Spremberger Schlachthof an der Berliner Straße schrieb Handwerksgeschichte

damals110827_spbSprembergs Fleischer bauten sich Schlachthof / Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde der Schlachthof 1888 eröffnet / Bis 1992 wurde hier geschlachtet
Fleischermeister Werner Kadach schreibt uns: „Das heutige Foto zeigt den Schlachthof Spremberg, so wie er 1889 fertig gestellt wurde. Er wurde als einer der wenigen in Deutschland errichteten Schlachthöfe, von der Fleischerinnung gebaut, da die Stadt ihn nicht finanzieren konnte. Mit seiner Eröffnung bestand Schlachthofzwang. Das bedeutete, das ab sofort nicht mehr in den kleinen Betrieben im Stadtgebiet geschlachtet werden durfte. 1930 wurde der Schlachthof umfangreich modernisiert. Dabei wurde das rechte Gebäude umgebaut und erhielt ein Flachdach, wie heute noch zu sehen ist. 1943 wurde der Schlachthof auf Regierungsbeschluss der Stadt übertragen. Bis 1957 wurde er von den Spremberger Fleischern und der Konsumfleischerei genutzt. Im Hintergrund sehen wir das Kühlhaus, in welchem die Fleischereibetriebe die geschlachteten Tierkörper als auch ihre selbst hergestellten Fleisch- und Wurstwaren in gemietete Zellen lagerten. Das große Gebäude an der Berliner Straße wurde vom Betriebsvorsteher und den Veterinären genutzt, darüber waren einige Wohnungen. Bis 1945 gab es in Spremberg nur zwei Fleischereien mit eigenen Kühlräumen. 1957 wurde der Schlachthof vom VEB Schlachthof Forst übernommen und eine Schlachtung vom Band eingerichtet. Das Ende unseres Schlachthofs wurde 1992 besiegelt. Die Schlachthöfe Forst und Spremberg waren technisch und hygienisch überfällig, die Konkurrenz zu stark.“
Manfred Gnida schreibt: „Ein Foto, dessen Gebäudekomplex mit seinen Produktionserzeugnissen in der Berliner Straße Nr. 7 ein Kapitel der Stadtgeschichte ist. Der Blick zeigt den ehemaligen Schlachthof mit seinen schön verzierten Klinkerbauten. Ein explodierender Bevölkerungszuwachs und den dadurch benötigten Bedarf an Fleisch sollte der Versorgung gerecht werden. So wurde 1886 ein Beschluss für eine industrielle Produktion gefasst. Nach damaliger Besichtigung eines Schlachthofes in Sagan, heute Polen, begann am 4. Juni 1888 der Bau eines modernen Schlachthofes in Spremberg durch die Baufirma Mittag. Finanzielle Mittel der Stadt wurden nicht bereitgestellt, und so gaben die Meister der Fleischerinnung selbst den Auftrag für den dringend benötigten Schlachthof. Feierlich mit Festumzug und großer Anteilnahme der Bevölkerung erfolgte am 17. Februar 1889 die Inbetriebnahme. Ständig erfolgten Um- und Erweiterungsanbauten, um technische Neuheiten in den Produktionsprozess einzubinden. 1912 erhielt der Schlachthof auch ein Gleißanschluss, so dass das Schlachtvieh auch mit der Bahn transportiert werden konnte. Hohe Auslastung des Schlachtbetriebes in all seinen Formen erforderte einen ständig steigenden Personalbestand. Der Schlachthof entwickelte sich in Folge zu einem der leistungsstärksten Versorgungsbetriebe, dessen Produktion leider in der Wendezeit ein trauriges Ende fand. Der Schlachthof ging 1957 noch in kommunaler Verwaltung nach Forst, wo Spremberg ein Betriebsteil bildete und nach langer eigenständiger Arbeit keine große Begeisterung bei dem Personal fand. Auf dem Hof des Städtischen Schlachthofes hier in Spremberg widmeten die Meister und Gesellen als Andenken den Gefallenen der Fleischer im 1. Weltkrieg ein Denkmal ihrer Innung. Die Bauten des Schlachthofes wurden, wie mir bekannt ist, einst in die Liste der Baudenkmäler aufgelistet. Heute stehen die Gebäude leer und sind dem Schicksal überlassen. Das ehemalige Beamtenhaus, an der Straße gelegen, war lange Zeit noch bewohnt. Ein Käufer bzw. Investor für die historischen Gebäude, denke ich, hat sich bis heute noch nicht gefunden, oder?“