Es herbstelt schon sehr, und unser Alltag rast in voller Fahrt dem letzten Quartal des Jahres entgegen. Der September gehört nach langem Sommer zu den produktivsten Monaten im Jahr. Auch die Kommunikation läuft hochtourig. Die traditionell geschriebene, wie die im Internet. Letztere lässt uns mitunter den Kopf schütteln. Von taktlosen Ausfällen, deren Absender kaum zu retten sind, bis zu peinlichen Offenbarungen aus eigentlich solide eingestufter Herkunft reicht das Text-Bild-Piktogramm-Angebot. Muss das eigentlich so flach sein, was da multimedial auf uns einwirkt und uns manchmal das Wochenend-Frühstück verdirbt?
Alexander von Humboldt, dessen 250. Geburtstag wir vor zwei Wochen begingen, wird die Überlegung zugeschrieben: „Die Sprache ist gleichsam die äußere Erscheinung des Geistes der Völker. Man kann sich beide nicht identisch genug denken.“ Der letzte Universalgelehrte kannte natürlich kein Internet. Er würde es heute als Spiegel unserer Gesellschaft und ihrer Geisteshaltung definieren. Ganz ohne Zweifel. Es projiziert unentwegt zahllose verschiedene Spiegelbilder von uns selbst. Spiegelbilder, die wir selbst erschaffen und in die Öffentlichkeit geben.
Ja, Internet ist Öffentlichkeit, und so wie wir uns sehr genau überlegen, wie wir uns kleiden oder frisieren für diese Öffentlichkeit, so sollten wir stilvoll erst recht in dieses Medium treten.
Was aber tun gegen den Schwall des Unmäßigen? – Ignorieren. Einfach übersehen. Als „Quelle“ lässt sich sowieso nichts verwenden. Um Humboldt gerecht zu werden, bleibt uns die Rückkehr zum gedruckten, verlegerisch sorgsam erzeugten Buch. Das ist quasi die „Gute Stube“ der Öffentlichkeit, nicht der Schweinestall.
Bibliotheken und Buchhandlungen der Lausitz bieten im nahen Oktober viele Termine im Bücherherbst – in feinem Stil und in üppigen literarischen Farben. Viel Spaß dabei. J.H.
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