur Zimmervermietung. Das ging bis 1945 so, dann übernahmen zwei Brüder das Haus, es waren Flüchtlinge mit den Namen Kaderneck, die für einige Jahre ein Schneideratelier betrieben. Danach zu DDR-Zeiten zog der Industrieladen ein und es wurden reichhaltige Stoffe verkauft mit kompetenter Bedienung. Damals war das Angebot der Konfek-tion noch gering, so dass man hier seine Kleidung anfertigen ließ. Später befand sich hier die Firma Domula, ein Elektrowarengeschäft. Als der rausging, wurden hier Geschenkartikel und Kunstgewerbe verkauft.
Gegenüber handelt es sich um Haus des Bäckermeisters Huhn, die Backstube befand sich auf dem Hof. Zum Geschäft gehörte ein kleines Café, wo im Sommer auch Eis verkauft wurde. Das hat sehr gut geschmeckt.“
Norbert Fertig schätzt das Aufnahmedatum auf die 60er- oder 70er-Jahre und Manfred Gnida verweist auf die damaligen Straßennamen: „Früher war es die Bautzener Straße, zwischenzeitlich Friedrich Ebert und die ehemalige Wilhelmstraße. Etwa 1967 war im Haus des Bäckers Huhn ein Delikatgeschäft, wo DDR-Bürger Waren gehobener Qualität erwerben konnten.
Erinnern kann ich mich noch an die Verkehrsampelanlage, sie sollte damals für einen besseren Verkehrsfluss sorgen, aber leider war das Gegenteil das Ergebnis. Nach kurzer Einsatzzeit folgte der Abbau. Nicht abgebildet ist das etwa 1928 errichtete ‘Hotel zur Börse’ sowie das im linken Gebäude, der damaligen Friedrich-Ebert-Straße 90 befindliche Hotel ‘Rheinischer Hof’. Das ehemalige ‘Hotel zur Börse’ beherbergt nach langem Leerstand heute ein Hostel.“
Zum Fernsehladen Domula erzählt Carsten Zimmermann: „Meine Eltern haben bei Domula ihren ersten Fernseher gekauft, ein Rafener, mit zwei Kanälen. Wir haben ja eh meist draußen gespielt, ich kannte alle Jungs in meinem Alter in der näheren Umgebung.“
In die Zeit von Bäckermeister Huhn entführt Dorothea Börhenz mit einem Zitat aus dem Heimatkalender 2010: „1878 kaufte der Bäckermeister Hermann Huhn das Grundstück, damals hieß es Bautzener- Ecke Wilhelmstraße, von Bäckermeister Reinhold Jonas. Dieses Bäckereigeschäft war ein einstöckiger Flachbau. 1929 wird das Haus umgebaut und wenige Jahre später durch zu einem mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftsaus ausbaut, 1937 war es fertig, ‘38 feierte man 60 Jahre Bäckerei Huhn. Damals ein schöner Werbespruch: ‘Zu jedem Schmaus – Huhns Gebäck ins Haus’. Dieses Geschäft wurde bis 1967 als Bäckerei geführt, allerdings später von Bäckermeister Mikitta.“
Vielen Dank auch allen anderen Rätsellösern. Ein historisches Bild im Holzrahmen gewinnt diesmal Frank Schüttenhelm. Herzlichen Glückwunsch!