Spremberg hat viele Alleinstellungsmerkmale. Nun auch dieses: Hauptstadt der Wölfe! Drei Rudel tummeln sich im Stadtgebiet. Aber keine Angst, meint Markus Bathen im Wolfbüro, das seit letztem Sommer in der Badergasse wohnt. Wölfe tun uns nichts. „Wölfe fliehen vor dem Menschen auch nicht panisch. Wir sind ihnen egal.“
Mag sein, dass gerade das die Eitelkeit manches Zeitgenossen verletzt, aber umgekehrt ist es eben nicht so. Der wiedergekommene Wolf ist uns Menschen nicht egal. Es gibt inzwischen 14 Rudel in Deutschland, 11 in der Lausitz. Hinzu kommen Einzelgänger aus Polen und Italien.
Der sächsische Fachminister verstieg sich kürzlich vor Experten zu der Bemerkung, der Wolf sei Zeichen einer intakten Landschaft. Respektlos entgegnete der bekannte Hoyerswerdaer Artenschützer Dr. Werner Jorga: „Welch ein Unfug!“ Niemals könne der Wolf Indikator einer heilen Landschaft sein, denn es gab in der DDR mehr als genug. Sie wurden regelmäßig geschossen.
Statt den Wolf zum Arbeitgeber für Beobachter und Schadensbegleicher zu machen, gelte es den Schutz der wirklichen Indikatoren wieder aufzunehmen: Frösche, Singvögel, Lemikolen nehmen dramatisch ab, weil geförderte monokulturelle Energie-Feldwirtschaft Lebensräume killt.
Und der Wolf? Er finde seine Nischen, sagt sein Schützer. Nur zu 0,5 Prozent ernähre er sich von Haustieren. Jäger schießen ihn nicht. Aber käme Isegrimm ins Jagdrecht, würden sie die Flinte wohl bald ins Korn werfen. Denn dann wären sie für den Schadensausgleich verantwortlich.
Vorläufig aber gilt im dunklen Tann der spannende Wettbewerb: Wer ist eher am Reh – Wolf oder Jäger? Jürgen Heinrich