Statt der Kapellenstraße gibt es heute die Mall im Lausitzer Hof.

Brigitte Albrecht vom Striesower Weg in der Vogelsiedlung Cottbus sagte uns am Telefon: „Die Lösung ist eindeutig C, am Berliner Platz. Das entspricht meiner Erinnerung.“ Elektroprofi Gerd Voß hat die Bildstimmung genau verinnerlicht: „Es ist ein sonniger Tag, die Sonne scheint von Süden auf den Berliner Platz, die Straßenbahn rechts kommt aus nördlicher Richtung, also aus Schmellwitz, die Bahnen mit den Nummern 15 und 21 stehen in West-Ost-Richtung, also Ströbitz, Richtung Altmarkt bzw. Sandow. Im ganz rechten Gebäude befanden sich früher Schulungsräume der Bauhochschule bzw. die Hilfs- oder Sonderschule. Das Foto wurde aus Richtung Altmarkt geschossen. Die Uhr zeigt uns die Mittagszeit und dazu passt dann auch rechts der Schatten von der Straßenbahn.“
Frank Irmer aus Cottbus, Philipp-Melanchthon-Straße, ordnet das Sichtbare und das Verdeckte: „ Die beiden Straßenbahnen von der WUMAG Görlitz wurden bis 1965/71 ausgemustert. Demnach, glaube ich, sind wir zwischen 1965 und 1970. Rechts biegt die ‘Elektrische’ (Typ ET50 aus dem Waggonbau Gotha) hinter der ehemaligen Mädchenschule-, später Hilfsschule, in die Friedrich-Ebert-Straße ein. Der gerade noch, ganz rechts, erkennbare Zeitungskiosk ist auch noch in meiner Erinnerung. Die im Hintergrund sichtbare Straßenzeile, Kapellenstraße mit der ‘Börse’ (hinter Tram Nr.15) an der Berliner Straße musste der Neugestaltung der Innenstadt weichen so wie auch die Schule der Neutrassierung der Straßenbahn.“
Auch für Klaus Reiter lässt sich alles gut ordnen: „Wir sehen hier den Berliner Platz, und die eine Straßenbahn fährt in die Friedrich-Ebert-Straße. Dahinter das Gebäude war die Bäckerei Zinke. Links daneben ist Foto Goethe, damals noch Kapellenstraße. Hinter dem Baum stand das Gasthaus ‘Zur Börse’, später wurde dort das Hotel Lausitz gebaut. Rechts sehen wir die 2. Gemeindeschule,in die nur Mädchen gingen. 1947 war es Grundschule und dann Hilfsschule; diese wurde 1969 gesprengt. Die beiden alten Straßenbahnen stehen in der damaligen Wallstraße. Leider ist alles weg und der Berliner Platz wurde mehrmals umgestaltet.“

Katrin Lehmann aus der Rostocker Straße in Cottbus beschreibt: „Beide Straßenbahnen stehen am Berliner Platz. Im Hintergrund fährt gerade eine Bahn neuerer Bauart in die Friedrich-Ebert-Straße, sie verdeckt den Eingang zur Bäckerei Zinke in der Kapellenstraße. Das im Bild gezeigte Fotogeschäft ist Foto-Goethe. Die beiden Straßenbahnen verdecken das Gasthaus ‘Zur Börse’ hinten in der Berliner Straße. Dieses Gasthaus stand noch bis zum Neubau des Hotels ‘Lausitz’, das es schon längst nicht mehr gibt. Am rechten Bildrand erkennen wir das Gebäude der ‚Zweiten Gemeindeschule‘. Erst eine Mädchenschule, dann eine Grund- und später eine Hilfsschule.“ Das ganz genaue Datum der Bildaufnahme weiß S. Sachse, der uns mailt: „Das erstaunlich lebhafte Ansichtskartenmotiv kam als Echtfoto-Handabzug aus den Fototechnischen Werkstätten Bestensee in den Handel und trägt die Jahreszehl 1957. Damit gehört es in die noch unruhige Cottbuser Zeit 12 Jahre nach Kriegsende. Man hatte mit viel Euphorie die 800-Jahrfeier 1956 erlebt, war aber mit Neuem oft unzufrieden. Zum Beispiel gab es viel Kritik an der neu eröffneten Nobel-Gaststätte ‘Stadt Cottbus’, die im Sommer 1957 öffnete. Sie war manchem Cottbuser zu fein und in zu viele Räume geteilt. Dabei hatten die Architekten vom Entwurfsbüro Hochbau Cottbus Meisterhaftes vollbracht. Sie mussten ihre Ideen in den Mauern der Ruine des Kaufhauses Waldschmidt umsetzen. Denn ‘Stadt Cottbus’ war kein Neubau, sondern eben die untere Etage des einst größten Cottbuser Kaufhauses. Leider konnte diese noble Gaststätte nicht über die Wendezeit erhalten werden. Vergleichbare Qualität suchen wir heute in Cottbus vergeblich. Vom Rätselbild war es nur eine Straßenbahnstation zum ‘Stadt Cottbus’ in der Sprem, einst das Erste Haus am Platze.“
Vielen Dank allen Lesern, die das Motiv zum Schreiben angeregt hat.
Elfriede Schütze-Tarnick aus der Cottbuser Hölderlinstraße: „Ein Hallo an den ‘Boten’. Es ist der Berliner Platz. Diese Ansicht bot sich vom Altmarkt her. In welchem Jahr genau diese Aufnahme gemacht wurde, kann ich nicht sagen, aber im Frühjahr 1967 war alles noch so. Da hatte ich nämlich mit meinem Sohn (zweieinhalb Jahre) auf diesem Platz einen Unfall. Wir wurden durch hilfreiche Menschen auf die Stufen der Schule (rechts im Bild) getragen bis uns ein Krankenauto holte. – Danke für diese Aufnahme. Sie hat mir das Erlebnis von vor 58 Jahren ‘bildhaft’ in Erinnerung gebracht.“
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