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Vereidigung in Spremberg

Das Foto von Richard Ploß führt uns diesmal in die Militärgeschichte Sprembergs. Manfred Gnida schrieb: „Militärgeschichte schrieb auch die Kaserne in Spremberg, und als Garnisonsstandort wurde die Stadt bekannt. Viele Höhepunkte im militärischen Ablauf wurden dabei zu dieser Zeit auch feierlich begangen. Paraden zum 1. Mai und zum Tag der NVA am 1. März waren immer ein historischer Höhepunkt in der Stadt. Der erste Jahrestag der NVA wurde ja schon am 1. März 1957 feierlich begangen. Auch Vereidigungen der Soldaten waren Höhepunkte in der Stadt. Am 24. Januar 1962 wurde das Gesetz zur allgemeinen Wehrpflicht in der DDR wirksam, und die ersten Wehrpflichtigen wurden am 4. April 1962 eingezogen. Meiner Meinung nach könnte das historische Foto auf dem Marktplatz bei der Vereidigung der Soldaten aus dem Jahre 1962 entstanden sein. Gut kann ich mich an die Gebäude an der Ostseite des Marktplatzes erinnern. Man erkennt am rechten Bildrand auch Bautätigkeiten an der Ecke Bahnhof-/Schlossstraße. Hier erfolgte 1962 die Grundsteinlegung für das Wohn- und Geschäftseckhaus, dessen Fertigstellung am 6. April 1964 erfolgte. Das Haus war auch der erste Neubau nach dem Krieg am Markt. Der Abriss der letzten nach dem Krieg erhalten gebliebenen Häuser auf der Ostseite des Marktplatzes erfolgte 1967. Im Vergleich aller Daten könnte ich mit meiner Meinung, es handelt sich um die Vereidigung der Soldaten des Panzerregimentes 14 aus dem Jahr 1962, richtig liegen. Heute hat die Ansicht des Marktes ein neues Bild und nichts erinnert mehr an die Zeit dieser Aufnahme. Die Laterne wurde erneuert, da, wo einst Winklers Bierstuben, der angrenzende Milchladen, der große Parkplatz und die Gebäude in der Jägerstraße standen, erstreckt sich heute das City-Center und neue Wohnblöcke.
Das Panzerregiment 14 fand sein historisches Ende, als die Truppenfahne im September 1990 in das Militärarchiv Potsdam kam und am 18. Juni 1992 ein letzter Appell in militärischer Form in der Kaserne erfolgte. Viele Erinnerungen an diese Kaserne, die es leider auch nicht mehr gibt, habe ich persönlich, da meine Dienstzeit hier erfolgte.“
Dieter Herrmann ergänzte diese Erinnerungen: „Das Bild zeigt die öffentliche Vereidigung junger Wehrpflichtiger, die ab dem Jahr 1962 zu den der NVA gehörenden Verbänden einberufen wurden. Im gesamten Umfeld dieser Einberufung und militärischen Vereidigung ergebende Situation legte man von DDR-staatlicher Seite großen Wert darauf, dass breite Schichten der Bevölkerung, Vertreter des öffentlichen Lebens und der arbeitgebenden Betriebe der Wehrpflichtigen, daran teilnahmen. Im konkreten Fall dürfte es sich um die Vereidigung von Angehörigen des 14. Panzerregimentes der 7. Panzerdivision handeln.
Auch ich gehörte zu den „Betroffenen“ am 5. Mai 1962. Nach einer gewissen Grundausbildung war man nach dieser Zeremonie entsprechend dem Fahneneid militärischen Gesetzen und Rechtssprechung unterworfen. Erinnert sei an den Begriff ‘Fahnenflucht’. Wie im Bild deutlich zu erkennen, wurde dann der Marktplatz für dieses militärische Zeremoniell eigens für die öffentliche Nutzung gesperrt, natürlich unter Aufsicht und Kontrolle der Stasi. Wie im unteren Bildrand erkennbar, wurden Kampftechnik der waffentypischen Regimenter bzw. Truppenverbände präsentiert und aufgefahren, die Staatsflagge sowie die Regimentsfahne gehörten ebenso dazu. Wenn ich mich recht erinnere, wurde im Anschluss an die Vereidigung den Wehrpflichtigen Ausgang gewährt.“