Kommentar: In die Kiste

Anfang diesen Jahres wurde uns ein heißer, trockener Sommer angekündigt. Es gab ein paar schöne Tage, aber direkt heiß empfanden wir zum Beispiel diese Woche nicht. Und wir haben ja im baumreichen grünen Cottbus auch nicht den Notstand anderer zubetonierter Städte, die unter Klimaextremen gelegentlich ächzen. Ja, es wäre schon schön, wenn die riesige Brache zwischen Wohnscheibe und Stadtmauer endlich urban überformt würde mit Erlebnis- und auch Schattenangeboten. Aber danach sieht es, aus welchen Gründen auch immer, vorläufig nicht aus. Stattdessen hat Bürgermeisterin Mohaupt hier in dieser Woche eine Kiste aufstellen lassen. Eine Klima-Kiste. Drinnen kühlt unter Sonnensegel ein Sprühnebel, befeuchtet klimagerechte Bepflanzung, und wem es neben der noch immer kahlen Bauwüste zu heiß werden sollte, der kann da hineinkriechen. Auf 35 Quadratmetern wird es wohl keine Massenansammlungen drinnen geben, und wer sich in um 12 Grad abgekühlter Luft kurzärmlig bibbernd fragt, was das Ganze soll, wird schnell aufgeklärt, dass dies ein „grünes Bildungsprojekt“ darstellt; wie die meisten solcher Projekte auf der Basis von klimaschädlicher Energieverschwendung.

Natürlich kann ein von gesundem Menschenverstand geführtes Rathaus nicht allein auf solchen Unfug kommen. Richtig: Es steckt auch hier bundesdeutsche Steuerverschwendung unter dem Decknamen „Förderprogramm zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ dahinter. Nur zehn Prozent der Anschaffkosten musste die Stadt beisteuern. Bei solchen Konditionen hieß es auch bei der Vorgänger-Bürgermeisterin stets: Dann machen wir das mal! Die nun anfallenden Betriebskosten und der Aufwand für die Betreuung – sicher wird dafür eine weitere Verwaltungsstelle ausgeschrieben – sind im Moment noch nicht durchgerechnet.
Laut Veranstalter steigert das Projekt die Aufenthaltsqualität und den Erlebniswert der Innenstadt. Wem bei solcher Schildbürgerei heiß wird, dem bleibt nur: Ab in die Kiste! J.H.

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