Das Leben und das Sterben

kommentar_j_heinrich Die Menschen begegnen sich heute an den Gräbern. Die Lebenden und die Verstorbenen. Es sollte Zeit genug sein, zu reden und zu hören.
Die Welt hat sich verändert. Niemand, der vor uns ging, würde sich darüber wundern. Auch wir tun es nicht, wenn wir uns die Zeit nehmen, uns mit den Dingen ruhig zu beschäftigen. Im ganz wörtlichen Sinne auch mit den Fragen, die das Leben und das Sterben betreffen.
Mancher Cottbuser geht heute heim vom Grab seiner Familie und taucht kommende Woche wieder ein in ein Thema, das ihm seit Wochen Unbehagen macht: Friedhofsgebühren.
Sie stehen im beginnenden Advent wirklich auf der Tagesordnung der Stadtverordneten und lassen sich nicht beiseite drängen. Das Leben, unser Leben, ist verdammt teuer geworden. Das Sterben wird es auch.
Es bleibt immer schmerzlich, einem trauernden Menschen das ernsthafte pekuniäre Problem buchhalterisch vorzuzählen. Besonders in den eingemeindeten Stadtteilen, wo im einst dörflichen Dasein der Friedhof immer fester Teil des Zusammenlebens war, ist die Entfremdung und nun Kommerzialisierung des Sterbens ein tiefer Einschnitt in Lebensqualität. Nicht so sehr in die errechnete, sondern in die gefühlte. Und eben das macht die Menschen so betroffen. Aber lässt sich zurückbitten, was wir als Wärme und Würde erinnern?
Weniger Menschen begegnen sich heute an den Gräbern. Weil wir weniger und flüchtiger geworden sind in unserem Wesen.
Die Feierhallen erfüllt seltener Trauer. Sie sind teuer und wir haben aufwändigen Abschied längst verlernt. So müssen Gebühren steigen. Was hilft’s – wir sterben so komfortabel, wie wir unbesonnen leben.