Kein Druck fürs CO2

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Die Bundesregierung konnte sich erneut nicht dazu durchringen, die Gesetze für die CO2-Abspaltung und unterirdische Verpressung zu verabschieden. Wie auf dem Basar wurden die Bedingungen gehandelt, als ginge es um rülpsende Kühe. Und da man sich nicht einigen kann, stellen sich die Protagonisten bockig in die Ecke. Bis zum nächsten Sommer. Der Schaden dieses Nichtstuns ist immens für all jene, die mit der schwebenden Ungewissheit leben müssen. Das sind die Ingenieure von Vattenfall, die jetzt 180 EU-Millionen, die als Dank für die Innovation bereitstehen, im märkischen Sand versickern sehen. Die Bergleute stellen sich ernsthaft die Frage, ob sich weitere Investitionen in die Zukunft hier lohnen. Das sind auch Unternehmer der Chemie, Beton und weiterer Branchen, die auf die CO2-Speichertechnologie warten, nicht nur in der Lausitz. Das sind aber auch die Grabkoer, Granoer und Atterwascher, die weiter den Tagebau fürchten, und die Menschen, die auf den begehrten Salzstöcken sitzen, wo das ach so klimaschädliche Gas verpresst werden soll. Wie ohnmächtig inzwischen sogar die Landesbediensteten sind, ließ Wirtschaftminister Ralf Christoffers auf den IBA-Terrassen durchblicken. Bitte bauen Sie allen möglichen Druck auf die Bundesregierung auf, flehte er in die Runde. Meinte er diese Art von Druck, den erboste Massen den Castor-Transporten soeben entgegenbrachten? Wohl kaum. Statt dessen wird das verzweifelte Hauen und Stechen in kleinen Kreisen weitergehen, weil die Menschen allein gelassen werden von den Entscheidern. Und längst sind Stimmen zu hören: Egal wie, Hauptsache es herrscht endlich Klarheit! Dann brauchen wir keinen Druck mehr.

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