Spremberg: Tausend Kindheitserinnerungen wach

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Die gelbe Villa war einst ein Kindergarten, an den sich noch viele Spremberger gut erinnern

Wiesengasse-Foto zeigt den Platz hinter der Freilichtbühne:

Barbara Krüger schreibt: „Zu dem Foto kann ich folgendes berichten: Es handelt sich um den Platz an der Spree unweit der Freilichtbühne. Den Namen kenne ich leider nicht. Dieser wird  unter anderem als Parkplatz genutzt. Heute stehen dort  drei Würfelhäuser und einige Einfamilienhäuser. Ein Teil des Platzes vorn zur Forster Straße zu wurde auch als Ersatz – Bushaltestellen im Zuge der Umgestaltung des Busbahnhofes genutzt. Und jährlich auch für Fuhrgeschäfte zu den Spremberger Heimatfesten. Auch befand sich in der Wiesengasse ehemals der Schulgarten der damaligen Karl-Marx-Schule, heute Strittmatter Gymnasium, wo wir als Schüler öfters verweilten. Es stand dort auch mal eine Villa, wo heute ‘Backwerk’ und andere Büros sind. Damals in den 50er-Jahren hatte Dr. Schmutzler dort sein Domizil, später Dr. Wriedt und auch der Orthopäde Dr. Pissarek. Wahrscheinlich wurde diese Aufnahme von Richtung Freilichtbühne gemacht und zeigt einen Teil der Wiesengasse mit dem Eckhaus Forsterstraße / Bergstraße, welches seit ein paar Jahren zu altersgerechten Wohnungen umgebaut und saniert wurde. Früher war das Lebensmittelgeschäft Raffelt in diesem Eckhaus. Als Kinder sind wir regelmäßig dort einkaufen gewesen. Die Häuserzeile mit der Ruine war die Firma Knofius.  Im Krieg wurde sie ausgebombt. Nur noch das Wohnhaus war einigermaßen erhalten. Die Witwe Frau Knofius hatte drei der darin befindlichen Wohnungen u.a. eine davon an  meine Eltern vermietet. Und wir wohnten dort einige Jahre. Ich wurde in diesem Haus 1952 geboren. Ein Vulkaniseur war ebenfalls dort mit auf diesem Grundstück ansässig. Später entstand ein Kindergarten aus diesen Ruinen. Daneben die Villa war das Spremberger Kinderheim, bis es später als Kita umgebaut und auch heute noch genutzt wird.  Meine Schilderungen beruhen hauptsächlich auf Erzählungen meiner verstorbenen Eltern“.
Lutz Kellner schreibt: „Das Nachkriegsspremberg ist natürlich fest in den Köpfen der damals dort lebenden Menschen eingespeichert. Die Stadt voller Ruinen, wenig Geschäfte und die meist auch als Provisorien hergerichtet. Schwere Lebensumstände in jeder Beziehung. Beim Betrachten des dieswöchigen Fotos von der Wiesengasse gehen 1000 Kindheitserinnerungen durch meinen Kopf. Für heute Undenkbares und hoffentlich nicht Wiederkehrendes. 1953 war ich neun Jahre alt. Das Foto wird eher aufgenommen worden sein. Wem die markante Villa rechts auf dem Bild gehörte, weiß ich nicht. Aber man kann davon ausgehen, dass das unsere Hobbyhistoriker wissen. Also, 1953, da wurden diejenigen geboren, die nun seit 63 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen können. Ich wusste da schon viele Jahre wie in selbstgekochtem Sirup eingetauchtes Brot und Kartoffelschalen gekocht schmecken. Nun zu den Geschehnissen bezüglich der Villa in der Wiesengasse. Meine Mutter nahm trotz dreier Kinder eine Arbeit in der Eisengießerei auf. Da in Kochsdorf kein Schulhort existierte, wurde ich nach der Stadt in die damalige Karl-Liebknecht-Schule umgemeldet. Das bedeutete für mich, neunjährig täglich den Bruder zum Kindergarten auf dem Schomberg bringen, von dort weiter zur Schule gehen. Nach dem Unterrichtsende ging ich zur Wiesengasse, wo in besagter Villa der Hort untergebracht war. Trotz teilweiser Ruine faszinierten mich als Kind schon die edlen Räume, die als Sonnenschutz ausstellbaren Jalousien und die Spielgeräte außen. Allerdings habe ich z. B. auch eine Erinnerung, dass es zu Mittag weiße Bohnen zu essen gab und dass die einfach nicht hinunterrutschten. Die strenge Frau Weber (ich glaube, man sagte damals zu den Hortnerinnen oder Kindergärtnerinnen Tante) bedeutete mir, dass ich so lange am Tisch zu bleiben hatte, bis der Teller leer sei. Die Bohnen im Mund wurden immer mehr und ich saß bis zum Heimgehen vor dem Teller, was sich eben bis heute einprägte. Nach Beendigung des Horttages lief ich wieder zum Schomberg um meinen Bruder abzuholen und weiter nach Kochsdorf. Das musste mir beim Ansehen des Bildes mal wieder deutlich vor dem Gedächtnis und den Augen erscheinen. Gar nicht erklären kann ich mir den auffällig roten Gegenstand in der Georgenstraße. Von dort weiter rechts bis zur Einmündung der Wiesengasse gedacht befand sich die Arztpraxis Dr. Schmutzler. Dort standen in den Nachkriegsjahren die Patienten im Wartezimmer, im Flur und bis außen. Ich erinnere mich, dass mein Vater dort, es könnte gegen Mittag gewesen sein, zur Sprechstunde ging und etwa um Mitternacht nach Hause kam. Und ich glaube ihn sagen gehört zu haben, dass der Doktor ohne Morphium nicht über 20 Stunden praktizieren können würde. Also eben, Damals war´s.“
Helga Franke schreibt: „Zu sehen ist die ehemalige Wiesengasse. In der gelben Villa waren 1961 unsere zwei Söhne gut betreut im Kindergarten ‘Grete Walter’ glaube ich. Es wurde alles abgerissen, für den großen Wohnblock und Geschäfte, heute noch vorhanden. Links das große Haus ist heute die Volkssolidarität, Wohnungen und soziale Einrichtungen. Auch der Platz wurde schön als Parkplatz hergerichtet und war vorübergehend Busbahnhof als dieser neu gebaut wurde am Engelsplatz.“
Gisela Mildner schreibt: „Ich traute es mir aus dieser Höhe in der Gondel sitzend beim Heimatfest die Stadt Spremberg zu betrachten. Das Wiesengasse -Foto ist schon Jahrzehnte alt, Kriegszerstörungen sind noch sichtbar. Das erste Haus rechts war über Jahre als Ursula Götze Kinderheim bekannt. Lisa Anton war als Heimleiterin jahrzehntelang liebevoller Ersatz, wo sich die Kinder geborgen fühlen konnten“.
Uwe Heuer weiß: „Das gelbe Gebäude auf dem Rätselbild könnte die Sinapius-Villa sein. Der freie Platz ist der Platz hinter der Freilichtbühne. Unsere Familie ist 1960 aus Hamburg nach Spremberg gezogen. Ich bin als Vierjähriger dort in den Kindergarten „Grete Walter“, Wiesengasse, gegangen. Gegenüber geht es in die Bergstraße hinein. Dort hatten wir damals gewohnt. Später, als ich bei der Stadtverwaltung arbeitete, half ich manchmal dem Hausmeister, der die Kohlen per Pferdefuhrwerk zum Kindergarten brachte. Das Fenster zum Kohlenkeller lag sehr hoch, die Kohlen mussten also mühsam nach oben geschaufelt werden, dabei half ich ihm. Das war eine schöne Ecke von Spremberg.
Gewonnen hat Uwe Heuer. Herzlichen Glückwunsch!