Das Cottbuser Stadtgrün, wie auch das in Spremberg, Forst und Guben, hat’s schwer. Wir schrieben über das hohe Alter der Bäume, die enormen Kosten ihrer Pflege, die schier utopischen Summen für Neupflanzungen. 1 000 Euro pro Baum! Und wir erwähnten, dass es viele Möglichkeiten für unsere Mitbürger gibt, dem Stadtgrün zu helfen.
Klarer Fall, sagen unsere Leser, machen wir. Die Ideen, Initiativen und Aktionen sind zahlreich – vom Förderverein „Fürst Pückler in Branitz“ e.V. über die fleißigen Experten aus Kleingartensparten, die über ihre Zäune hinaus wirken, bis zu einzelnen Helden prächtiger Vorgärten.
Einen langen Brief schrieb uns Grit Prigand aus Cottbus-Sandow. „Der Artikel über den Zustand der Cottbuser Bäume sprach mir aus dem Herzen“, schreibt sie und schildert, wie sie erst eine Kastanie und später eine Linde vor ihrem Haus in Obhut nahm, die jungen Stämmchen vor Rasenparkern schützte, Blütenzwiebeln steckte und sich über querlatschende Zeitungszusteller ärgerte, immer wieder durch die Kerzen der Kastanie, den Duft der Linde, den Schatten der Kronen und die Farbenfreude der Blumen, die sich retten konnten, belohnt wurde. Ihre Sonnenblumen schnitten nächtliche Räuber ab, aber der Efeu, der verletzten Stämmen Schatten gibt, blieb erhalten. „Ich dachte all die Jahre, ich würde Nachahmer finden“, schreibt die 75jährige. Aber sie werde belächelt und gelegentlich mit Ausdrücken bedacht. „Naja“, findet die Sandowerin, „es muss eben ein paar komische Alte geben.“
Da hat sie wohl recht, die Frau. Wenn es auch noch ein paar „komische Junge“ dazu gäbe, würden wir uns alle miteinander besser fühlen. Vielleicht fangen wir mal an damit… Jürgen Heinrich