Hoklapnica ohne Weh

kommentar_j_heinrich_thumb_thumbIm wendischen Umland nordwestlich von Cottbus und auch in einigen eingemeindeten Stadtteilen ist das alte Jahr „abgeklopft“ worden. Ein bemerkenswerter Brauch, der schon 100 Jahre oder länger gepflegt wird. Während sich in den Städten zu kommunalen Themen nur mühsam Auditorien finden, füllen sich die Dorfsäle zur Hoklapnica stets bis auf den letzten Stuhl.
Allerdings: Zum Ärger der immer seltener werdenden muttersprachlichen Wenden steht auf Anschlagzetteln und auch danach in den lokalen Nachrichten meist „Woklapnica“. Das „W“ vorn dran tut den Wenden weh, denn, so lehrt es der reine Sprachgebrauch zum Beispiel in Schmogrow: Der Begriff heißt Hoklapnica und wird ‘Oklapnica gesprochen. Das stumme „H“ an der Spitze schweigt. Das „W“, von den amtlichen Oberlausitzer Sachwaltern ins Schulsorbisch gefügt, tut es nicht. Und so schmerzen den richtig Einheimischen die Ohren, wenn alle Welt von Woklapnica mit stimmhaften „W“ spricht.
H oder W – was soll’s? So denken viele. Aber ist es nicht ein dramatischer Widerspruch, einerseits das traditionelle Ereignis zu preisen und zum deutsch regierten Vorteil zu nutzen, andererseits aber das wendische Wort dafür gering zu schätzen? Nur als Frage sei das formuliert, nicht als Vorwurf.
Wer als Fremder solche abendlichen Dorfdebatten und ihr lebhaftes Rahmenprogramm erspürt, der bekommt die Ahnung, dass hier wirklich ein Kleinod des gutnachbarlichen Miteinanders über die Zeiten gerettet wurde. Bis hin zur Schnapsrunde, die am Ende die Zugezogenen auszugeben haben. Auf die wieder mal gelungene Hoklapnica. Prost!