Das teure Museum

kommentar_j_heinrich_thumb_thumbIn der Stadt Cottbus kommt sehr langsam eine Diskussion über Museen in Gang. Das heißt: Eigentlich nur über das Stadtmuseum, das hier schmerzlich fehlt.
Für Touristen bietet Cottbus museal Bemerkenswertes: Zunächst das Pücklermuseum mit Blechensammlung in Branitz, dann das Kunstmuseum im dkw, lausitzspezifisch das interessante Wendische Museum in der Mühlenstraße, einige Schritte weiter das gut besuchte Apothekenmuseum und – nicht zu vergessen (wenn auch vereinsgeführt) – das deutschlandweit bekannte Flugplatzmuseum. Kleinere Objekte in Stadtteilen und die Spreewehrmühle kommen noch hinzu. Nur eines hat die Stadt eben nicht – ein Stadtmuseum. Oder genauer: Sie hat eins, aber zeigt es nicht, obwohl das Haus, einst „Cottbuser Anzeiger“, in den 1990er Jahren für 4,5 Millionen D-Mark saniert wurde. „Plötzlich“ (!) stellt sich heraus, dass es dort nicht einmal brauchbare Steckdosen gibt. Statt die Hausfunktion schnell wieder herzustellen, wie es jeder private Besitzer bei Strafe seines Untergangs tun müsste, schließen Kultur- und Immobilienamt die Augen und träumen. Von einem noch schöneren Haus, das sie verkommen lassen möchten. Die erwürdige alte Hauptsparkasse gegenüber soll es sein. Wozu, fragt sich ein jeder. Stadtarchiv und Museum unter einem Dach zu haben, birgt eine Fülle an Synergien. Zudem hat die alte Dru-ckerei einen Hof für Spiele der Museumspädagogik, der sogar die Option eines späteren Erweiterungsbaus anbietet. Die Sparkassenimmobilie, die der Stadt gar nicht gehört, hat nicht einmal einen Parkplatz.
Schluss also mit Planspielen; das Museum wird sonst immer teurer. Jürgen Heinrich