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Wilhelm Nevoigt - Lehrer und Leitbild in Ströbitz - Märkischer Bote Wilhelm Nevoigt - Lehrer und Leitbild in Ströbitz Wilhelm Nevoigt - Lehrer und Leitbild in StröbitzMärkischer Bote
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Wilhelm Nevoigt – Lehrer und Leitbild in Ströbitz

Bilder aus dem alten Cottbus | Von | 28. April 2023

Wilhelm Nevoigt ganz privat. Er war ein Mann von freundlicher, dienstlich aber durchaus strenger Ausstrahlung

Wilhelm Nevoigt ganz privat. Er war ein Mann von freundlicher, dienstlich aber durchaus strenger Ausstrahlung

Nur selten erreichen Dorfschullehrer so hohe und anhaltende Popularität wie Wilhelm Nevoigt in Ströbitz. Selbst zu seinen 170. Geburtstag am kommenden Dienstag, 2. Mai 2023, kennt ihn im jetzigen Ortsteil von Cottbus jedes Kind. Der einstige Lindenplatz (Dorfanger), auf dem seine Wirkungsstätte steht, ist seit 1930 nach ihm benannt, und die 1974 neu eröffnete Polytechnische Oberschule, jetzt Europa-Grundschule, trägt heute seinen Namen.
Wilhelm Nevoigt war ein Ur-Ströbitzer. Sein Vater baute als Stellmacher die Ackerwagen und besohlte als Schmied die Pferde. Einer seiner Söhne, Christian, führte dieses Handwerk fort und wurde außerdem Bürgermeister des Ortes. Wilhelm, am 2. Mai 1853 geboren, besuchte das Lehrerseminar in Altdöbern, wo er bei seinem Onkel wohnte, der dort ebenfalls Schmied war.

Die mehrfach erweiterte Schule am Nevoigtplatz ist jetzt zum Wohnhaus umgebaut

Die mehrfach erweiterte Schule am Nevoigtplatz ist jetzt zum Wohnhaus
umgebaut

Mit 23 Jahren trat er nach zwei „Übungsjahren“ in Kolkwitz die Lehrerstelle in seinem Heimatdorf an und sah sich vor einer Riesenaufgabe: „Von 180 Schülern konnten höchstens 18 wirklich lesen und schreiben“, notierte er. Preußens ländliches Schulwesen steckte in Kinderschuhen, das in den wendischen Dörfern in Holzpantinen. Bis in die späten Jahre des 19. Jahrhunderts wurde hier wendisch unterrichtet. Nevoigt, dem klar war, dass sich den Kindern damit außerhalb des bäuerlichen Lebens wenige Chancen eröffneten, setzte sich als Hauptlehrer für Unterricht in Deutsch ein. 1909 wurde er Rektor, und 1911 unterrichteten bereits elf Lehrer in 15 Klassen. Die seit etwa 1776 bestandene Schule war längt mehrfach baulich erneuert und erweitert worden. Nun setzte Nevoigt den Schulneubau durch; es entstand die heutige Gottfried-Forck-Schule mit Turnhalle in der Schulstraße. Beide Schulteile hatten, als der Rektor 1921 in den Ruhestand ging, 18 Lehrer, und unter den Kindern waren die aus Bauernfamilien in der Minderzahl. Ströbitz war mit der Eisenbahn zum Industriedorf mit vielfältigem Vereinsleben geworden. Mehrere Vereine hatte Wilhelm Nevoigt selbst angeregt und mitbegründet. Seine besondere Leidenschaft aber galt schon frühzeitig den Bienen. Zeitweise betreute er 180 Völker, und unter den Imkern der Lausitz war er ein angesehener Experte dieses Fachs. Die Nazis, heißt es, mochten Nevoigt nicht sonderlich. Ihr Krieg blieb ihm erspart; er ist am 19. August 1939 friedlich eingeschlafen. H.

Weitere Beiträge über das historische Cottbus finden Sie hier!



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