Vor über 160 Jahren als „Ausspanne“ gebaut, zur Wende eine Nobellokal.

Ganz so leicht war die Antwort diesmal nicht zu finden. Einige Leser vermuteten, es sei das inzwischen abgerissene Gasthaus „Zur Post“ in Madlow. Andere tippten richtig auf Ströbitz, vermuteten aber die „Neue Welt“, die es noch als Wohnanlage gibt.
Frank Irmer aus Cottbus schreibt: „Diesmal muss ich raten und habe mich für Ströbitz entschieden. Ströbitz hatte schon vor der Eingemeindung viel Gastronomie und war stolz darauf. Sogar die Polizeigewalt von Cottbus galt hier damals nicht. Da dies damals noch ein Dorf war, passt die Kleidung auch.“ Karola Siegmund aus der Finsterwalder Straße in Cottbus weiß genau: „Es handelt sich um den Stadtteil Ströbitz, und abgebildet ist der Tanzsaal der ‘Alten Welt’, rechts daneben das alte Gasthaus vor dem 1.Weltkrieg; das dann neu gebaute Gasthaus steht heute noch.“

Ganz genau beschreibt Helga Nattke die Situation. Die Ströbitzer Ortschronistin hat uns das Motiv aus ihrer Sammlung zur Verfügung gestellt: „Wir blicken in die , wo Eduard Miersch 1864 seine ‘Ausspanne’ für Fuhrwerke errichtet hatte. Die Pferde bekamen Hafer und Wasser, die Kutscher am Stammtisch Bier und neuste Nachrichten. Später wurde der hohe Tanzsaal angebaut. Hier übte auch die Turnerschaft und probte der Gesangsverein. Hinter den Gebäuden trainierte ab 1913 der ‘Wacker’- Fußballverein. In den 1980er Jahren erblühte die „Alte Welt“ als Tanzlokal gehobenen Niveaus und profitierte mit der Wende kurzzeitig vom geschäftlichen Vorsprung. 1992 trafen sich im Lokal die Gründer des Ströbitzer Bürgervereins, kurz danach übertrug das ARD von hier ein ‘Spezial’-Talk über die ostdeutsche Aufbruch-Stimmung. In der Schwanstraße gab es noch in den 1980er Jahren viele Geschäfte: die bekannte Drogerie Kurt Seefeld, Emma Schneiders Zigarrengeschäft, Schuster Hagen, Fleischerei Banke, Lebensmittelladen Tante Braun, Kurz- u. Weißwaren Elisabeth Nevoigt und gleich neben der ‘Alten Welt’ die Gärtnerei Otto Linke.“

Cottbus-Kenner Jürgen Klingmüller meint: „Diesmal kann ich nur raten. Es könnte im damaligen Dorf Ströbitz sein. Die Straße hieß zu jener’Zeit noch Schwanstraße und ist heute die Karl-Liebknecht-Straße. Der Hausgiebel rechts könnte von der Gaststätte ‘Alte Welt’ sein.“ S. Sachse weiß: „Das hohe Haus war der Tanzsaal des ‘Etablissements Alte Welt’, ab etwa 1980 Lagerhalle der Einkaufs- und Liefergenossenschaft für Klempner und Metallbauer. Wer zum Beispiel per Deputat eine Schwerkraftheizung zugewiesen bekam, konnte dort nach einigen Jahren Wartezeit über den Hof die begehrten russischen Gussradiatoren abholen.“ Die halten wohl heute noch. Gewonnen hat diesmal Vera Straube aus der Cottbuser Ringstraße. Herzlichen Glückwunsch!
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